Wasser ist stärker als Stein

Da saß ich nun, heute Morgen, an meiner Lieblingsstelle am Meer, die ich „meine Kirche“ nenne. Auf einem bequemem Stein sitzend sah ich dem Meer zu, wie es seine schönen Winterwellen schlug, deren wilde Kämme von den ersten Strahlen der Morgensonne berührt wurden. In diesem Anblick kann ich ganz und gar versinken. Immer wieder. Seit Jahren. Ich bemerkte, dass ich heute sehr nachdenklich bin. Und vordenklich. Und gar nicht denklich, sondern intensivfühlig. Alles zusammen. Ich spürte, wie die Wucht der herunter brechenden Wellen den Boden unter mir zum Beben brachte. Und ich fühlte den Schmerz der Erde.

 

Von Müttern und Töchtern

Seit ich vor über sechs Jahren selber Mutter wurde und neun Stunden lang barfuß den Wehentanz tanzte, habe ich eine ganz besondere Verbindung zu unserer großen Mutter. Nie zuvor und nie wieder danach habe ich mich so zutiefst verbunden gefühlt mit unserer Erde, wie in diesen neun Stunden, bevor meine beiden Töchter und damit ich als Mutter geboren wurden.
Seitdem taucht immer wieder eine Vision vor meinem inneren Auge auf. Die Vision, dass wir alle in Frieden und Harmonie leben und unseren Mutterplaneten achten, und ihn genießen und ehren. Wann immer ich das große Bild sehe, ertönen die vielen kleinen Stimmen in mir und reden spöttisch von der Hoffnungslosigkeit. … 

 

Das Paradies auf Erden

Ja, ich lebe in einem Paradies, wo sich die Liebe der Schöpfung in unendlicher Fülle offenbart. Aber ich habe das auch gesehen, als ich noch nicht hier lebte. Ich habe beim Kochen darüber nachgedacht, welch Wunder es doch ist, dass aus einem kleinen Samen eine Tomate entsteht, aus wunderschönen kleinen, wohlriechenden Blüten eine Apfelsine. Und wie gut für uns gesorgt ist, wie alles in perfekter Harmonie für uns eingerichtet wurde und wie sehr wir dabei sind, diese Harmonie und unseren Lebensraum zu zerstören. Gestern Abend schnitt mein Mann eine Avocado auf und meinte, diese Sorte sei jene, bei der das Fleisch der Avocado an der Schale klebe, weswegen es besser sei, es mit einem Löffelchen heraus zu kratzen. Eine Avocado. So lecker, so reichhaltig, perfekt verpackt – ein Wunder. So wie wir. 

Ich spüre heute den Schmerz der Erde. Hier, im Paradies. Ich weiß nicht, was ich tun kann um die große Vision von einem Leben in Harmonie und Frieden Realität werden zu lassen. Ich bin nicht der Typ, der sich anmaßt, irgendwelche Moralkeulen schwingen zu wollen. Ich weiß so vieles selbst nicht besser und lebe selbst noch nicht zu 100% nach den Statuten, die ich für richtig halte. Aber ich bewege mich in eine gute Richtung.
Und ich kann sehen. Ich sehe mit dem Herzen all die Wunder, die dieses Paradies Erde für uns bereit hält.

 

Anderen aus der Seele sprechen

Alles, was ich derzeit tun kann ist, weiter zu schreiben. So zu schreiben, dass die Menschen sagen „Du sprichst mir aus der Seele“. Wer imstande ist, anderen Menschen aus ihrer Seele zu sprechen und dem bislang Ungesagten in ihnen einen Ausdruck zu geben, der sollte das tun. Denn das ist es, was wir am dringendsten brauchen. Seelen, die sich berühren lassen. Seelen, die fühlen, dass sie leben.
Da saß ich nun heute morgen, an meiner Lieblingsstelle am Meer. Und während ich den Wellen zusah, wie sie diese vielen Steine umspülten, die vor Millionen von Jahren aus dem Inneren der Erde als Lava an die Oberfläche kamen und die im Laufe dieser vielen Jahre vom tosenden Atlantik tagein, nachtaus in ihre jetzige Form gebracht wurden, da fiel mir dieses Gedicht von Hesse ein:


„Weich ist stärker als hart.
Wasser ist stärker als Stein.
Liebe ist stärker als Gewalt.“

 

Wohlan, lasst uns lieben. Solange wir leben! 

 

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3 Comments

  1. Hallo Melanie,
    Eine Freundin hat mir deine Seite geschickt, weil sie erstens meinte, dass das was für mich ist und zweitens weil ich gerade mal wieder auf Gomera unterwegs bin und dich hier sicher treffen könnte.
    Ja, deine Themen sind auch meine.
    Koennte ich dich denn tatsächlich hier mal treffen? ??
    Vielleicht sind wir uns auch schon mal begegnet. Im Moment bin ich mal wieder in Valle Gran Rey.
    Herzlich Siggi

  2. Pingback: Jahrestag. Über das Leben, die Liebe und ein Leben in Liebe | Melanie Kaltenbach

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