Ja, aber. Oder: Wenn Herr Schmitz einfach keinen Bock hat.

Kennst du das? Du wagst einen leisen Gedanken, in deinem Leben etwas zu verändern. Nein, ich meine nicht, dass du vielleicht die Möbel umstellst oder dir ein neues Handy oder ein neues Auto zulegst. Ich meine etwas grundlegend anderes. Einen Jobwechsel. Ein spätes Studium. Eine ganz bestimmte Fortbildung, die mit deiner aktuellen Jobsituation so gar nichts zu tun hat. Einen Umzug. Ein neues, ungewöhnliches Hobby. Eine Trennung. 

Also irgendetwas, das mehr oder minder einschneidende Konsequenzen für dich, dein Umfeld und dein Leben haben wird. Konsequenzen, deren Umfang du in der aktuellen Situation nicht in aller Gänze überblicken kannst (wobei man das ohnehin nie kann).

Du denkst also vage über diese Veränderung nach. Und schon taucht sie auf, diese innere Stimme:
Ja, aber! Das kannst du doch nicht machen!?
Ja, aber! Was sollen denn die Leute denken?
Ja, aber! Was soll das denn überhaupt alles?
Ja, aber! Das Problem ist.

Kennst du, oder!? Die Stimme deines inneren Boykotteurs, der dir immer dann rein quatscht, wenn etwas Anderes, etwas Neues in deiner Lebensplanung auftaucht. Lass’ uns dieser inneren Stimme einen Namen geben: Herr Schmitz.

Weil Dinge, die einen selbst betreffen, manchmal zu nah sind, um sie in aller Gänze sehen zu können, machen wir nun einen kleinen Ausflug in eine vermeintlich andere Welt. Weit weg von uns selbst….

 

Herr Schmitz goes große weite Welt

In Deutschland habe ich Unternehmen beraten, die sich in tiefgreifenden Veränderungsprozessen befanden. Nein, das ist jetzt kein neuer Beitrag, lies’ nur weiter, Herr Schmitz kommt gleich ins Spiel! Im Zuge dieser Veränderungen mussten Hierarchiestufen abgeflacht, bisherige Zuständigkeiten neu zugeordnet werden und die Mitarbeiter sich entsprechend neu orientieren, was für die wenigsten ein leichtes Unterfangen ist. Der Mensch liebt Stabilität und scheut Veränderung.

Hilfestellung für diese Herausforderung bekamen die Mitarbeiter unter anderen in Form von Teambuilding-Workshops, die ich leitete. In diesen Workshops sollten die Mitarbeiter einander besser kennen lernen um zukünftig so transparent und effektiv wie möglich miteinander kommunizieren zu können.

Fast immer hörte ich in den Vorgesprächen zu diesen Teambuilding-Workshops von den Vorgesetzten folgenden Satz: „Uh, Frau Kaltenbach! Das wird heikel! Da haben sie den Herrn Schmitz (!) dabei, das ist der totale Querulant! Der geht überhaupt nicht mit und bockt nur rum und hat immer was zu motzen! Die totale Change-Bremse!“.


Lupe statt rosaroter Brille

Anfangs machten mir solche Ankündigungen von bockigen Workshopteilnehmern durchaus Sorge. Doch ich fand sehr schnell heraus, wie wertvoll diese „Querulanten“ waren.

Die Sache ist die: Um tiefgreifende Veränderungsprozesse in Gang zu bringen – sei es privat oder in einem Unternehmen –  muss eine starke Mobilisierungsenergie erzeugt werden, damit der Prozess von allen Beteiligten mitgetragen wird. 

Diese Anfangsenergie  führt oft zu einer Art Gewinnerstimmung, einer Euphorie, die zwar super für die  Schubkraft ist, die der Beginn von Veränderung braucht, die aber auch – und das wird so gut wie nie erwähnt – eine gewisse Gefahr birgt.
Nämlich die für blinden Aktionismus. 

Genau deswegen ist der Herr Schmitz, von dem eigentlich jedes Team mindestens einen hat, unglaublich wichtig! Weil er diejenige ist, der den realistischsten Blick von allen auf den tatsächlichen Status Quo des Veränderungsprozesses hat und er zudem derjenige ist, der alle Schwachstellen kennt. Denn auf diese verwendet er ein Höchstmaß seiner Aufmerksamkeit.


Herr Schmitz denkt in Lösungen

Doch das ist nicht alles. Ich habe auch festgestellt, dass nicht ein einziger der vielen Herr Schmitzes, die ich meinen Workshops hatte, ausschließlich ein Motzbrocken war. Im Gegenteil! Alle Herren Schmitzes waren äußerst lösungsorientiert und haben sich heimlich umfassend Gedanken über mögliche Lösungswege gemacht, die zwar etwas mehr Zeit in Anspruch nahmen, als es der euphorischen Change-Mannschaft lieb gewesen wäre, die aber deshalb umso nachhaltiger wirkten, weil sie eben auch die vorhandenen Schwachstellen entsprechend beachteten.

Die Herren Schmitzes waren zudem immer meine tatkräftigsten Unterstützer in den Workshops. Sobald sie nämlich merkten, dass sie von mir ernst genommen wurden und dass ihre Meinung und Einschätzung für das Team und das Unternehmen von höchster Wichtigkeit waren, hatte ich sie als Co an meiner Seite und haben sie äußerst konstruktiv den gesamten Workshop und den weiteren Change-Prozess aktiv mit voran gebracht.

Insofern war ich immer regelrecht dankbar, wenn ich bereits im Vorfeld darüber informiert war, dass ich einen Herrn Schmitz (oder mehrere, maximal waren es drei bei 25 Teilnehmern) im Workshop haben würde. 


In jedem von uns steckt ein Herr Schmitz

Und genauso ist das auch mit unserem inneren Saboteur oder Boykotteur, der uns gerne reinredet, sobald wir etwas verändern sollen. Es wird oft geraten, wir sollten ihm einfach ein „Halt’s Maul und lass’ mich gefälligst machen!“ an den Kopf werfen.

Ich halte das für äußerst unfair und unklug. Ich empfehle dir statt dessen, dieser Stimme aufmerksam zu lauschen. In fast allen Fällen möchte sie dich nämlich beschützen und vor Unheil bewahren. Sobald du mit dieser Stimme in einen inneren Dialog gehst, sie ernst nimmst und ihr zuhörst, wirst du einen Kommunikationsweg freilegen, der nicht nur dich mit wichtigen Informationen versorgt, sondern der auch dazu dienen wird, dass du dieser inneren Instanz  die für sie notwendigen Informationen geben kannst, damit sie dir und deinem neuen Vorhaben vertrauen kann.

Geh’ in den Dialog mit deinem ganz persönlichen Herrn Schmitz!

Hör’ ihm zu. Er ist eine der wichtigsten Instanzen für die Weichenstellung deines Veränderungsvorhabens.

Vertrau’ mir, wenn ich dir sage: Vertrau’ deinem Herrn Schmitz. Dann wird er auch dir bald vertrauen.
Und nur g
emeinsam werdet ihr Großartiges schaffen!

Alles Liebe! Und schöne Grüße 😉

 

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Anne. Oder: Wie ein seltsames Buch mein Leben für immer veränderte

In den letzten Tagen werde ich oft gefragt, wie ich das damals gemacht habe, als ich nach La Gomera gegangen bin. Ganz ehrlich? Letztlich war es nur ein Umzug. Von Deutschland nach La Gomera. Mehr nicht. 
Aber fangen wir von vorne an, denn die Vorgeschichte, die ist durchaus spannend….

September 2007:

Geschafft! Mein spätes Studium  – ich habe erst im Alter von 30 Jahren begonnen, zu studieren – neigt sich dem Ende zu. Alle Scheine sind gemacht, die Prüfungen sind erfolgreich abgelegt, es fehlt nur noch die Magisterarbeit.

Seit zwei Jahren bin ich zudem erfolgreich als freiberuflicher Trainer, Coach und Consultant für Changemanagement in internationalen Konzernen tätig. Mit diesen Tätigkeiten haben sich für mich Träume erfüllt, die ich zu Beginn meines Studiums nicht zu träumen gewagt hätte. Ganz zu schweigen von meinen Honoraren!
Meine Arbeit genießt einen außerordentlich guten Ruf, meine Expertise ist gefragt, mir werden Angebote für Festanstellungen unterbreitet, die ich aber ablehne. Ich möchte meine Freiheit als Freelancer weiter genießen.


Ähm… Freiheit? 

Welche Freiheit? Meine Woche hat siebzig Stunden. Mindestens. Am Wochenende bin ich zu sowas wie einem Sozialleben nur in absoluten Ausnahmefällen mit absoluten Ausnahmefreunden fähig, und zwar mit solchen, mit denen ich maximal schweigen kann.

Außerdem ist mir der Samstag Abend heilig! Da pflege ich mein Ritual. Ich lasse mir ein heißes Bad ein, stelle Kerzen auf den Badewannenrand, genieße einen edlen Rotwein und höre dazu die Gitarrenklänge von den Dos Guitarras. Und träume mich fast viertausend Kilometer weit weg. Nach La Gomera…..


In meiner kleinen Lieblingsbuchhandlung, an einem Tag mitten in der Woche: 

Alle Welt redet von Hape Kerkelings neuem Buch „Ich bin dann mal weg“. Da hinten in der Ecke steht es. Ich nehme es zur Hand und lese quer. Ich mag Hape, aber dieser Stil gefällt mir überhaupt nicht. Ich stelle das Buch wieder zurück und während ich dies tue, springt ein dahinter stehendes Buch hoch und auf mich zu. Zumindest habe ich es so in Erinnerung. Dass es hoch und auf mich zusprang. „Wer wandert, braucht nur, was er tragen kann“ von Anne Donath. Ich lese quer. Ein seltsames Buch, wirklich sehr, sehr seltsam. Ich kaufe es und gehe nach Hause. Und beginne zu lesen….

Über wichtige Menschen, die den ganzen Tag in Besprechungsräumen sitzen und Autos, teure Kleidung und anderen Luxus anhäufen und die sich das ganze Jahr über auf ihre siebenundzwanzig Tage Jahresurlaub freuen, um dann dort erst mal richtig krank zu werden von all dem Stress, den sie hatten. Ich lese von Anne, wie sie auf ihrer Wiese liegt und den Wolken beim Wandern zuschaut und das Leben genießt.


Me, myself and I?

In der Beschreibung über die wichtigen Leute mit ihrem teuren Material erkenne ich mich selbst wieder. Mir wird bewusst, wie wenig Seele in meinem Leben ist, obwohl ich meine Arbeit wirklich liebe. Aber es ist einfach quantitativ viel zu viel und so derart arbeits- und energieraubend, dass ich mich vollkommen darin verloren habe.
Wo ist sie geblieben, die reine Freude am Leben? Wenn der einzige Lichtblick der Woche darin besteht, samstags abends in der Badewanne zu liegen und von La Gomera zu träumen?

In diesem Moment springt in meinem Kopf ein Schalter um und ich weiß, mit ganzem Herzen, mit all meinem Sein und in all meinen Zellen:


Eines Tages, Baby!

Nein! Ich will nicht eines Tages sterben und mir die Frage stellen müssen: Melanie, warum hast du es nicht wenigstens versucht!? Versucht, auf La Gomera – der Insel deines Herzens, die du so sehr liebst – zu leben? Wenigstens versuchen hättest du es können! Dann hättest du gewusst, ob dort zu leben wirklich so schön ist, wie du es dir in deinen Träumen immer vorstellst.“

Dreizehn Jahre ist es zu diesem Zeitpunkt her, dass ich mich in diesen kleinen Flecken Erde verliebt habe. Damals konnte ich weder die Sprache, noch kannte ich Land und Leute. Und doch fühlte ich mich mit meinen damals 24 Jahren zum ersten Mal in meinem Leben nicht wie ein Außerirdischer auf dem falschen Planeten. Wie oft hatte ich als Kind abends draußen gesessen und mit dem Fernglas in die Sterne geschaut und gedacht „Irgendwo da oben muss doch mein Zuhause sein!? Hier unten bin ich falsch gelandet! Ganz sicher!“ Und dann lande ich durch eine Aneinanderreihung seltsamer Zufälle (das ist noch mal eine Geschichte für sich!) auf dieser winzigen Insel am Ende der Welt und fühle mich zum ersten Mal in meinem Leben zu Hause!?

Schon damals überlegte ich, einfach zu bleiben und nicht wieder nach Deutschland zurück zu fliegen. Doch die Angst war zu groß. Und außerdem hatte ich ja mein Leben in Deutschland fest eingerichtet und auch familiäre und dienstliche Verpflichtungen… Es ist klar, wo ich fortan 99 % meiner Urlaube verbracht habe. Und mit jedem Urlaub wurde der Wunsch, für immer hier zu leben, größer und tiefer.

Nein, ich wollte nicht sterben, ohne es nicht wenigstens versucht zu haben!
Am nächsten Tag rief ich meine Schwester an, um ihr meine Entscheidung mitzuteilen. „Endlich!“, sagte meine Schwester. „Damit haben wir schon lange gerechnet“. Ach, echt!? Interessant.


“Komm her, mein Mädchen…”

So war das mit meiner Entscheidung, nach La Gomera zu gehen. Sie ist lange gereift, und als sie reif genug war, ist sie – einem Apfel gleich – beinahe wie von selbst vom Baume gefallen. In genau diesem Moment habe ich den Apfel gepflückt und alles für meinen Umzug in die Wege geleitet. Natürlich hatte ich vom Zeitpunkt meiner Entscheidung bis zu meinem tatsächlichen Umzug unzählige Momente des Zweifels und viele, tiefgreifende Ängste. Und auch die ein oder andere harte Prüfung des Schicksals. Doch wann immer ich die Frage stellte: „War meine Entscheidung wirklich richtig?“ erklang aus meinem Herzen ein großes, deutliches JA!

Einmal, als der Zweifel ganz besonders groß war, saß ich an meinem schönen antiken Wohnzimmertisch und versuchte, mich in Gedanken und mit dem Herzen mit La Gomera zu verbinden. Ich fragte sie: „Soll ich wirklich für immer zu dir kommen?“. Und ich hörte sie antworten: „Komm her, mein Mädchen, ich habe noch etwas sehr, sehr Schönes für dich!“ Ich sagte: „Aber was willst du denn noch Schönes für mich haben!? Du hast ich schon so oft so glücklich gemacht mit all deiner Schönheit und all deinem Frieden! Mehr geht nicht!“ – „Komm her, mein Mädchen, ich habe noch etwas sehr, sehr Schönes für dich….!“

Während ich diese Geschichte in Ruhe aufschreibe, ist das Schöne, das Gomera noch für mich bereit hielt, nicht bei mir. Aber gleich, so in einer Stunde, da kommen mein Mann und meine beiden Töchter vom Strand nach Hause….

Möge dich diese Geschichte inspirieren, der Stimme deines Herzens zu lauschen und ihr zu vertrauen.
Möge sie dich ermutigen, nach deiner Lebensvision Ausschau zu halten.
Möge sie dir die Geduld geben, auf die notwendige Reife einer vielleicht anstehenden Entscheidung zu warten.
Möge sie dir die Sicherheit geben, dass die Liebe immer einen Weg findet.

Wenn du selbst gerade an einem Punkt in deinem Leben stehst, wo es um tiefgreifende Veränderungen geht und du Unterstützung brauchst, dann melde dich gerne bei mir!

Wenn dir meine Geschichte gefallen hat, dann freue mich mich sehr über ein Feedback oder wenn du sie mit jemandem teilst, für den sie von Bedeutung sein könnte. Es sind gerade so viele Menschen dabei, aufzubrechen. Im doppelten Wortsinn.

 

Alles Liebe!

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PS: Der rechte der beiden Dos Guitarras, Ulysses, war letztes Jahr einer der beiden Gitarristen, die auf unserer Hochzeit auf der Tina, einem Ausflugsboot, gespielt haben. Rosamunde Pilcher würde vor Neid erblassen. Zu recht, wie ich finde!  😉