Vertraue dem Prozess. Oder: Die Wege der Eingeweihten

Mein Plan stand fest: Heute würde ich – nach viel zu langer Zeit – endlich wieder in den Wald fahren! Meine Sehnsucht nach den Bäumen und der Stille meines geliebten Waldes wurde mit jedem Tag größer, ich konnte nicht länger warten. Mein Mann hatte frei und konnte sich um die Kinder kümmern. Das hieß: Auch ich hatte einen ganzen Tag lang frei. Ich konnte um 08.00 Uhr gemütlich den Bus nehmen, hoch in die Berge fahren und frei entscheiden, wo ich aussteigen und welchen Weg ich gehen würde.

Das Ausmaß meiner zeitlichen Freiheit führte allerdings dazu, dass ich mich einfach nicht entscheiden konnte, in welchen Bereich unseres großen Waldes ich denn gehen wollte. Als ich mich am Vorabend ins Bett legte, hoffte ich, am nächsten Morgen gleich den entsprechenden Impuls zu bekommen. Doch es kam keiner.

Als ich mir im Bad die Zähne putzte, dachte ich auf einmal an meine Freundin Eva. Eva hatte in der letzen Zeit immer mal wieder von diesem besonderen Waldstück erzählt, das ganz geheim liegt und das nur wenige kennen. Man muss dazu wissen, dass es hier auf Gomera erstens per Gesetz nicht gestattet und zweitens aus lebenserhaltenden Gründen auch nicht zu empfehlen ist, von markierten Wegen abzuschweifen und einfach mitten durch die Pampa oder über das Gebirge zu laufen. Dieser geheime Wald, so Eva, sei aber – bis auf die Einstiegs- und die Ausstiegsstelle – durchgängig markiert, also sehr wohl ein offizieller Wanderweg. Nur halt ein geheimer, der auch in keiner Karte eingezeichnet sei.
Ich kannte die ungefähre Lage, hatte aber dennoch keinen Schimmer, welches Waldstück Eva meinte. Sie würde es mir eines Tages zeigen.

Ich zog mich an, packte meinen Rucksack, schrieb einer anderen Freundin noch schnell, dass ich mich nun auf den Weg in den Wald machen würde und noch keinen Plan hätte, wohin ich genau wollte und dass ich dies den Busfahrer entscheiden lassen würde (was hier bei allen Busfahren bis auf einen kein Problem ist) und machte mich auf den Weg zur Bushaltestelle. Als ich gerade an der Haltestelle war, tauchte auf einmal Eva auf.

Gleich neben der Bushaltestelle stand ihr Auto, in das sie gerade einsteigen wollte. Wir begrüßten uns fröhlich und ich fragte sie, ob sie zufällig nach oben in den Wald führe. Ja, meinte sie, sie hätte im Regenwald einen Termin und sie könne mich gerne mitnehmen. Ich erzählte ihr, dass ich heute wandern wollte, aber noch keinen Plan hätte, wo.
„Das ist doch die Gelegenheit, dass ich dir das Waldstück zeige“, sagte Eva. „Ich muss eh dort vorbei.“

Dann fuhren wir nach oben. Irgendwo – mitten auf der Strecke an einer kleinen Bucht hielten wir an und stiegen aus. Wir gingen ein paar Meter und Eva zeigte mir den Einstieg in das Waldstück. Ganz ehrlich: Niemand würde jemals vermuten, dass ein paar Meter hinter dem völlig verwachsenen Einstieg ein kleiner, befestigter Waldweg beginnt.

Auf in ein neues Abenteuer

Eva wünschte mir viel Freude und ging zurück zu ihrem Auto. Und ich stieg ein, in das neue Abenteuer und schwebte in den nächsten Stunden durch einen der schönsten, zauberhaftesten und lieblichsten Wälder, die ich je gesehen habe. 
Das Sonnenlicht kroch gerade ganz frisch über den Baumwipfeln empor und warf die schönsten Lichtspiele auf die Baumstämme. Der Wald war so friedlich, es war so unglaublich still und das einzige, das ich hören konnte, waren meine Schritte auf dem trockenen Waldboden und hier und da der Morgengesang eines Vögelchens….

Und es begegneten mir kleine und große Wunder…

Kurz vor Ende meines Spazierganges in diesem Zauberwald vernahm ich plötzlich Stimmen. Dies musste die Stelle sein, an welcher der Weg des Zauberwaldes auf den offiziellen Weg – ich nenne ihn X – stößt, wovon mir Eva vorher schon erzählt hatte. Und tatsächlich: Hier kannte ich mich nun wieder aus. Ich schaute mich um und fragte mich, warum mir der Weg in diesen kleinen, geheimen Zauberwald nie aufgefallen war. Ganz einfach: Weil man kurz vor dem offiziellen Weg wieder aufgehört hatte, den kleinen Weg des Zauberwaldes sichtbar zu befestigen.
Es ist von keiner Seite von außen ersichtlich, dass es diesen kleinen Schatz gibt. 
Er ist ein Geheimnis. Und wird es auch bleiben.

Wie so viele Kraftplätze auf dieser Insel, die von außen nicht als solche erkennbar sind und von denen man nur erfährt, wenn einem andere Eingeweihte von ihnen erzählen.

Lessons learned:

Ich habe gestern – alleine durch diesen kleinen Ausflug – wieder mehrere Dinge gelernt:

1. Vertraue dem Prozess und gib dich hin
Es ist wichtig und vielleicht auch immer wichtiger, dass wir uns auf den Prozess des Lebens mehr einlassen. Dass wir nicht versuchen, alles von vornherein bis ins letzte Detail zu planen, sondern uns auch eine gewisse Art von Ergebnisoffenheit trauen und gestatten.  Je mehr wir uns auf den Prozess des Lebens einlassen, je mehr wir uns dafür öffnen, desto mehr kann uns Schönes widerfahren!

Auch in der Arbeit ist es sehr hilfreich, sich eine gewisse Ergebnisoffenheit zu bewahren. Diese Ergebnisoffenheit ermöglicht nämlich ganz oft völlig neue kreative Lösungen!

2. Für die schönsten Wege brauchst du Eingeweihte
Ohne meine Freundin Eva hätte ich diesen Wald niemals gefunden. Unmöglich. Total versteckt. Obwohl ich schon zig Mal um ihn herum und daran vorbei gelaufen bin.
Dasselbe erlebe ich auch in meiner Arbeit und zwar in beiden Richtungen: Ohne meine Mentoren würde ich vieles nicht sehen, das ganz klar vor meiner Nase liegt und „eigentlich“ offensichtlich ist.
Und auch meine Anvertrauten sagen oft: „Meine Güte, ich bin doch selber Coach. Ich weiß doch „eigentlich“, wie es geht. Warum bin ich nicht von allein drauf gekommen?“

Ganz einfach: Wir brauchen Menschen, die einen anderen Blick haben, als wir. Weil sie den Weg, den wir selbst gerade beschreiten, schon einmal gegangen sind. Das sind die Eingeweihten, die dir den Eingang zeigen, zu deinem Weg, den du dann alleine gehen und auf dem du all die Wunder deines Lebens entdecken kannst.

3. Natur und Stille sind die besten Lehrer
Wenn wir wirklich bereit und gewillt sind, wieder in tiefen Kontakt mit uns selbst zu kommen und der Stimme unserer eigenen Weisheit zu lauschen, geht das nirgends besser als in der Stille der unberührten Natur. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Natur die beste Lehrerin von allen ist! Nirgends sonst ist die Erinnerung an unsere alten, tiefen Wurzeln so nah und greifbar, wie in der Kraft und der Stille einer unberührten Natur, von der wir ein Teil sind.

„Wenn du bereit bist, komm zu mir. Ich werde dich mit in die Natur nehmen.
Die Natur kann dich alles lehren, was du lernen musst.“

Rolling Thunder, Indianischer Schamane
aus „Leben im Prozess“ von Anne Wilson Schaef

 

Wenn du bereit bist, dir deinen Lebensweg anzuschauen und du einen „Eingeweihten“ brauchst, der dir den Eingang zu dem schönsten deiner Wege zeigt, dann melde dich bei mir. Ich weiß, dass du alle Weisheit bereits in dir trägst. Und sei gewiss, wir werden die Wege zu ihr – zu deiner inneren Weisheit – finden. Ab diesem Zeitpunkt wird sich jeder weitere Schritt für dich anfühlen wie ein Gang durch deinen ganz eigenen Zauberwald des Lebens! Auf meiner Seite Angebot findet du eine genaue Beschreibung meiner Arbeit. 

Ich freue mich auf dich!

Alles Liebe

Melanie

 

PS: Wenn dir diese Geschichte gefallen hat, freue ich mich über deinen Kommentar und wenn du sie teilst. Wer weiß, wem sie aus dem Herzen spricht… Danke! 

PPS: Die Geschichte, warum es letztlich total toll war, dass mir der Bus für den Rückweg ganz knapp vor der Nase weg fuhr und was ich in den nächsten drei Stunden gemacht habe, kommt zu einer anderen Zeit… 

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