Über die legendärste Grillfete aller Zeiten, die niemals stattfand. Oder: Hommage an einen Freund.

Es ist mittlerweile fast zwanzig Jahre her, dass ich ihn zum ersten Mal sagen hörte: “Ey, was haltet ihr davon, wenn wir in meinem Garten so ne richtig geile Grillfete machen!?” Sein ganzes Gesicht strahlte und meine Schwester und ich strahlten zurück und sagten: AU JAAA!!

Axel hatte einen riesigen, wilden Garten, über den er immer wieder ins Schwärmen geriet. So richtig viel Platz für richtig viele Leute. Unsere Grillfetenplanung fand alle vierzehn Tage während der Heimspiele unseres Lieblingsclubs Alemannia Aachen statt. Auf dem Würselener Wall standen wir mit unseren anderen Freunden vom Internet Stammtisch und planten Axels Grillfete. Wer macht welchen Salat, wer bringt welche Getränke mit und wo bekommen wir so richtig gutes Gras? Damals kifften wir noch. Nur ein passendes Datum für die beste Grillfete aller Zeiten fanden wir irgendwie nie.

Irgendwann kamen wir auch auf andere Themen zu sprechen, die uns interessierten und schnell wurde klar, dass wir sehr besondere und für Fußballfans eher seltene Schnittmengen miteinander teilen. Axel war unter anderem ein großer Kenner von Nostradamus, was ich super lustig fand, weil meine Oma jedes Jahr Anfang Januar über ihrem abonnierten Nostradamus-Heftchen saß, um die Prophezeiungen für das kommende Jahr zu lesen. Da gehst du zum Fußball, triffst nen richtig coolen Typen und dann hat der dieselbe Leidenschaft, wie deine Oma.

So ist Fußball, zumindest der, wie ich ihn bei der Alemannia kennen lernte. Knallbunt, leidenschaftlich, unberechenbar und unschubladisierbar. Und während wir da standen und neben unserer Grillfetenplanung auch hochspirituelle und philosophische Dinge besprachen, erlaubten wir uns immer wieder ein situativ angebrachtes “Schiri, du blinder Wichser! Das war nie im Leben Abseits!!!” und sonstige Tiraden.

Besonders schön waren auch die Erzählungen von seinen Urlauben in Südfrankreich. Da hatte er – der er so gerne das Wort “super” verwendete – einen super schönen und super abgelegenen Ort gefunden, mit einer super Pension, super günstig und einer super netten Vermieterin, die seinen super komplizierten Nachnamen nie aussprechen konnte, weswegen sie ihn nur “Monsieur Le Nom Difficile” nannte, was dann auch sein Spitzname zwischen uns wurde.

Mit meinem Umzug nach La Gomera vor elf Jahren verloren wir uns aus den Augen. Irgendwann trafen wir uns via Facebook wieder und als ich vor etwas mehr als einem Jahr begann, verstärkt über die X-Frequencer zu schreiben, landete Axel plötzlich wieder voll in meiner Cloud. Sofort war sie wieder da, die gemeinsame Schnittmenge und wir hatten jede Menge hochinteressanten Austausch. Ich erfuhr noch so viel mehr von Axels geheimen Denkwelten, die auch meine geheimen Denkwelten waren. Und natürlich nahmen wir auch die Grillfetenplanung wieder in Angriff, wobei wir in Erwägung zogen, die Grillfete in meinem Garten auf La Gomera stattfinden zu lassen. Gute-Wetter-Garantie und so. Das war ja auch so ein Aspekt, den man in Aachen immer bedenken musste. Stell dir vor, du lädst hundert Leute zum Grillen ein, mit allem drum und dran, und dann regnet es!

Im Herbst schrieb mir Axel noch, dass er auf jeden Fall mit seiner Freundin nach Gomera kommen wollte. Dann verlor sich unser Austausch wieder. Wie es so ist, wenn man mit vielen anderen Dingen beschäftigt ist, die vermeintlich wichtiger erscheinen.

Vor ein paar Tagen dachte ich noch ganz intensiv an ihn. Immer wieder. Vermutlich hat er mich aus der vierten Dimension angefunkt, über die er die spannendsten Sachen zu erzählen wusste.

Heute morgen las ich wieder von Axel.
Einen Abschiedsgruß.
Axel ist tot.

Als ich heute morgen unser Chatfenster öffnete, las ich seinen letzten, von mir offenbar überlesenen Satz an mich: “Hi Melli, wie geht’s? 🙂 “

Geht so, Axel. Ich bin – obwohl ich seit meiner Nahtoderfahrung ein echt friedliches Verhältnis zum Tod habe und wir zwei uns seit Jahren nicht gesehen haben – überraschend arg betroffen über deinen Weggang! Und ich bin traurig, dass wir es nie geschafft haben, hier auf Erden gemeinsam zu grillen.

Holen wir nach!
In 4D.
Schmeiß’ die Würstchen schon mal auf den Grill. Für mich bitte Veggie.
Und auch, wenn ich schon lange nicht mehr kiffe: Mit dir würde ich mir glatt noch mal ne Tüte teilen! Ich bring uns richtig gutes Gras mit, ok!?

Hab’s gut, Monsieur Le Nom Difficile!
Wo immer du auch bist.
Ich habe da so eine leise Ahnung….

Und auch, wenn das jetzt vielleicht ein bisschen pietätlos anmutet, du weißt, wie’s gemeint ist:

DU TUPPES!

Deine Melli

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