Warum es uns so schwerfällt, uns zu entscheiden und wie man es trotzdem schafft

Erstens

Als ich im Jahr 2001 entschied, aus meinem unbefristeten und seit fast 10 Jahren bestehenden Arbeitsverhältnis auszusteigen und damit in der Konsequenz auf den sicheren und regelmäßigen Eingang eines sehr guten Monatsgehaltes zu verzichten, war das mit vielen existenziellen Ängsten verbunden.

Mir war absolut klar, dass ich mich finanziell schmerzhaft würde zurück schrauben müssen und ich wusste nicht, ob ich im Laufe der Berufsjahre nicht vielleicht viel zu blöd für die Bewältigung eines Hochschulstudiums geworden war.
Aber: ich wollte es wenigstens versuchen!

Gesagt, getan. Im Laufe der Zeit habe ich dann festgestellt, dass der wahre Schatz eines späten Studiums nicht nur in dem neu generierten Wissen liegt. Der größte Schatz meines späten Studiums liegt für mich darin, dass ich gelernt habe, mir sehr schnell komplexe Sachverhalte zu erschließen und entsprechend aufzubereiten. Etwas, das ich in dieser Form SO vorher nicht konnte. Die Synapsenverschaltung in meinem Gehirn hat sich durch das Studium verändert und ist heute eine andere als vor dem Studium. Das hat mit dem Studienfach als solchem gar nichts mehr zu tun.

Ganz davon abgesehen habe ich es vollends genossen, endlich eine Legitimation dafür zu haben, mich mit so vielen Dingen, die mich WIRKLICH interessieren, intensiv auseinander zu setzen und dafür auch noch „Scheine“ zu bekommen und meinem Studienabschluss immer näher zu kommen.

Klar gab es auch Fächer, die waren reine Pflicht. Hieraus wiederum habe ich gelernt, diszipliniert zu sein. Auch ein Pfund, das ich in dieser Form so vorher nicht unbedingt zur Verfügung hatte.

Zweitens

Als ich ein paar Jahre später entschied, nach La Gomera auszufliegen, konnte ich nicht wirklich wissen, was mich hier erwarten würde. Bislang war ich ja nur in Urlaub hier gewesen und mir war durchaus bewusst, dass das „wirkliche Leben“ sehr wahrscheinlich anders aussehen würde. Nur „wie“ anders, davon hatte ich keine Ahnung. Wie auch?

Also zog ich in Betracht, dass es sein konnte, dass meine schöne Vorstellung von einem Leben auf dieser Insel vollkommen enttäuscht würde und ich zurück nach Deutschland oder woanders hin ziehen würde. Na und?

Ich wollte es trotzdem wenigstens versuchen. Allein aus dem Grund, mir später – genauer gesagt auf dem Sterbebett, denn in meiner Vision sah ich mich genau dort über mein Leben reflektierend liegen –  nicht vorwerfen zu müssen, es NICHT versucht zu haben.

Ich habe damals mir ein Jahr gegeben, in dem ich mir auf jeden Fall alle Facetten des hiesigen Lebens anschauen wollte. Ich wollte den gesamten Zyklus eines Jahres durchlaufen und nicht vorschnell bei der kleinsten Krise das Handtuch werfen.

Nun lebe ich schon seit mehr als acht Jahren hier, habe kurz nach meinem Umzug meinen Traummann getroffen und mit ihm unsere kleine Familie gegründet.

DAS hatte ich nun echt nicht nicht im Entferntesten in meine Vorstellungen von meinem zukünftigen Leben auf La Gomera eingebaut.

Drittens

Wenn wir eine Entscheidung treffen, dann bedeutet das, dass wir uns – wann immer wir uns FÜR etwas entscheiden – wir uns gleichzeitig auch GEGEN etwas entscheiden.

Das, was uns die Entscheidung aber wirklich so schwer macht ist, dass wir vorab die Konsequenzen unserer jeweiligen Entscheidung kennen wollen, und zwar alle!

Tja, und genau das ist unmöglich. Und so lavieren wir hin und her und wälzen die „ob’s“ und „doch nicht’s“ und die vielen „vielleichts“ und kommen letztlich zu keiner Entscheidung. Und sind weiter unzufrieden mit unserer Situation, die wir so gerne mithilfe einer wie auch immer gearteten Entscheidung verändern wollen.

Der Trick

Was mir bei allen tiefgreifenden Entscheidung geholfen hat, war folgender Trick:

Ich habe mir im Geiste alle möglichen Worst-Case-Szenarien meiner jeweiligen Entscheidung – also sowohl für das Pro als auch für das Contra – ausgemalt.

Gomera: Ja oder Nein?
Überlegung: Ich gehe nach Gomera und bin letztlich enttäuscht und finde es doof?
Dann ziehe ich halt wieder zurück und fange in Deutschland noch mal neu an.
Vielleicht ziehe ich auch in eine andere Stadt.
Möglicher Weise gehe ich auch gar nicht zurück nach Deutschland sondern ganz woanders hin.

Klar war: sterben muss ich nicht. Leib und Leben waren definitiv NICHT in Gefahr.
Weder, wenn ich gehe noch, wenn ich bleibe.

Das Ergebnis: meine Angst vor der Entscheidung wurde plötzlich sehr sehr klein. Dafür wurde der Ruf in meinem Herzen noch lauter. Und es war klar, was ich tun würde!

Job oder Studium?
Ich kündige meine sichere und sehr lukrative Arbeitsstelle und stelle fest, dass studieren doch nicht so mein Ding ist?
Na, dann höre ich wieder auf und suche mir eine andere Arbeit.
Zur Not gehe ich auch putzen. Verhungern werde ich schon nicht!

Das Ergebnis: meine Angst vor der Entscheidung wurde wieder sehr sehr klein.
Wieder stellte ich fest, dass weder Leib noch Leben in Gefahr waren.

Dieser Trick mit dem Worst-Case-Szenario hat mir sehr geholfen!
Ich habe ihn übrigens in Dale Carnegie’s Buch „Sorge Dich nicht. Lebe!“ gefunden.

Und du?

Vor welchen Entscheidungen stehst DU derzeit?

Was willst du auf jeden Fall machen, und traust dich aber nicht so recht?

Wo willst du etwas verändern, hast aber Angst vor den möglichen Konsequenzen?

Wonach ruft dein Herz?

Versuche es auch mal mit dem Worst-Case-Szenario-Trick:

WAS kann dir im schlimmsten Fall als Konsequenz aus deiner Entscheidung passieren?

Und: Was könnten die schlimmsten Konsequenzen sein, wenn du dich NICHT entscheidest?

Ich wünsche dir ganz viel Zeit für die richtigen (und vielleicht auch mal falschen) Entscheidungen! 🙂

Falls du in der Situation bist, dich für oder gegen etwas entscheiden zu müssen und Unterstützung brauchst, dann melde dich gerne bei mir und schreibe mir eine Email an fuerdich@melanie-kaltenbach.de

Mit sonnigen Grüßen

unterschrift-melanie_thin_small

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