Anamnese

von | Feb 23, 2021 | Allgemein, Uncategorized | 0 Kommentare

Bald jährt sich Corona zum ersten Mal und ist es an der Zeit für eine Rückschau.

 

Was ich von Anfang an vermisst habe, sind zwei Dinge: Zum einen eine umfassende Anamnese, zum anderen das deutlich erkennbare Bestreben der Entscheidungsträger nach praktikablen Lösungen und die Suche nach einem größtmöglichen Konsens zwischen allen Beteiligten. Wobei eine vorherige umfangreiche und dauerhafte Anamnese dafür sicherlich hilfreich gewesen wäre, wenn nicht sogar die Grundlage gebildet hätte!

 

 

Was meine ich mit Anamnese?

Genau das, was eine umfassende Anamnese ausmacht: Das akribische und detaillierte Abfragen sämtlicher Parameter, die für eine Erkrankung infrage kommen. Nach allem, was wir heute über Corona und seinen Verlauf wissen, bin ich überzeugt, dass ich es selbst hatte. Und viele andere Menschen in meinem Umfeld ebenfalls, und zwar zur selben Zeit, als man das noch „schlimme Grippe“ nannte. Andere wiederum, die sich um die Erkrankten kümmerten, ohne irgendwelche Schutzmaßnahmen zu beachten, erkrankten nicht, beziehungsweise mag es sein, dass sie sich infizierten, aber sie blieben ohne Symptome.

 

Alternativloses Desinteresse?

Ich meine, das muss einen als Wissenschaftler im medizinischen Bereich doch geradezu herausfordern, die gemeinsame Schnittmenge zwischen allen Erkrankten mit schwerem Krankheitsverlauf zu finden!? Man möge mich korrigieren, aber ich habe das Bemühen um eine ebensolche Anamnese zum Zwecke der Schnittmengenfindung zu keinem Zeitpunkt wahrnehmen können! Mit „umfassend“ meine ich eine Anamnese, wie sie zum Beispiel in der Traditionellen Chinesischen Medizin, in der Homöopathie oder überhaupt in dem, was man fälschlicherweise als „alternative Medizin“ bezeichnet, vorgenommen wird. Fälschlicherweise deswegen, weil es zu dieser Form von umfassender Medizin eigentlich gar keine Alternative gibt. Weil hier sämtliche Lebensbereiche – auch mit ihrer biografischen Evolution – detailliert abgefragt werden. Nicht der fünf Minuten Abklatsch, wie man ihn normaler Weise kennt, wenn es nur um Symptombehandlung geht. Sondern umfassendes Interesse zum Zwecke der Ursachenforschung. Das einzige, das überhaupt Sinn macht. In jedem Bereich übrigens, nicht nur in der Medizin.

 

Verhältnismäßig unverhältnismäßig!

In Bezug auf Corona blieb diese umfassende Anamnese der Erkrankten mit schwerem Verlauf einfach aus. Dabei hätte eine solche Anamnese geholfen, vieles in Relation zueinander zu bringen und die getroffenen Maßnahmen in ein einigermaßen gesundes Verhältnis zur Realität zu setzen. Stattdessen: Wilde Zahlen, völlig abstruse Modifikationen der Grenzwerte, alles über einen Kamm geschoren, Hin und Her, jede Menge kognitive Dissonanz, völlige Orientierungs- und Planlosigkeit und totale Überforderung aller Beteiligten. Frei dem Motto: Einmal mit dem Hammer drauf. Irgendwann wird man schon nen Treffer landen. Bingo! Getroffen!

Die Weltwirtschaft ist am Arsch. Ok, die ganz Großen gehen derzeit als klare Gewinner aus dem ersten Coronajahr hervor. Auch interessant. Aber von den vielen, vielen nicht so großen Unternehmen sind die meisten jetzt schon so gut wie tot. Von dem wahren Tsunami, den allein das erste Coronajahr verursachen wird, können ein paar Vorausschauende weit hinten am Horizont schon die ersten Wellenspitzen sehen. Eingetroffen ist er noch lange nicht, aber er wird kommen und er wird sämtliche Lebensbereiche treffen, unterspülen und im besten Fall reinigen. Viele andere hingegen scheinen noch gar nicht begriffen zu haben, was dieses eine Jahr Corona systemisch bedeutet und dass unser Leben nie wieder so sein wird, wie wir es vor Corona kannten. Warum und für welche Bereiche das durchaus positiv ist, darüber werde ich in einem nächsten Beitrag schreiben.

 

Trümmerkinder, die Zweite!

Ich überlege gerade, was ich zum Abschluss Positives schreiben könnte. Schließlich möchte ich Sie nicht mit schlechter Laune oder Hoffnungslosigkeit zurück lassen. Denn auch, wenn es im Außen derzeit nicht danach aussieht, so bin ich doch voller Überzeugung, dass sich alles zum Guten wenden wird. Es wird nicht von heute auf morgen gehen, es wird auch nicht der Zweite Messias erscheinen und uns aus der Scheiße retten. Wir werden das ganz selbst anpacken müssen und wir werden viel zu tun haben. Es gibt Stimmen, unter anderem die von Klaus Schwab, dem Gründer des Weltwirtschaftsforums, der die Zeit „nach Corona“ mit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg vergleicht. Auch ich, nicht ganz so bekannt und einflussreich wie Herr Schwab, habe das bereits ganz zu Beginn der Krise meinen KlientInnen prophezeit: Das, was wir demnächst zu tun haben, wird der Arbeit der Trümmerfrauen gleichen. Wer als Deutscher an dieser Stelle schluckt und meint, das könne man doch wohl nicht vergleichen, dem empfehle ich eine umfassende und akribische Anamnese seiner Geschichte und der seiner Ahnen.

Bleiben Sie gesund und hoffnungsfroh. Und vor allem:

Bleiben Sie! Sie werden womöglich noch dringend gebraucht.

 

Melanie Kaltenbach

 

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