Über den heiligen Geist, die Jungfrau & die Macht der Liebe

Tief berührt sitze ich hier und versuche, in Worte zu fassen, was mich heute früh so tief berührt hat, dass ich es aufschreiben und teilen möchte.

Ich brachte eben meine Kinder zu den Ferienspielen und wir kamen auf dem Weg dorthin an dem Raum vorbei, in dem die Virgen die vergangene Nacht verbracht hat. Alle fünf Jahre findet in unserem Tal ein paar Wochen lang die größte aller Prozessionen statt, eine Art Wallfahrt, bei der die schönste und bedeutungsvollste Jungfrauen-Statue von allen – die Virgen de los Reyes – vom Obertal bis ins Untertal getragen wird. Die jeweilige Wegstrecke, auf der sie getragen wird, ist dabei reich und bunt mit Palmwedeln und Girlanden geschmückt. In jeder Nacht “schläft” die Virgen auf ihrem Weg durch das Tal an einem anderen Ort. Entweder in einer kleinen Kapelle oder Kirche oder aber in einer Garage, die man extra für diesen Anlass bereits Wochen vorher geputzt, gesäubert und hochfestlich geschmückt hat. 

So, wie das sonst leer stehende Ladenlokal in unserer Nachbarschaft, in dem sie die vergangene Nacht verbrachte. Die Wände des kleinen Raumes wurden extra für die Jungfrau mit weißen und lilafarbenen Tüchern geschmückt und alles ist reich mit goldenen Girlanden, Rosetten und edlen Blumenbouquets dekoriert. In der Mitte steht der kleine Altar und auf ihm die Virgen, mit ihrer leuchtend strahlenden Goldkrone und dem goldfarbenen Gewand. Der Segen der Virgen bedeutet den Menschen hier viel. Sehr viel. 

Nachtwache für die Jungfrau

Die Tür zum Raum war offen und es waren sechs Personen darin, die still und volle Andacht das Gewand der Jungfrau richteten. Auf einem Stuhl am Eingang saß eine junge Frau aus der Nachbarschaft und ich fragte sie, ob denn wohl jemand in der Nacht hier gewesen sei, um auf die Virgen aufzupassen. “Ja”, sagte sie, “wir haben alle die letzte Nacht hier verbracht und die Virgen bewacht”.

Ich blickte in diesen Raum hinein.  Er war so über und über erfüllt von einer Heiligkeit, Andacht, Wärme und Liebe, wie ich sie in noch keiner Kirche dieser Welt erlebt habe. Diese Liebe und Würde,  mit der meine Nachbarn um die Jungfrau standen, diese tiefe Ernsthaftigkeit und hundertprozentige Aufmerksamkeit für die Tätigkeit, das Gewand der Jungfrau zu richten, all das floss mir so unmittelbar und stark in mein Herz, dass mir die Tränen in die Augen schossen!

Und ich dachte:

Das ist es, was mit Heiliger Geist gemeint ist!

Und nein, das hat nichts mit der katholischen Kirche als solcher zu tun. Die Gomeros sind zwar meist katholisch und feiern auch die jeweiligen katholischen Feste, aber sie haben in all das ihre ganz eigene archaische Kultur mit einfließen lassen! Das ist jedes Mal deutlich spürbar, wenn bei den Prozessionen der wilde Rhythmus der Chácaras und Tambores erklingt! Der mich ebenfalls immer zum weinen bringt, weil er etwas Uraltes in meinen tiefsten Tiefen berührt.  Ich habe das immer bewundert,  dass die Einheimischen sich das so stark bewahrt haben.

Auf dem Nachhauseweg dachte ich über die Verbindung der Jungfrau mit dem Heiligen Geist nach und dem Bild der unbefleckten Empfängnis, das die Kirche uns seit jeher vermittelt. Überhaupt denke ich in letzter Zeit verstärkt über das nach, was die katholische Kirche vermittelt und wie viele Wahrheiten sie mittels kleinster Satzänderungen zu Lügen verdreht hat. Zum Beispiel das Gebot “Du sollst nicht lügen”, was eigentlich heißt “Du sollst die Wahrheit sagen”, was ein himmelweiter (sic!) Unterschied ist!

Vor ein paar Monaten bekam ich aus der Geistigen Welt folgenden Satz  übermittelt:

“Das weibliche Prinzip ist: Empfangen und gebären”. 

Für mich als medialer Mensch war das eine sehr wichtige Information, denn bislang habe ich zwar eifrig empfangen, was ich aus der Geistigen Welt an Informationen bekam, diese Informationen aber nie weiter gegeben, sondern für  mich behalten. Seit ich die obige Information erhielt, habe ich begonnen, die Botschaften auch weiter zu geben. Das hat  mich zu Beginn sehr viel Überwindung gekostet, aber ich hatte ein paar sehr liebe Seelen an meiner Seite, die mich unterstützt und ermutigt haben.

Seit ich meine Aufgabe als Medium anerkannt habe, werde ich zudem reichlich getestet und geschult und ich habe festgestellt, dass – wann immer sich mein Ego einmischt – die Informationen von mir selbst “gefärbt” sind, was ihre Reinheit beeinflusst und damit ihre Wirkung einschränkt.

Vielleicht ist es das, für das die Jungfrau Maria als Sinnbild steht? Für die Reinheit im Akt des Empfangens? 
Es dürfte selbst dem frommsten Menschen klar sein, dass Maria und Josef Sex hatten, aus welchem Jesus als Kind der Liebe hervor ging.

Die Mär von der unbefleckten Empfängnis

Überhaupt ist Sexualität etwas, das erst von der Kirche als “sündhaft” und “schmutzig” deklariert wurde. Man denke nur an die Absurdität des Zölibats, welches meiner Meinung nach nichts anderes ist, als die Unterdrückung unserer reinsten Urkraft.

Der Akt der Verschmelzung zweier liebender Menschen ist ein hochtransformierender Akt, die Meisterklasse der Alchemie, aus dem neues Leben entstehen kann. Die Verschmelzung zweier Liebender ist pure Liebesmagie und von einer Kraft und Macht, die ich erst nach und nach zu verstehen beginne, weswegen mir auch immer deutlicher wird, warum die Kirche diese Macht so massiv unterdrückt, dass sie sogar zu der Mär der unbefleckten Empfängnis Mariens greift! 

Und da bin ich nun in einem Dilemma. Denn ich habe der Katholischen Kirche viel zu verdanken, im Grunde genommen hat mein eigener spiritueller Weg Dank der Katholischen Kirche überhaupt erst begonnen. Und zwar, als ich im Alter von gerade mal drei Jahren mit meiner Omi in die Morgenmesse ging. Für mich war es das Fest des Tages, wir besuchten Gott in seinem Haus! Ich liebte das und ich liebte die Kirchengebäude und ihren Geruch und Spirit.

Und ich fühlte mich zutiefst verbunden mit den Verstorbenen unserer Familie, mit den Heiligen, mit Jesus, Maria und auch mit Gott. Für mich war das alles selbstverständlich, ich stellte meine Überzeugung von der Existenz Gottes nie infrage, obwohl mein Vater Atheist war und keinen Hehl daraus machte. Als ich im Alter von etwa 13 Jahren in einer Zeitschrift zum ersten Mal eine Dokumentation über die Pracht des Vatikans sah, überkamen mich erste Zweifel an der Echtheit der Katholischen Kirche in Bezug auf die Botschaft Jesu Christi. Anfang Zwanzig trat ich aus der katholischen Kirche aus, was mein Vater schon Anfang der Siebziger getan hatte. Aber meine Überzeugung blieb und ich mag Kirchen nach wie vor.

Dabei wäre es so einfach, mein Dilemma zu lösen: Ich mache es, wie meine Gastgeber, die Gomeros, es machen. Ich bewahre mir meins und bette es ein in das andere. Verschmelzung halt.

Im Hohelied der Liebe in Paulus’ Brief an die Korinther steht u.a.:

Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind.
Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war.
Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse,
dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht.
Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich durch und durch erkennen,
so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.
Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;
doch am größten unter ihnen ist die Liebe.”

Heute Morgen, als ich die sechs Menschen aus meiner Nachbarschaft in diesem kleinen Raum bei ihrer andächtigen Tätigkeit beobachtete, da spürte ich diese Liebe. Der ganze Raum war erfüllt von der Liebe dieser Menschen zu ihrer heiligen Jungfrau. Und diese Liebe war so stark und so groß, dass sie mein Herz ergriff und mich zu fragen schien:
Fühlst du die Wahrheit, die in all dem liegt?

Heute nachmittag um 16.30 Uhr findet in dem kleinen Raum eine Messe statt. Anschließend geht die Prozession und wird unsere Virgen wieder durch bunt und liebevoll geschmückte Straßen und zum Rhythmus der Chácaras und Tambores zu ihrer nächsten Station gebracht, wo sie unter der Obhut der Dorfbewohner die heutige Nacht verbringen und ihren Segen verbreiten wird.

Heute werde ich mitgehen.

In Liebe!

Melanie

 

PS: Das Foto ist von meiner lieben Freundin Jessica Trieb, die sowieso ganz wundervolle Fotos macht! Zu finden auf Facebook. Danke, liebe Jessi!