Anne. Oder: Wie ein seltsames Buch mein Leben für immer veränderte

In den letzten Tagen werde ich oft gefragt, wie ich das damals gemacht habe, als ich nach La Gomera gegangen bin. Ganz ehrlich? Letztlich war es nur ein Umzug. Von Deutschland nach La Gomera. Mehr nicht. 
Aber fangen wir von vorne an, denn die Vorgeschichte, die ist durchaus spannend….

September 2007:

Geschafft! Mein spätes Studium  – ich habe erst im Alter von 30 Jahren begonnen, zu studieren – neigt sich dem Ende zu. Alle Scheine sind gemacht, die Prüfungen sind erfolgreich abgelegt, es fehlt nur noch die Magisterarbeit.

Seit zwei Jahren bin ich zudem erfolgreich als freiberuflicher Trainer, Coach und Consultant für Changemanagement in internationalen Konzernen tätig. Mit diesen Tätigkeiten haben sich für mich Träume erfüllt, die ich zu Beginn meines Studiums nicht zu träumen gewagt hätte. Ganz zu schweigen von meinen Honoraren!
Meine Arbeit genießt einen außerordentlich guten Ruf, meine Expertise ist gefragt, mir werden Angebote für Festanstellungen unterbreitet, die ich aber ablehne. Ich möchte meine Freiheit als Freelancer weiter genießen.


Ähm… Freiheit? 

Welche Freiheit? Meine Woche hat siebzig Stunden. Mindestens. Am Wochenende bin ich zu sowas wie einem Sozialleben nur in absoluten Ausnahmefällen mit absoluten Ausnahmefreunden fähig, und zwar mit solchen, mit denen ich maximal schweigen kann.

Außerdem ist mir der Samstag Abend heilig! Da pflege ich mein Ritual. Ich lasse mir ein heißes Bad ein, stelle Kerzen auf den Badewannenrand, genieße einen edlen Rotwein und höre dazu die Gitarrenklänge von den Dos Guitarras. Und träume mich fast viertausend Kilometer weit weg. Nach La Gomera…..


In meiner kleinen Lieblingsbuchhandlung, an einem Tag mitten in der Woche: 

Alle Welt redet von Hape Kerkelings neuem Buch „Ich bin dann mal weg“. Da hinten in der Ecke steht es. Ich nehme es zur Hand und lese quer. Ich mag Hape, aber dieser Stil gefällt mir überhaupt nicht. Ich stelle das Buch wieder zurück und während ich dies tue, springt ein dahinter stehendes Buch hoch und auf mich zu. Zumindest habe ich es so in Erinnerung. Dass es hoch und auf mich zusprang. „Wer wandert, braucht nur, was er tragen kann“ von Anne Donath. Ich lese quer. Ein seltsames Buch, wirklich sehr, sehr seltsam. Ich kaufe es und gehe nach Hause. Und beginne zu lesen….

Über wichtige Menschen, die den ganzen Tag in Besprechungsräumen sitzen und Autos, teure Kleidung und anderen Luxus anhäufen und die sich das ganze Jahr über auf ihre siebenundzwanzig Tage Jahresurlaub freuen, um dann dort erst mal richtig krank zu werden von all dem Stress, den sie hatten. Ich lese von Anne, wie sie auf ihrer Wiese liegt und den Wolken beim Wandern zuschaut und das Leben genießt.


Me, myself and I?

In der Beschreibung über die wichtigen Leute mit ihrem teuren Material erkenne ich mich selbst wieder. Mir wird bewusst, wie wenig Seele in meinem Leben ist, obwohl ich meine Arbeit wirklich liebe. Aber es ist einfach quantitativ viel zu viel und so derart arbeits- und energieraubend, dass ich mich vollkommen darin verloren habe.
Wo ist sie geblieben, die reine Freude am Leben? Wenn der einzige Lichtblick der Woche darin besteht, samstags abends in der Badewanne zu liegen und von La Gomera zu träumen?

In diesem Moment springt in meinem Kopf ein Schalter um und ich weiß, mit ganzem Herzen, mit all meinem Sein und in all meinen Zellen:


Eines Tages, Baby!

Nein! Ich will nicht eines Tages sterben und mir die Frage stellen müssen: Melanie, warum hast du es nicht wenigstens versucht!? Versucht, auf La Gomera – der Insel deines Herzens, die du so sehr liebst – zu leben? Wenigstens versuchen hättest du es können! Dann hättest du gewusst, ob dort zu leben wirklich so schön ist, wie du es dir in deinen Träumen immer vorstellst.“

Dreizehn Jahre ist es zu diesem Zeitpunkt her, dass ich mich in diesen kleinen Flecken Erde verliebt habe. Damals konnte ich weder die Sprache, noch kannte ich Land und Leute. Und doch fühlte ich mich mit meinen damals 24 Jahren zum ersten Mal in meinem Leben nicht wie ein Außerirdischer auf dem falschen Planeten. Wie oft hatte ich als Kind abends draußen gesessen und mit dem Fernglas in die Sterne geschaut und gedacht „Irgendwo da oben muss doch mein Zuhause sein!? Hier unten bin ich falsch gelandet! Ganz sicher!“ Und dann lande ich durch eine Aneinanderreihung seltsamer Zufälle (das ist noch mal eine Geschichte für sich!) auf dieser winzigen Insel am Ende der Welt und fühle mich zum ersten Mal in meinem Leben zu Hause!?

Schon damals überlegte ich, einfach zu bleiben und nicht wieder nach Deutschland zurück zu fliegen. Doch die Angst war zu groß. Und außerdem hatte ich ja mein Leben in Deutschland fest eingerichtet und auch familiäre und dienstliche Verpflichtungen… Es ist klar, wo ich fortan 99 % meiner Urlaube verbracht habe. Und mit jedem Urlaub wurde der Wunsch, für immer hier zu leben, größer und tiefer.

Nein, ich wollte nicht sterben, ohne es nicht wenigstens versucht zu haben!
Am nächsten Tag rief ich meine Schwester an, um ihr meine Entscheidung mitzuteilen. „Endlich!“, sagte meine Schwester. „Damit haben wir schon lange gerechnet“. Ach, echt!? Interessant.


“Komm her, mein Mädchen…”

So war das mit meiner Entscheidung, nach La Gomera zu gehen. Sie ist lange gereift, und als sie reif genug war, ist sie – einem Apfel gleich – beinahe wie von selbst vom Baume gefallen. In genau diesem Moment habe ich den Apfel gepflückt und alles für meinen Umzug in die Wege geleitet. Natürlich hatte ich vom Zeitpunkt meiner Entscheidung bis zu meinem tatsächlichen Umzug unzählige Momente des Zweifels und viele, tiefgreifende Ängste. Und auch die ein oder andere harte Prüfung des Schicksals. Doch wann immer ich die Frage stellte: „War meine Entscheidung wirklich richtig?“ erklang aus meinem Herzen ein großes, deutliches JA!

Einmal, als der Zweifel ganz besonders groß war, saß ich an meinem schönen antiken Wohnzimmertisch und versuchte, mich in Gedanken und mit dem Herzen mit La Gomera zu verbinden. Ich fragte sie: „Soll ich wirklich für immer zu dir kommen?“. Und ich hörte sie antworten: „Komm her, mein Mädchen, ich habe noch etwas sehr, sehr Schönes für dich!“ Ich sagte: „Aber was willst du denn noch Schönes für mich haben!? Du hast ich schon so oft so glücklich gemacht mit all deiner Schönheit und all deinem Frieden! Mehr geht nicht!“ – „Komm her, mein Mädchen, ich habe noch etwas sehr, sehr Schönes für dich….!“

Während ich diese Geschichte in Ruhe aufschreibe, ist das Schöne, das Gomera noch für mich bereit hielt, nicht bei mir. Aber gleich, so in einer Stunde, da kommen mein Mann und meine beiden Töchter vom Strand nach Hause….

Möge dich diese Geschichte inspirieren, der Stimme deines Herzens zu lauschen und ihr zu vertrauen.
Möge sie dich ermutigen, nach deiner Lebensvision Ausschau zu halten.
Möge sie dir die Geduld geben, auf die notwendige Reife einer vielleicht anstehenden Entscheidung zu warten.
Möge sie dir die Sicherheit geben, dass die Liebe immer einen Weg findet.

Wenn du selbst gerade an einem Punkt in deinem Leben stehst, wo es um tiefgreifende Veränderungen geht und du Unterstützung brauchst, dann melde dich gerne bei mir!

Wenn dir meine Geschichte gefallen hat, dann freue mich mich sehr über ein Feedback oder wenn du sie mit jemandem teilst, für den sie von Bedeutung sein könnte. Es sind gerade so viele Menschen dabei, aufzubrechen. Im doppelten Wortsinn.

 

Alles Liebe!

unterschrift-melanie_thin_small

 

 

 

 

 

PS: Der rechte der beiden Dos Guitarras, Ulysses, war letztes Jahr einer der beiden Gitarristen, die auf unserer Hochzeit auf der Tina, einem Ausflugsboot, gespielt haben. Rosamunde Pilcher würde vor Neid erblassen. Zu recht, wie ich finde!  😉

Raus aus der Schublade!

Warum der reichste Ort der Welt so schnell wie möglich verarmen sollte

Ich habe es getan. Ich habe meine Schubladen geöffnet und das ewige „Ach nee…Jetzt nicht!“ mal eben in ein anderes Universum gebeamt! Und hey: Fühlt sich saumäßig gut an!

Und das kam so: Neulich sah ich zufällig den Vortrag „Mach es einfach!“ von Thaddaeus Koroma bei GEDANKENtanken. Übrigens: Ich liebe dieses Format! Kurze, knackige Vorträge, prall gefüllt mit Inhalt.

In besagtem Vortrag geht es um den reichsten Ort der Welt. Nachdem ich also den Vortrag geschaut hatte, habe ich kurzum beschlossen, dem reichsten Ort der Welt auf gar keinen Fall zu weiterem Reichtum zu verhelfen! Klingt abstrus? Dann schau’ dir den Vortrag an und du weißt, was ich meine. Es lohnt sich! Echt! Mach es einfach!

Jedenfalls habe ich jetzt ENDLICH angefangen, das zu tun, was ich schon immer tun wollte: Nämlich meine gesamten literarischen „Werke“ zu veröffentlichen. Seit Jahren liegen sie in irgendwelchen Ordnern, Notizbüchern und Schubladen rum und werden älter und älter. Oder auf versteckten Internetseiten, die man nur findet, wenn man den Hyperlink kennt, was auf genau eine Person in diesem Universum zutrifft und zwar auf mich.

… und Tschüß!

Überhaupt habe ich entschieden, meinem ganz persönlichen und recht gemütlich gewordenem Schubladenschrank „Adieu“ zu sagen und ihn auf den Müll zu stellen. Es ist nämlich so: mein Leben lang habe ich versucht, eine Schublade zu finden, in die ich hineinpasse. Vergeblich.

Das fing vor vielen Jahren schon damit an, dass ich dachte, es könne ja nicht sein, dass einer Lyrik UND Satire gleichzeitig schreibt. Dass das sehr wohl sein kann und ich das beste Beispiel dafür bin, habe ich ganz elegant übersehen.

Ich erinnere mich noch sehr genau, als ich seinerzeit anfing, als Trainer und Coach zu arbeiten und mein Auftraggeber – ein Unternehmen von nennenswerter internationaler Größe – durch Zufall auf meine damalige Satire-Webseite gelangte. Die gesamte Belegschaft meiner auftragegebenden Abteilung versüßte sich damit fortan lachender Weise die Mittagspausen.

Als mein damaliger Mentor mich darauf ansprach, wäre ich vor lauter Scham am liebsten im Erdboden versunken, denn es geht in meinen Glossen teilweise recht „zünftig“ zu.

Und was sagte mein Mentor? „Frau Kaltenbach! Bleiben Sie auf jeden Fall dabei! Das ist ein riesiges Pfund!”

Erst sehr viel später habe ich verstanden, was er damit meinte:
Ein sensibler Umgang mit dem Instrument “Sprache” ist (nicht nur) für meine Berufsgruppe ungemein wichtig.

Und so schrieb ich zwar lustig weiter, vergass aber im Trubel meines Lebens völlig, dass meine literarischen Ergüsse vielleicht auch den ein oder anderen Erdenbürger erfreuen könnten. Wie ignorant.

Zippin’ up my boots…

Bis jetzt! Und so gibt es nun meine ersten beiden Kindle-Bücher bei amazon.

Gemäß dem Motto „Back to my roots“ sind die ersten beiden Bücher natürlich – na!? –  ein Gedichtband und eine Satire-Sammlung. Ätsch! “Ferne Gesänge” ist der Titel des Gedichtbandes, “Kännchen servieren wir nur auf der Terrasse” passte als Titel hervorragend zu den satirischen Glossen.

Demnächst folgen weitere ehemalige Schubladen-Bewohner sowie einige Neukreationen, die gar nicht vorhaben, jemals in eine Schublade zu ziehen. Darunter wieder Lyrik und Satire sowie diverse Ratgeber für Manager und gescheiterte Super-Muttis (ist ja fast dasselbe). Und ein Märchen.

Ziemlich kunterbunt, ich weiß. Aber hey: ich hab’s wirklich mit langweilig versucht. Tut’s nicht.

So! Und jetzt zu Dir!

WAS hast DU in all deinen Schubladen versteckt?
Welche SCHÄTZE hältst DU noch vor der Welt verborgen?
Welche Kreationen hast Du jetzt schon, die du der Welt schon immer mal ZEIGEN wolltest und dich aber bislang nicht getraut hast?
Bilder? Songs? Kunstwerke? Selbst designte Klamotten? Gedichte? Cartoons? Märchen? Romane? Meinungen? Ideen? Rekorde? Erfindungen? In Platin gegossene und zu Schlüsselanhängern verarbeitete Wombat-Popel?

Raus damit!

Hast auch DU bislang KEINE Schublade für dich finden können, in die du passt? Egal, in welche du steigst, entweder war sie zu eng,  zu kleinkariert, zu bunt, zu verstaubt, zu tief, zu irgendwas?

WILLKOMMEN IM CLUB! und:

Wirf  dieses bremsende Möbel endlich aus deinem Leben und stell’ es auf den Müll! Und keine Sorge: Es ist sehr wahrscheinlich,  dass sich dein Schrank dort schon bald in bester Gesellschaft mit seinesgleichen befindet.
Einer steht ja schließlich schon da: meiner.

Um mit den Worten von Thaddaeus Korona abzuschließen:

MACH ES EINFACH!

Mit sonnigen Grüßen

unterschrift-melanie_thin_small