Schöpferkraft – Ein Mysterium?

von | Sep 12, 2020 | Uncategorized | 0 Kommentare

Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Mitnichten!

Denn „Schöpferkraft“ meint nichts anderes, als das Bewusstsein, dass wir – jeder für sich – ab einem gewissen Alter alleinverantwortlich sind für das Leben, das wir heute führen.

Das Leben, das wir heute führen, ist das Ergebnis vieler in der Vergangenheit getroffenen Entscheidungen. Wie lebe ich? Wo lebe ich? Mit wem lebe ich? Welchen Beruf übe ich aus? Undsoweiter. In unseren Breiten entscheidet das niemand anderer, als wir selbst. Auch, wenn es sich manchmal anders anfühlen mag.

Sicher, es gibt immer Schicksalsschläge oder Ereignisse, auf die wir keinen direkten Einfluss haben. Hier haben wir aber zumindest die Möglichkeit zu entscheiden, mit welcher Haltung wir diese Schicksalsschläge betrachten. Betrachten wir sie als etwas, das uns Gelegenheit bietet, persönlich zu wachsen? Oder betrachten wir sie als etwas, das uns Gelegenheit gibt, uns weiter als Opfer der Umstände oder gar der vermeintlichen Boshaftigkeiten anderer Menschen zu fühlen?

Ich habe viele Menschen in meinem Leben getroffen, die schwere Schicksalsschläge erlitten haben und die doch überraschend lebensfroh waren. Und die einen ganz besonderen Spirit von „Freiheit“ und „Mut“ versprühten. Vielleicht, weil sie die Haltung eingenommen hatten: „Ich habe Ereignis X überlebt und schlimmer kann es gar nicht mehr kommen! Also schöpfe ich dieses Leben jetzt aus, mit allem, was es mir an Möglichkeiten bietet. Was soll mir schon geschehen!?“

Ich habe aber auch Menschen getroffen, die so voller manischer Todesangst waren, dass sich diese in pure Lebensangst verwandelt hat. Vor lauter Angst vor dem Tod haben diese Menschen noch zu Lebzeiten aufgehört, lebendig zu sein.

Ich weiß nicht, was den Unterschied bedingt zwischen diesen beiden Haltungen, ich selbst zähle mich übrigens zur zweiten Kategorie. Ich habe immer wieder Dinge entschieden, von denen ich nicht wusste, ob sie gut ausgehen würden. Zum Beispiel meine Entscheidung, mit dreißig Jahren meinen „sicheren“ Job zu kündigen und noch mal ein Studium zu wagen. Ich wusste nicht, ob ich das finanziell schaffen würde und ich wusste nicht, ob ich nicht letzten Endes doch zu blöd für ein Hochschulstudium sein würde. Ich habe es trotzdem gewagt, weil ich nun mal so bin, dass ich es wenigstens versucht haben will. Allein schon deswegen, um mir oder womöglich irgend jemand anderem nachher nicht vorwerfen zu müssen, es nicht versucht zu haben.

Als ich vor ziemlich genau dreizehn Jahren entschied, nach La Gomera zu gehen, da hatte ich keine Ahnung, ob das funktionieren würde. Im Gegenteil: Ich hatte durchaus auf der Rechnung aller Möglichkeiten, dass ich vollkommen enttäuscht werden würde von der Realisierung meines ewigen Träumchens. Schließlich kannte ich Gomera nur als Urlauberin und hatte noch nie länger als drei Wochen am Stück hier verbracht. Es bestand also die Möglichkeit, von einer eventuell nicht so angenehmen Realität aus meinem ewigen Gomera-Träumchen geweckt zu werden. Ich nahm dieses Risiko in kauf. Weil ich zutiefst wusste: Ich will nicht eines Tages auf dem Sterbebett liegen und mir die Frage stellen müssen: „Melanie, warum hast du es nicht wenigstens versucht?“. Heute kann ich sagen: Ich wurde für meinen Mut nicht nur nicht enttäuscht, sondern auch noch reichlich „belohnt“ in Form dreier wundervoller Menschlein, mit denen ich heute mein Leben teile. Etwas, das ich übrigens zu keiner Zeit auf meiner Träumchen-Liste stehen hatte. So kann’s gehen.

Seitdem stelle ich mir in regelmäßigen kurzen Abständen diese eine Frage: Wenn ich wüsste, dass ich nächste Woche sterben müsste, was würde ich bedauern, nicht gewagt, umgesetzt, ausgesprochen und gelebt zu haben?

Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, gehe ich sofort in Aktion und setze um, was mir möglich ist. Was mir nicht möglich ist – wie zum Beispiel aktuell das Reisen oder meine Familie in Deutschland und Kanada zu sehen – damit versuche ich, in Frieden zu kommen und zu bleiben.

Das Bewusstsein um die eigene Schöpfermacht, die sich in unseren vielen täglichen Entscheidungen zeigt, hat für mich nur dieses eine Ziel: Dass ich mir am Ende aller Tage im Spiegel des hinter mir liegenden Lebens ins Gesicht schauen und dankbar sagen kann: „Wow, was für eine Fahrt! Ich würde es immer wieder so machen!“

Dass es eines Tages so sein wird, dafür bin ganz alleine ich zuständig und verantwortlich.

Weil ich früh genug verstanden habe, dass ich Schöpfer meiner Umstände bin.

Und nicht deren Opfer.

Melanie Kaltenbach

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