Neulich im Ahrtal

von | Aug 26, 2021 | Allgemein, Uncategorized | 0 Kommentare

Neulich war ich zwei Wochen wegen einer familiären Angelegenheit in Deutschland. Effektiv waren es nur neun Tage, da ich negativ getestet noch fünf Tage in Quarantäne musste. Blöd, aber sei’s drum. Jedenfalls habe ich einen dieser neun Tage genutzt, um mit meiner Schwester ins Ahrtal zu fahren. Ich wollte wenigstens ein kleines bisschen dazu beitragen, dort unten zu helfen. Gemäß der Devise: „Das, was meine Hände an einem Tag verrichten, muss ein anderer nicht tun und kann dafür etwas anderes machen“. Ich wollte mich auch in dieses besondere „Feld“ der Menschen einklinken, das ich seit dem ersten Tag nach der Flutkatastrophe mit wachsender Faszination beobachte.

Ich sag‘ mal so: Das, was sich einem dort unten auftut, ist die nachsintflutartige Hölle auf Erden! Anders kann man es nicht beschreiben. Zu sehen, welche Kraft die Wassermassen hatten, macht einen sprach- und fassungslos. Ich lebe am Atlantik. Ich weiß um die immense Kraft des Wassers, weiß, welche Wucht es aufbringen kann, wenn es bei entsprechender Wetterlage zentnerschwere Felsen wie kleine Murmeln von einem Platz zum anderen bewegt. Aber das, was das Wasser dort unten im Ahrtal angerichtet hat, das sprengt alles, was ein Mensch sich vorstellen kann. Allein dass die Ahr, das sonst so harmlos dahin plätschernde Flüßchen, sich binnen kürzester Zeit zu einem solchen Monstertsunami aufbauen konnte, ist unfassbar.

Das Leid, das die Flutnacht für die Menschen in den betroffenen Gebieten gebracht hat, hat ebenfalls keine Worte und sprengt unser aller Vorstellungsvermögen. Ich glaube, kaum jemand kann sich vorstellen, wie es ist, wenn von jetzt auf gleich alles weg bricht, wenn einem nichts mehr bleibt. Kein Haus, keine Kleidung, keine Dokumente. Nichtmals mehr Erinnerungen. Weil das Wasser alles mitgenommen hat. Im schlimmsten Fall sogar liebe Menschen, Freunde, Nachbarn….

Meine Schwester und ich hatten die Gelegenheit, mit ein paar Betroffenen reden zu können. Beziehungsweise waren es die Betroffenen, die geredet haben. Wie Wasserfälle sprudelten sie über und während wir ihnen zuhörten wussten wir, dass dieser Mensch diese Geschichte schon zum x-ten Mal erzählt. Und sie trotzdem noch immer nicht verstanden hat. Weil das einfach nicht geht, weil das vermutlich niemals gehen wird. Das Verstehen dessen, was da eigentlich passiert ist. Und so standen wir nur da, hörten zu und schenkten unsere Präsenz und Herzenswärme. Mehr ging nicht. Nicht an einem Tag.

In meinen folgenden Blogbeiträgen werde ich über das Ahrtal schreiben. Zum einen, weil die Menschen und die Natur dort auf gar keinen Fall aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinden dürfen. Das, was dort passiert ist und gegenwärtig passiert, geht uns alle an! Uns, als Gesellschaft. Auch, weil diese Menschen dort unten noch sehr lange auf Menschen angewiesen sind, die aus reiner Nächstenliebe und Barmherzigkeit helfen.

Des weiteren sind die Themen, die sich dort unten auftun, so mannigfaltig und gesellschafts- und zukunftsrelevant, dass ich unbedingt mein Teil dazu beitragen will, diese Themen aufzuzeigen und uns damit vertraut zu machen. Die Themen, die ich meine, gehen von Organisationsentwicklung über Naturschutz bis hin zu spirituellen Themen, wenn wir das mal so nennen wollen.

Und dann möchte ich auch über die vielen kleinen Wunder schreiben, die dort unten – neben den Folgen der unfassbaren Katastrophe – auch geschehen. Auf dem Foto sieht man eine kleine Muschel. Sie lag plötzlich vor meinen Füßen, als ich mich am Ende des Tages mit meiner Schwester in den Schatten eines Baumes begab, der die Flut überlebt hatte. Meine schmutzigen  Fingernägel zeugen ein wenig von der Arbeit, die wir da unten gemacht haben. Mit Arbeitshandschuhen, versteht sich. Aber der Dreck dort unten geht überall durch. Neben uns floss die Ahr, auf ihr ein paar Entchen, zwischen verloren gegangenem Campingklo und Öllache. Wer die Zerstörung im Tal gesehen hat, wer gesehen hat, wie viel unterschiedlicher und auch erschreckender Müll dort überall herum liegt, der weiß: Dass diese kleine Flussmuschel unversehrt geblieben ist, ist ein Wunder!

Ich habe die kleine Muschel zu ihrem eigenen Schutz mitgenommen. Normaler Weise mache ich sowas nicht, aber in diesem Fall ist gewiss, dass sie kaputt geht, sobald die Bagger kommen. Und sie werden kommen. Ich habe sie bei meiner Mutter gelassen und wenn ich das nächste Mal nach Deutschland komme, dann werde ich sie zurück bringen und in die Ahr legen. Aufgrund des Coronairrsinns weiß ich nicht, wann das nächste Mal sein wird. Am liebsten wäre es mir so bald wie möglich. Denn wer einmal im Tal war, den lässt es nicht mehr los, der muss wieder hin. Und helfen. Egal wie. Auch so ein Wunder, nicht wahr….!?

Bis dahin werde ich weiter beobachten. Und schreiben, schreiben, schreiben. Auch auf meinen youtube-Kanal werde ich weiter Videos dazu machen.

Damit das, was uns alle angeht – jetzt und in Zukunft – in unserem Bewusstsein bleibt.

Damit wir die vielen Chancen, die uns die Katastrophe als Menschen und als Gesellschaft bringt, zum Wohle aller und zum Wohle unseres Planeten nutzen!

Der Paradigmenwechel, auf den wir alle gewartet haben, ist in vollem Gange.
Da unten, an der Ahr….
Wer hätte das gedacht!?

Mehr dazu demnächst auf dieser Seite.

Allen Betroffenen und Helfern sende ich von hier aus ganz viel Kraft!

Melanie Kaltenbach

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