Über den heiligen Geist, die Jungfrau & die Macht der Liebe

Tief berührt sitze ich hier und versuche, in Worte zu fassen, was mich heute früh so tief berührt hat, dass ich es aufschreiben und teilen möchte.

Ich brachte eben meine Kinder zu den Ferienspielen und wir kamen auf dem Weg dorthin an dem Raum vorbei, in dem die Virgen die vergangene Nacht verbracht hat. Alle fünf Jahre findet in unserem Tal ein paar Wochen lang die größte aller Prozessionen statt, eine Art Wallfahrt, bei der die schönste und bedeutungsvollste Jungfrauen-Statue von allen – die Virgen de los Reyes – vom Obertal bis ins Untertal getragen wird. Die jeweilige Wegstrecke, auf der sie getragen wird, ist dabei reich und bunt mit Palmwedeln und Girlanden geschmückt. In jeder Nacht “schläft” die Virgen auf ihrem Weg durch das Tal an einem anderen Ort. Entweder in einer kleinen Kapelle oder Kirche oder aber in einer Garage, die man extra für diesen Anlass bereits Wochen vorher geputzt, gesäubert und hochfestlich geschmückt hat. 

So, wie das sonst leer stehende Ladenlokal in unserer Nachbarschaft, in dem sie die vergangene Nacht verbrachte. Die Wände des kleinen Raumes wurden extra für die Jungfrau mit weißen und lilafarbenen Tüchern geschmückt und alles ist reich mit goldenen Girlanden, Rosetten und edlen Blumenbouquets dekoriert. In der Mitte steht der kleine Altar und auf ihm die Virgen, mit ihrer leuchtend strahlenden Goldkrone und dem goldfarbenen Gewand. Der Segen der Virgen bedeutet den Menschen hier viel. Sehr viel. 

Nachtwache für die Jungfrau

Die Tür zum Raum war offen und es waren sechs Personen darin, die still und volle Andacht das Gewand der Jungfrau richteten. Auf einem Stuhl am Eingang saß eine junge Frau aus der Nachbarschaft und ich fragte sie, ob denn wohl jemand in der Nacht hier gewesen sei, um auf die Virgen aufzupassen. “Ja”, sagte sie, “wir haben alle die letzte Nacht hier verbracht und die Virgen bewacht”.

Ich blickte in diesen Raum hinein.  Er war so über und über erfüllt von einer Heiligkeit, Andacht, Wärme und Liebe, wie ich sie in noch keiner Kirche dieser Welt erlebt habe. Diese Liebe und Würde,  mit der meine Nachbarn um die Jungfrau standen, diese tiefe Ernsthaftigkeit und hundertprozentige Aufmerksamkeit für die Tätigkeit, das Gewand der Jungfrau zu richten, all das floss mir so unmittelbar und stark in mein Herz, dass mir die Tränen in die Augen schossen!

Und ich dachte:

Das ist es, was mit Heiliger Geist gemeint ist!

Und nein, das hat nichts mit der katholischen Kirche als solcher zu tun. Die Gomeros sind zwar meist katholisch und feiern auch die jeweiligen katholischen Feste, aber sie haben in all das ihre ganz eigene archaische Kultur mit einfließen lassen! Das ist jedes Mal deutlich spürbar, wenn bei den Prozessionen der wilde Rhythmus der Chácaras und Tambores erklingt! Der mich ebenfalls immer zum weinen bringt, weil er etwas Uraltes in meinen tiefsten Tiefen berührt.  Ich habe das immer bewundert,  dass die Einheimischen sich das so stark bewahrt haben.

Auf dem Nachhauseweg dachte ich über die Verbindung der Jungfrau mit dem Heiligen Geist nach und dem Bild der unbefleckten Empfängnis, das die Kirche uns seit jeher vermittelt. Überhaupt denke ich in letzter Zeit verstärkt über das nach, was die katholische Kirche vermittelt und wie viele Wahrheiten sie mittels kleinster Satzänderungen zu Lügen verdreht hat. Zum Beispiel das Gebot “Du sollst nicht lügen”, was eigentlich heißt “Du sollst die Wahrheit sagen”, was ein himmelweiter (sic!) Unterschied ist!

Vor ein paar Monaten bekam ich aus der Geistigen Welt folgenden Satz  übermittelt:

“Das weibliche Prinzip ist: Empfangen und gebären”. 

Für mich als medialer Mensch war das eine sehr wichtige Information, denn bislang habe ich zwar eifrig empfangen, was ich aus der Geistigen Welt an Informationen bekam, diese Informationen aber nie weiter gegeben, sondern für  mich behalten. Seit ich die obige Information erhielt, habe ich begonnen, die Botschaften auch weiter zu geben. Das hat  mich zu Beginn sehr viel Überwindung gekostet, aber ich hatte ein paar sehr liebe Seelen an meiner Seite, die mich unterstützt und ermutigt haben.

Seit ich meine Aufgabe als Medium anerkannt habe, werde ich zudem reichlich getestet und geschult und ich habe festgestellt, dass – wann immer sich mein Ego einmischt – die Informationen von mir selbst “gefärbt” sind, was ihre Reinheit beeinflusst und damit ihre Wirkung einschränkt.

Vielleicht ist es das, für das die Jungfrau Maria als Sinnbild steht? Für die Reinheit im Akt des Empfangens? 
Es dürfte selbst dem frommsten Menschen klar sein, dass Maria und Josef Sex hatten, aus welchem Jesus als Kind der Liebe hervor ging.

Die Mär von der unbefleckten Empfängnis

Überhaupt ist Sexualität etwas, das erst von der Kirche als “sündhaft” und “schmutzig” deklariert wurde. Man denke nur an die Absurdität des Zölibats, welches meiner Meinung nach nichts anderes ist, als die Unterdrückung unserer reinsten Urkraft.

Der Akt der Verschmelzung zweier liebender Menschen ist ein hochtransformierender Akt, die Meisterklasse der Alchemie, aus dem neues Leben entstehen kann. Die Verschmelzung zweier Liebender ist pure Liebesmagie und von einer Kraft und Macht, die ich erst nach und nach zu verstehen beginne, weswegen mir auch immer deutlicher wird, warum die Kirche diese Macht so massiv unterdrückt, dass sie sogar zu der Mär der unbefleckten Empfängnis Mariens greift! 

Und da bin ich nun in einem Dilemma. Denn ich habe der Katholischen Kirche viel zu verdanken, im Grunde genommen hat mein eigener spiritueller Weg Dank der Katholischen Kirche überhaupt erst begonnen. Und zwar, als ich im Alter von gerade mal drei Jahren mit meiner Omi in die Morgenmesse ging. Für mich war es das Fest des Tages, wir besuchten Gott in seinem Haus! Ich liebte das und ich liebte die Kirchengebäude und ihren Geruch und Spirit.

Und ich fühlte mich zutiefst verbunden mit den Verstorbenen unserer Familie, mit den Heiligen, mit Jesus, Maria und auch mit Gott. Für mich war das alles selbstverständlich, ich stellte meine Überzeugung von der Existenz Gottes nie infrage, obwohl mein Vater Atheist war und keinen Hehl daraus machte. Als ich im Alter von etwa 13 Jahren in einer Zeitschrift zum ersten Mal eine Dokumentation über die Pracht des Vatikans sah, überkamen mich erste Zweifel an der Echtheit der Katholischen Kirche in Bezug auf die Botschaft Jesu Christi. Anfang Zwanzig trat ich aus der katholischen Kirche aus, was mein Vater schon Anfang der Siebziger getan hatte. Aber meine Überzeugung blieb und ich mag Kirchen nach wie vor.

Dabei wäre es so einfach, mein Dilemma zu lösen: Ich mache es, wie meine Gastgeber, die Gomeros, es machen. Ich bewahre mir meins und bette es ein in das andere. Verschmelzung halt.

Im Hohelied der Liebe in Paulus’ Brief an die Korinther steht u.a.:

Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind.
Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war.
Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse,
dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht.
Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich durch und durch erkennen,
so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.
Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;
doch am größten unter ihnen ist die Liebe.”

Heute Morgen, als ich die sechs Menschen aus meiner Nachbarschaft in diesem kleinen Raum bei ihrer andächtigen Tätigkeit beobachtete, da spürte ich diese Liebe. Der ganze Raum war erfüllt von der Liebe dieser Menschen zu ihrer heiligen Jungfrau. Und diese Liebe war so stark und so groß, dass sie mein Herz ergriff und mich zu fragen schien:
Fühlst du die Wahrheit, die in all dem liegt?

Heute nachmittag um 16.30 Uhr findet in dem kleinen Raum eine Messe statt. Anschließend geht die Prozession und wird unsere Virgen wieder durch bunt und liebevoll geschmückte Straßen und zum Rhythmus der Chácaras und Tambores zu ihrer nächsten Station gebracht, wo sie unter der Obhut der Dorfbewohner die heutige Nacht verbringen und ihren Segen verbreiten wird.

Heute werde ich mitgehen.

In Liebe!

Melanie

 

PS: Das Foto ist von meiner lieben Freundin Jessica Trieb, die sowieso ganz wundervolle Fotos macht! Zu finden auf Facebook. Danke, liebe Jessi! 

10 Jahre Gomera. Oder: Das erste Mal

Heute vor zehn Jahren zog ich nach La Gomera. Mit einem Koffer und vier Umzugskartons. Mehr besaß ich nicht mehr, außer noch ein paar Akten und einer kleinen Kiste Erinnerungstücke, die ich im Keller meiner Mutter einlagerte. Wie es dazu kam, kannst du hier und hier nachlesen.

Als ich im September 2007 die Entscheidung fällte, mein Leben in Deutschland ganz aufzugeben und nach La Gomera zu ziehen, fühlte sich das ganz spontan an. So, als wenn in meinem Bewusstsein einfach ein Schalter umgelegt worden wäre. Die Entscheidung war zudem so kraftvoll, dass sie keinerlei Raum für Zweifel oder Alternativen ließ.

Der guten Ordnung halber sei aber auf jeden Fall zu erwähnen,, dass diese Entscheidung – so leicht sie mir letztlich fiel – gute dreizehn Jahre lang in mir gereift ist. Dreizehn wichtige Jahre, in denen ich ein paar ernsthafte Krisen zu überstehen hatte, aus denen ich anschließend umso stärker hervor ging. 

Immer wieder denke ich an die Umstände, die mich überhaupt nach La Gomera geführt haben. Die Story, wie ich zum ersten Mal hier gelandet bin, ist so abgefahren, dass ich sie heute – zur Feier des Tages – erzählen möchte. 

 

Es war im Sommer 1994, an einem Mittwoch.  Ich ging in das Reisebüro und sagte zum dortigen Mitarbeiter meines Vertrauens: “Herr Gudde, ich habe ab Samstag Urlaub und ich möchte irgendwo hin fliegen, wo auf jeden Fall die Sonne scheint!”. Herr Gudde antwortete: “Oh, das ist aber kurzfristig!” und nahm seinen Aktenordner mit den Last-Minute-Reisen zur Hand. Im selben Moment kam aus dem Faxgerät, das auf der Anrichte hinter Herrn Gudde stand, ein Blatt Papier. Herr Gudde drehte sich um, nahm es zur Hand und warf einen Blick auf das Fax. “Oh, so ein Zufall! Ganz frische Last-Minute-Flüge nach Faro, Ibiza und Teneriffa.”

Portugal war mir allein aufgrund der Sprache  fremd, Ibiza kam nicht infrage, weil ich mal gehört hatte, dass man dort ohne Auto aufgeschmissen ist. Da ich zu dieser Zeit unter einer Autofahrphobie litt, kam das also auch nicht infrage. Blieb noch Teneriffa und ja: Da ich im Frühjahr erst auf Cuba gewesen war, konnte ich ein bisschen Spanisch. Und auf die Kanaren wollte ich ohnehin schon immer mal. Also fiel die Entscheidung auf Teneriffa. 

“Und was ist mit einer Unterkunft?”, wollte ich von Herrn Gudde wissen.

“Ach, die brauchen sie gar nicht. Im Sommer ist auf den Kanaren Nebensaison, da finden Sie immer was vor Ort, das ist da üblich. Am Flughafen setzen sich sich einfach in den Bus und fahren nach Puerto de La Cruz. Das ist schön grün, das wird Ihnen gefallen!” So ist das mit Mitarbeitern des Vertrauens, sie kennen einen und wissen, was einem gefällt.

Ein Freund, ein Freibad und ein Fehlstart

Und so buchte ich also meinen Flug nach Teneriffa. Sonntags morgens um 06.00 Uhr sollte es ab Brüssel losgehen. Moment mal! Brüssel!? Ok, das waren von Aachen aus etwa 150 Kilometer, also doppelt so weit, wie Düsseldorf oder Köln. Egal, es würde sich schon jemand finden, der mich fährt.

So war es auch. Kurzerhand bot sich mein Freund Stefan an, mich in der Nacht von Samstag auf Sonntag nach Brüssel zu fahren. 

Ich mach’s kurz: Samstag nachmittag kam es im Freibad (ja, ich hatte schon damals die Ruhe weg) zu einem handfesten Streit zwischen Stefan und mir, der damit endete, dass ich sagte: “….und nach Brüssel brauchst du mich auch nicht fahren! Tschüss!”

Wutentbrannt spazierte ich nach Hause, meine Wäsche, die ich in meinen Urlaub mitnehmen wollte, war noch im Wäschetrockner, der Koffer lange nicht gepackt. Ich bin so, ich packe immer erst kurz vor Abflug. 

Vor lauter Wut genehmigte ich mir erst mal einen Mojito, schließlich hatte ich noch richtig guten Rum aus Cuba im Kühlschrank.

Kein Anschluss unter dieser Nummer: Das Schicksal nimmt an Fahrt auf

Und dann begann ich zu telefonieren. Mama, Oma, Tante, Onkel, beste Freundin I, beste Freundin II, nicht so beste Freundin…. keiner war zu erreichen! Handy gab es damals noch nicht. Also rief ich auch Papa an. Und siehe da: Papa war tatsächlich zu Hause, hatte sich aber leider auch schon den ein oder anderen Mojito gegönnt, weil er an diesem Tag etwas zu feiern hatte. Es war wie verhext, wobei ich im Nachhinein sagen muss, dass wir das “wie” in diesem Satz streichen können. 

Ich rief bei der Deutschen Bahn an. Es war mittlerweile etwa 18.00 Uhr, meine Wäsche immer noch im Keller. “Wann geht denn morgen ihr erster Zug nach Brüssel?”.

Antwort: Um 06.00 Uhr.

Ich: Shit! Und der letzte Zug heute Abend?

Antwort: Um 20.00 Uhr.

Ich glaube, ich habe noch nie so schnell meinen Koffer und alle notwendigen Unterlagen zusammen gepackt, wie in dieser Situation. Und boah, war ich sauer auf Stefan, schließlich hatte dieser Blödmann mir diesen ganzen Stress hier eingebrockt! Es ist in solchen Situationen so praktisch, einen Schuldigen zur Hand zu haben, oder!?

Um 19.30 Uhr rief ich ein Taxi und ließ mich zum Bahnhof bringen, kaufte mir schnell meine Fahrkarte nach Brüssel und fand das alles grad echt scheiße! Den Start in meinen wohl verdienten Sommerurlaub hatte ich mir echt anders vorgestellt! Und auf keinen Fall SO!

Ich ging auf das Bahngleis und während ich auf meinen Zug nach Brüssel wartete, fiel mir plötzlich ein, dass ich mein Lieblingskleid, also: MEIN ABSOLUTES LIEBLINGSKLEID!!! vergessen hatte. 

Meine Wut auf Stefan explodierte und wurde zu einem lodernden Osterfeuer!

Auf einmal ging ein Mann vor mir vorbei. Von rechts nach links. Ich habe dieses Bild in mir eingebrannt. Forever moment. 

Er war das genaue Gegenteil von mir. Nicht, weil er ein Mann war, sondern weil sein Gesichtsausdruck und überhaupt sein gesamter Habitus nichts anderes aussagte als: Boah, ist das Leben schön und easy! Ich bin happy!!

So viel Glückseligkeit bei einem anderen Menschen zu sehen, war für mich  in meinem Zustand kaum zu ertragen.

Der Zug kam, ich stieg ein und fuhr Richtung Brüssel. In Gedanken beschimpfte ich Stefan in einem nicht enden wollenden Monolog, der jeden, der sich für Tourette interessiert, total fasziniert hätte! 

Um 23.00 Uhr sollte ich am Flughafen ankommen, um 06.00 Uhr ging mein Flieger. Nicht nur, dass Stefan mir den Samstag Abend total verdorben und mir endlos Stress bereitet hatte und außerdem schuld war, dass ich MEIN ABSOLUTES LIEBLINGSKLEID (!!!) vergessen hatte, musste ich nun auch noch sieben lange Stunden mutterseelenallein auf diesem Flughafen totschlagen! Mein inneres Osterfeuer loderte vor sich hin.

Zum Kotzen glücklich: Mein Engel des Schicksals

Am Brüsseler Hauptbahnhof wollte ich in den Zug zum Flughafen umsteigen. Als ich gerade aus dem Zug stieg,  saß vor mir auf einer Bank der Typ vom Aachener Hauptbahnhof. Immer noch von Glückseligkeit durchtränkt. Er lächelte mir zu und wünschte mir einen schönen Urlaub. So eine Unverschämtheit! 

Und dann stieg er auch noch mit mir in den Zug zum Flughafen!

Und dann drängte er mir auch noch ein Gespräch auf!

Er (immer noch zum Kotzen gut gelaunt): Na? Wo geht’s denn hin?”.

Ich (nicht so freundlich): Teneriffa!

Er (begeistert): Oh cool, da fliege ich auch hin!

Ich (gelangweilt): Aha.

Er (penetrant interessiert): Und wann geht dein Flieger?

Ich (so kurz angebunden wie möglich): Um sechs.

Er (begeistert): Oh cool, meiner geht um zwanzig nach sechs. Das ist ja irre! 

Ich: Allerdings.

Er: Na, dann können wir ja zusammen die Nacht auf dem Flughafen verbringen! Ich bin hier öfter, ich fliege dieses Jahr zum dritten Mal von hier aus, ich kenn’ mich hier aus.

Obwohl ich annahm, dass er mich vielleicht abbaggern wollte, was ich wenig attraktiv fand, weil ich diesen Kerl mit seinen Dreadlocks und dem Hippielook einfach nicht sonderlich attraktiv fand, sah ich auch den pragmatischen Vorteil an dieser Idee: Ich musste die sieben Stunden nicht alleine verbringen.  

“Ja, gute Idee!”, sagte ich und so verbrachte ich die folgenden sieben Stunden mit einem mir bis dahin wildfremden Mann am Flughafen in Brüssel.

Brüssel, Proviant und Lindenstraße

Rainer! Rainer erzählte, das er nun schon zum dreizehnten Mal nach La Gomera fliegen würde. Dreizehn!? Gomera!?

Das kannte ich bis dahin nur aus der Lindenstraße, weil Tanja und Franz Schildknecht nach dem Tod von Henny und Maike immer davon erzählten, dass sie zur Olivenernte nach La Gomeeera fuhren und dabei immer so betont lässig und irgendwie hypnotisiert wirkten, wenn sie von La Gomeeera sprachen, was mir schon damals tierisch auf die Nerven ging!
Aber das, was Rainer erzählte, das klang nett. Coole Leute, Strand, Sonnenuntergang, schöne Natur (ob wohl Herr Gudde da heimlich was eingefädelt hatte?) und so weiter.
Und: Rainer war traurig. Denn beim letzten Mal war er mit Bine dort gewesen, und Bin war damals noch seine Freundin und jetzt seine Ex und deswegen sei ihm das Herz so schwer.
Ab diesem Moment war klar, dass Rainer mich nicht abbaggern wollte und ich konnte mich entspannen.
Nach etwa drei Stunden packten wir unseren Proviant aus, teilten unsere Butterbrote und unsere Süßigkeiten miteinander und Rainer erzählte von La Gomera und erzählte und erzählte und erzählte. All diese verrückten Geschichten. Und nicht ein einziges Mal erwähnte er das Wort „Olivenernte“.
Irgendwann wurden unsere Flüge aufgerufen. Meiner ging ja zwanzig Minuten früher als der von Rainer. Wir gingen gemeinsam zum Gate und auf einmal sagte Rainer: Melli, wenn du magst, dann komm doch einfach mit nach La Gomera. Ich bin mir sicher, dass es dir da gefallen wird. Gomera ist viel schöner, als Teneriffa.
Ich: Und wie wollen wir das machen? Wir haben ja unterschiedliche Flieger.
Rainer: Du, überhaupt kein Problem! Überhaupt schien für Rainer nichts ein Problem darzustellen! Wenn du deinen Koffer hast, gehst du aus dem Flughafengebäude raus, rechts lang und da steht dann eine kleine grüne Holzbank. Da setzt du dich hin und wenn ich gelandet bin, komme ich dich dort abholen. Du fliegst ja jetzt viereinhalb Stunden alleine, da kannst du dir das in Ruhe überlegen. Und wenn du da sitzt, dann freue ich mich. Und wenn nicht, wünsche  ich dir einen tollen Urlaub auf Teneriffa.

Und mit diesen Worten checkte ich ein und ging Rainer weiter zu dem Gate, an dem sein Flieger stand.

In the Air und ein Regenbogen über den Wolken

Das Flugzeug war irre groß. 4-6-4-Sitzreihen. Zu meiner Verwunderung war der Flieger höchstens zu einem Drittel gefüllt. Ich habe erst viele Jahre später begriffen, dass es sich um einen Jungfernflug handelte. Ausgerechnet.
Ich hatte die ganze Viererreihe für mich allein und breitete mich gemütlich aus.
Zu Hause hatte ich mir noch Kassetten für meinen Walkman aufgenommen und hörte nun meine Lieblingsmusik und dachte über all das nach, was Rainer mir über La Gomera erzählt hatte. Als aus meinen Kopfhörern gerade Air von Johann Sebastian Bach erklang, sah ich über den Wolken einen Regenbogen… Ich deutete dies als Zeichen einer wundervollen Zeit, die mich erwarten würde.

Auf Teneriffa angekommen wartete ich auf meinen Koffer und suchte die kleine grüne Bank, von der Rainer erzählt hatte. Ich fand sie sofort und setzte mich hin. Vor mir war gleich die Bushaltestelle und es stand der Bus nach Puerto de la Cruz zur Abfahrt bereit. In mir erklangen die Worte von Herrn Gudde: „Am Flughafen nehmen sie den Bus nach Puerto de La Cruz, da ist es schön grün, das wird ihnen gefallen.“
Ich überlegte einen Moment, ob ich eigentlich verrückt geworden war, auf einen wildfremden Mann zu warten und auf eine wildfremde Miniinsel zu fahren und spürte, wie meine Beine zuckten, so, als wollten sie aufstehen und zum Bus gehen.
Und dann schien es, als drückte etwas ganz sanft meine Beine nach unten. Keine Chane, aufzustehen. Es war eine Sache von einer Sekunde oder weniger. Ich blieb sitzen. Der Bus nach Puerto de la Cruz fuhr ohne mich los. 
Fünfzehn Minuten später kam Rainer um die Ecke, so, wie ich ihn kannte: Fröhlich lächelnd und zum Kotzen gut gelaunt!
Wir nahmen den Bus nach Los Cristianos. Gott, war das hässlich dort! Hässliche Häuser, viel zu viele Menschen, wie die Sardinen am Strand, der Ballermann vor der westafrikanischen Küste. Rainer lächelte: Das ist alles zum abgewöhnen, Melli! Genieß es, in den nächsten vierzehn Tagen wirst du nichts Hässliches mehr sehen!

Mit dem Boot in eine andere Welt

Dann nahmen wir die Fähre und es folgten die bis dahin schönsten und verrücktesten vierzehn Tage meines Lebens.
Wir wohnten im Haus von Werner, einem alten Freund von Rainer, der zu dieser Zeit aber gar nicht da war. Werner musste auch einer dieser unglaublich coolen Menschen sein, von denen mir Rainer am Flughaften erzählt hatte, denn Werner ließ während seiner Abwesenheit  alle möglichen Leute in seinem Haus wohnen. Einfach weil Werner offenbar ein verdammt netter Mensch war. Den ich übrigens erst 14 Jahre nach später kennen lernte. Und für die vielen Leute, die Werner immer bei sich wohnen ließ, war auch alles Mögliche vorhanden. Matratzen, Handtücher, Bettwäsche, Schlafsäcke – Alles frisch gewaschen. Einfach so.
Im Haus wohnten bereits Andreas, ein Aussteiger, von dem ich später erfuhr, dass er mal mit dem Fahrrad durch die Wüste gefahren war und bei seiner Rückkehr nach Deutschland sofort im Knast landen würde, wobei ich die Gründe dafür nie erfuhr. Und Karl-Heinz. Was Karl-Heinz in seinem vorherigen Leben gemacht hatte, weiß ich nicht mehr, aber in diesen vierzehn Tagen auf La Gomera war Karl-Heinz unsere Einkaufs- und Spülfee. Andreas war unser Koch, Rainer der Putzmann, der das Haus von Werner auf Vordermann brachte. Und ich, ich war einfach nur Melanie und kam mir ein bisschen vor, wie eine Königin.
Das Haus hatte eine große Dachterasse und Rainer meinte, das sei doch ein schöner Platz für mich zum schlafen, dort könnte ich jede Nacht im Silberschein der Sterne baden. Er selbst schlief unten im Haus und kam jeden Morgen zu mir hoch, um mir meinen ersten Kaffee zu bringen. Rainer zeigte mir die schönsten Strände und die schönsten Täler und stellte mich allen möglichen Leuten vor. Und die waren alle so anders, als die, die ich in Deutschland kannte. Sie waren so frei, sie lebten die Freiheit, nach der ich mich insgeheim so sehr sehnte und die zu leben ich mich aber damals noch nicht traute. Viertausend Kilometer von meiner Heimat entfernt fühlte ich mich im Alter von 24 Jahren zum ersten Mal zu Hause angekommen. An einem winzigen Ort, im großen weiten Atlantik.

Du hast mein Herz geklaut!

Als ich im Sommer 1994 nach zwei Wochen Urlaub wieder nach Deutschland zurück flog, ist ein Teil von mir hier geblieben. Und mit jedem Urlaub blieb wieder ein Stück mehr von mir hier. Dreizehn Jahre lang. 

Als ich heute vor 10 Jahren hierher zog, dachte ich, dass meine Liebe für diese Insel schon so groß sei. Aber das war sie nicht. Mit jedem Morgen, den ich auf ihr erwache, mit jedem Blick in den Sternenhimmel, mit jeder Morgenkontemplation in  meiner kleinen Kirche am Meer, mit jedem Blick auf den Berg, mit jeder Rückkehr von einer Reise und mit jedem Herzschlag wird meine Liebe für diesen kleinen Flecken Erde mehr.

Und wie reich hat sie mich beschenkt und tut es immerfort.

Te amo, Gomera. Ich habe dir mein Leben gegeben und du mir meines. Gracias!
Melanie

 

PS: Und dir, Stefan, danke ich auch….!

Wasser ist stärker als Stein

Da saß ich nun, heute Morgen, an meiner Lieblingsstelle am Meer, die ich “meine Kirche” nenne. Auf einem bequemem Stein sitzend sah ich dem Meer zu, wie es seine schönen Winterwellen schlug, deren wilde Kämme von den ersten Strahlen der Morgensonne berührt wurden. In diesem Anblick kann ich ganz und gar versinken. Immer wieder. Seit Jahren. Ich bemerkte, dass ich heute sehr nachdenklich bin. Und vordenklich. Und gar nicht denklich, sondern intensivfühlig. Alles zusammen. Ich spürte, wie die Wucht der herunter brechenden Wellen den Boden unter mir zum Beben brachte. Und ich fühlte den Schmerz der Erde.

 

Von Müttern und Töchtern

Seit ich vor über sechs Jahren selber Mutter wurde und neun Stunden lang barfuß den Wehentanz tanzte, habe ich eine ganz besondere Verbindung zu unserer großen Mutter. Nie zuvor und nie wieder danach habe ich mich so zutiefst verbunden gefühlt mit unserer Erde, wie in diesen neun Stunden, bevor meine beiden Töchter und damit ich als Mutter geboren wurden.
Seitdem taucht immer wieder eine Vision vor meinem inneren Auge auf. Die Vision, dass wir alle in Frieden und Harmonie leben und unseren Mutterplaneten achten, und ihn genießen und ehren. Wann immer ich das große Bild sehe, ertönen die vielen kleinen Stimmen in mir und reden spöttisch von der Hoffnungslosigkeit. … 

 

Das Paradies auf Erden

Ja, ich lebe in einem Paradies, wo sich die Liebe der Schöpfung in unendlicher Fülle offenbart. Aber ich habe das auch gesehen, als ich noch nicht hier lebte. Ich habe beim Kochen darüber nachgedacht, welch Wunder es doch ist, dass aus einem kleinen Samen eine Tomate entsteht, aus wunderschönen kleinen, wohlriechenden Blüten eine Apfelsine. Und wie gut für uns gesorgt ist, wie alles in perfekter Harmonie für uns eingerichtet wurde und wie sehr wir dabei sind, diese Harmonie und unseren Lebensraum zu zerstören. Gestern Abend schnitt mein Mann eine Avocado auf und meinte, diese Sorte sei jene, bei der das Fleisch der Avocado an der Schale klebe, weswegen es besser sei, es mit einem Löffelchen heraus zu kratzen. Eine Avocado. So lecker, so reichhaltig, perfekt verpackt – ein Wunder. So wie wir. 

Ich spüre heute den Schmerz der Erde. Hier, im Paradies. Ich weiß nicht, was ich tun kann um die große Vision von einem Leben in Harmonie und Frieden Realität werden zu lassen. Ich bin nicht der Typ, der sich anmaßt, irgendwelche Moralkeulen schwingen zu wollen. Ich weiß so vieles selbst nicht besser und lebe selbst noch nicht zu 100% nach den Statuten, die ich für richtig halte. Aber ich bewege mich in eine gute Richtung.
Und ich kann sehen. Ich sehe mit dem Herzen all die Wunder, die dieses Paradies Erde für uns bereit hält.

 

Anderen aus der Seele sprechen

Alles, was ich derzeit tun kann ist, weiter zu schreiben. So zu schreiben, dass die Menschen sagen “Du sprichst mir aus der Seele”. Wer imstande ist, anderen Menschen aus ihrer Seele zu sprechen und dem bislang Ungesagten in ihnen einen Ausdruck zu geben, der sollte das tun. Denn das ist es, was wir am dringendsten brauchen. Seelen, die sich berühren lassen. Seelen, die fühlen, dass sie leben.
Da saß ich nun heute morgen, an meiner Lieblingsstelle am Meer. Und während ich den Wellen zusah, wie sie diese vielen Steine umspülten, die vor Millionen von Jahren aus dem Inneren der Erde als Lava an die Oberfläche kamen und die im Laufe dieser vielen Jahre vom tosenden Atlantik tagein, nachtaus in ihre jetzige Form gebracht wurden, da fiel mir dieses Gedicht von Hesse ein:


“Weich ist stärker als hart.
Wasser ist stärker als Stein.
Liebe ist stärker als Gewalt.”

 

Wohlan, lasst uns lieben. Solange wir leben! 

 

Wotan. Oder: Der Tag, an dem mir Gott begegnete

Dies ist die privateste Geschichte, die ich jemals veröffentlicht habe. Alles hat seine Zeit. Jetzt ist jetzt:
Im Nachhinein mutet es mehr als lächerlich an und es ist mir beinahe peinlich, die Vorgeschichte zu erzählen, aber sie gehört nun einmal unabdingbar dazu:

Mein damaliger Freund und ich hatten einen Hund. Einen Hund zu haben, war seit Kindheit an der Traum meines Freundes. Irgendwann beschloss er, dass er gerne noch einen zweiten Hund hätte. Ich war zwar dagegen, zur damaligen Zeit aber aufgrund verschiedener Umstände nicht in der Lage, meinem Unmut gegenüber einem zweiten Hund deutlich Ausdruck zu verleihen. Also kam noch ein zweiter Hund dazu. Ein kleiner Welpe namens Wotan.

Da war er nun. Und ich fiel in ein tiefes, dunkles Loch. Eine ganze Woche lang heulte ich den ganzen Tag und aß kaum etwas. Mein Freund verstand die Welt nicht mehr. Ich auch nicht. Erst einige Zeit später wurde mir bewusst, dass dieser zweite Hund mein eigenes kindliches Geschwistertrauma getriggert hatte. Aber dies ist ein anderes Thema. Jedenfalls war ich todunglücklich mit der Situation des zweiten Hundes in unserem Haus.

Alles, was mir in meiner Verzweiflung einfiel war, Gott um Hilfe zu bitten. Ich sprach also mit Gott und schlug ihm einen Deal vor, damit der zweite Hund so schnell wie möglich wieder zu seinem Erstbesitzer zurück käme. Im Gegenzug zu Gottes Hilfe wollte ich ein Gelübde ablegen. Zwei Monate lang wollte ich jeden Tag einen heiligen Ort aufsuchen und dort eine Kerze anzünden. Zwei Monate, jeden Tag – das ist viel, wenn man auch noch einen vollen Alltag hat!
Nachdem ich Gott also meinen Vorschlag unterbreitet hatte, fing dieser lauthals an zu lachen und sagte: „Melanie, mit mir kannst du nicht handeln. Wenn du ein Gelübde ablegst, dann machst du das deshalb, um DIR der Dringlichkeit der Erfüllung deines Wunsches bewusst zu werden.“

Wie bitte!? Ich meine, das hat er wirklich so gesagt und wer bis gerade noch dachte, meine Gespräche mit Gott entsprängen meiner Fantasie, dem sei gesagt: Zu solchen Gedankengängen wäre ich in der damaligen Situation nicht ansatzweise imstande gewesen!
Ich war verzweifelt! Zutiefst verzweifelt! Und bat Gott um Hilfe! Und was macht der!? Lacht mich aus und wirft mich auf mich selbst zurück!? Ja, super! Danke für das Gespräch!

Nun gut. Es WAR mir WIRKLICH wichtig und ich war willens, diese Wichtigkeit in Form meines Gelübdes auch zu unterstreichen. Irgendetwas MUSSTE ich schließlich tun, egal, wie absurd es auch war. Und so begann ich also, mein Gelübde einzulösen und suchte ab sofort jeden Tag einen heiligen Ort auf, um dort ein Licht anzuzünden.
Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass mein Freund schon ein paar Tage später zu der Einsicht kam, dass es für unseren Haussegen in der Tat besser wäre, den Hund wieder zurück zu bringen. Wotan wurde zurück gebracht.
Sollte Gott sich möglicher Weise doch auf diesen Deal mit mir eingelassen haben…?

Egal, ich hatte zu tun! Und zwar, jeden und jeden verdammten blöden Tag einen heiligen Ort aufsuchen, was in Anbetracht der Tatsache, dass Kirchen tatsächlich Öffnungszeiten haben, gar nicht so einfach war! Herrschaftszeiten, was fluchte ich in diesen ersten Tagen über die Kirchen und ihre seltsamen Öffnungszeiten, die weder zu meinen Mittagspausen noch zu meinen Feierabenden passten! Gleichzeitig kam ich mir ein bisschen vor wie ein Betrüger, weil ich schon vor Jahren aus der Kirche ausgetreten war und demzufolge gar keinen Eintritt mehr zahlte. Und dann auch noch Ansprüche stellen wollen, oder wie!? Irgendwann stellte ich glücklicher Weise fest, dass es heilige Orte gab, die tatsächlich Tag und Nacht geöffnet waren:
Die Kapellen von Krankenhäusern!

So ging ich fortan also verstärkt in Krankenhauskapellen. Zur Mittagszeit in die des Krankenhauses, in dem ich geboren wurde. Dieses lag ganz nah an meiner damaligen Arbeitsstelle. Wenn ich es in der Mittagspause nicht geschafftt hatte, fuhr ich nach Feierabend in ein Krankenhaus nahe unserer Wohnung. Am Anfang war es wirklich lästig. Jeden Tag diese Kirchennummer einbauen! Aber ob es mir nun passte oder nicht: Gelübde war Gelübde.

Irgendwann stellte ich fest, dass sich etwas verändert hatte. Ohne, dass ich es zunächst bewusst bemerkte, begann ich, mich auf meine täglichen fünf Minuten in Stille und Andacht und mit Gott zu freuen. Und verlängerte meine fünf Minuten freiwillig auf zehn bis fünfzehn Minuten. Diese Zeit an meinem heiligen Ort war für mich oftmals die einzige Gelegenheit des Tages, wirklich zu kontemplieren. Mit Legitimation. Denn: Gelübde ist Gelübde!

Aus einer anfänglich als lästige Pflicht empfundenen Aufgabe wurde zunehmend meine ganz private Luxusangelegenheit, ein tägliches Date, das ich genoss und das mir lieb und immer lieber wurde.

Eines Tages, es war gegen Ende des ersten Monats, fuhr ich in der Mittagspause in die Kapelle meines Geburtskrankenhauses. Die Kapelle war an ein Kloster angeschlossen, manchmal huschten Nonnen vorbei. Doch an diesem Tag war ich ganz allein.

Und während ich so auf meiner Kirchenbank saß und die Kontemplation genoss, da fuhr es auf einmal in mich.
Die totale Liebe!
Es ist schwierig, diese mit Worten zu beschreiben, weil sie so unendlich groß war, wie ich es noch nie zuvor erlebt hatte.
Mein kläglicher Versuch einer Beschreibung lautet immer: Stelle dir deinen schönsten Orgasmus vor, multipliziere ihn mit einer Million und spüre dieses Gefühl in deinem Herzen, von wo aus es all dein Sein durchströmt.
Als mich dieses Gefühl mit all seinem Licht durchfuhr, da war mir klar: Gott ist da!
Ich brach in Tränen aus und dachte, mich auf der Stelle aufzulösen, so erfüllt, durchströmt und überwältigt war ich von dieser unendlichen Liebe!

Und mir war klar: Diese Erfahrung – jetzt und hier – die mache ich nicht nur für mich. Gott will mir etwas sagen. Er will mir sagen, dass ich sagen soll, dass es ihn gibt….

Ich habe lange nicht gewusst, WIE ich diesem Auftrag Ausdruck verleihen soll.
Irgendwann begann ich sogar, diesen Auftrag verdrängen zu wollen.

Bis Gott mir wieder begegnete, und ich mich in einer unvermittelten Nahtoderfahrung entscheiden musste, ob ich für immer in das ewige Licht gehe oder ob ich noch bleibe. Ich habe mich für’s Bleiben entschieden, wie man unschwer erkennt. Und das hat einen Grund.

Ich habe nämlich noch einen Auftrag…. 😉

LOVE

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PS: Nach Ablauf der zwei Monate habe ich geweint. Und noch ein bisschen verlängert. Als Bonusmaterial, für mich 😉

Selbstverwirklichung in chaotischen Zeiten – Darf’s ein bisschen mehr sein?

Ich gebe zu: Die aktuellen weltweiten, europäischen und auch deutschnationalen Entwicklungen bereiten auch mir Sorge. Wie auch nicht!? Natürlich könnte ich einfach komplett auf „off“ schalten und ab sofort einfach keine Nachrichten mehr lesen. Manchmal denke ich ernsthaft darüber nach. Denn oberflächlich betrachtet, lassen die Medien derzeit wahrlich nicht viel Gutes für die Zukunft erahnen.

Ist Selbstverwirklichung in Zeiten wie diesen egoistisch und verwerflich?

Und natürlich frage ich mich als Coach, der Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung begleitet:
Bei all dem weltweiten Chaos – wie viel Raum ist da überhaupt noch für die individuelle Selbstverwirklichung?
Mit welchem Recht darf man sich überhaupt noch um sich selbst kümmern, sich selbst verwirklichen, wenn es gleichzeitig den Anschein hat, dass um einen herum alles zusammen zu brechen droht?

Jetzt erst recht!

Meine Antwort ist so simpel wie radikal: Jetzt erst recht!
Wenn es überhaupt irgendetwas gibt, dem wir uns  heute mit absoluter Priorität zu widmen haben, dann der eigenen Selbstverwirklichung. Denn Selbstverwirklichung ist gleichbedeutend mit Herzensbildung.
Und was, wenn nicht Herzensbildung, ist es, das wir derzeit am dringendsten brauchen!?

 

Unser großer gemeinsamer Nenner 

Aufgrund meiner – nennen wir es „spirituellen Bildung“ – die ich autodidaktisch seit frühster Kindheit pflege, bin ich zutiefst davon überzeugt, dass uns Menschen eine große gemeinsame Sehnsucht verbindet:
Die nach Liebe. Oder die nach der Verbindung mit Gott, was für mich dasselbe ist.
Ich finde es übrigens sehr bedauerlich, dass Gott so oft mit Kirche gleichgesetzt wird.
Wie viele kenne ich, die – sobald ich von Gott rede – entgegnen: Oh Gott! Hör’ mir auf mit Gott! Von der Kirche will ich nichts wissen!
Die Kirche hat Gott instrumentalisiert. Nicht umgekehrt. Das ist das eine.
Das andere, was mir auffällt ist, dass sich zwar viele von der Kirche als Institution abgewendet haben, sich aber sofort einer anderen Institution angeschlossen haben, die ihnen unter dem pseudospirituellen Deckmäntelchen des Guten erneut vorschreibt, was sie denn zu tun und zu lassen haben, um eines Tages am Himmelstörchen beziehungsweise der Tür zur Erleuchtung anklopfen zu dürfen. Wenn es nicht so tragisch wäre, könnte man fast darüber lachen.

Wenn die Suche nach der Quelle in Stress ausartet

Wir Menschlein unternehmen für die Erfüllung unserer Sehnsucht nach Liebe wahrlich die seltsamsten Dinge und gehen die absonderlichsten Wege. Weil wir meinen, dass wir die Erfüllung irgendwo im Außen finden. In Konsum, in Leistung, in Beziehungen, in Machtausübung oder halt in irgendeiner neuen Form von “Ismus”.

Dabei gibt es nur eine Quelle, aus der die Liebe, nach der wir uns sehnen, entspringt.
Und diese Quelle liegt in UNS.
Um zu dieser Quelle zu gelangen, müssen wir nur eines tun: In Kontakt mit uns selbst gehen!

Als Coach unterstütze ich Menschen genau hierbei: Wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen.
In einer immer komplexer und schneller werdenden Welt ist nämlich genau das der Punkt, um den es immer deutlicher geht!
So viel prasselt auf uns ein, so viele äußere Zwänge ziehen an uns, so viel Zerstreuung bietet die moderne Welt, so viele Dinge lenken uns ab von uns selbst, so vieles, das uns derzeit zutiefst verunsichert und uns Angst macht.
Da ist es ein Leichtes, den Kontakt zu sich selbst zu verlieren.

Und so wird unsere Sehnsucht nach der tiefen Verbindung zu uns selbst, zu unserer Quelle der Liebe, von der wir tief in uns wissen, immer größer.

Es ist einfach

Eigentlich möchte und könnte ich jeden Tag dasselbe schreiben:
Hör’ auf, im Außen zu jagen und zu suchen.
Hör’ auf, dich im Außen blenden zu lassen.
Hör’ auf, immer emsiger dies und jenes zu tun.
Hör’ auf, auf andere zu hören.
Hör’ auf, anderen mehr zu glauben als deiner eigenen, inneren Wahrheit.
Hör’ auf, dich ständig abzulenken.
Werde ruhig, werde still.
Und dann atme und lausche.
Lausche der Stimme deiner Seele,
die ALLES weiß.
Und sei!

Und dann staune darüber, wie einfach es doch ist, wenn du einfach bist.

Love

 

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Ist Dankbarkeit der Schlüssel zum Glück?

“Dankbarkeit ist der Himmel selber.” William Blake

Abends, wenn ich zu Bett gehe, besinne ich mich gerne auf das, was mein Leben ausmacht.

Meist beginne ich damit, dass ich mir bewusst mache, dass all meine Lieben gesund sind. Das ist nicht selbstverständlich. Und deshalb bin ich dem Leben dankbar.

Weiter geht es damit, dass mein Mann, meine Kinder und ich gemeinsam als Familie leben und viel Freude miteinander haben. Auch das ist nicht selbstverständlich. Also: Danke, Leben!

Dass wir alle ein Bett und ein Dach über dem Kopf haben, genügend zu essen, dass wir in Freiheit leben und in einem Land, in dem Frieden ist – auch das ist bei Weitem nicht selbstverständlich. Danke!

Dann überlege ich noch, welches meine Highlights des Tages waren. Das kann ein gemaltes Bild oder ein Lachen meiner Kinder gewesen sein, ein gemeinsam gesungenes Liedchen, ein leckeres Essen, ein erfrischendes Bad im Meer, eine schöne Begegnung mit einem Freund oder dass ich einem fremden Menschen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert habe.

Und dann, wenn mein abendliches Dankbarkeits-Körbchen so richtig voll ist – und das ist es eigentlich immer – dann werden meine persönlichen Sonderwünsche auf einmal ziemlich klein und eigentlich unbedeutend.

Ich bin überzeugt, dass Dankbarkeit in unserer leistungs- und konsumorientierten Welt ein wichtiger Schlüssel zu Zufriedenheit und Glück ist. Probier es doch einfach mal aus! Und lass mich gerne wissen, wie es Dir damit geht.

Ich freue mich auf Deine Geschichte!

Mit sonnigen Grüßen

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Wenn man vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht…

…ist es manchmal ratsam, in einen Wald voller Bäume zu gehen.

Denn kaum etwas anderes bringt uns so sehr zur Ruhe und wieder in Kontakt mit uns selbst, wie die Natur.

Ich selbst hatte das große Glück, dass mein Vater ein sehr Natur verbundener Mensch war und zudem im Wald arbeitete. So fuhren wir fast jedes Wochenende in irgendeinen Wald und spazierten mitten durch, anstatt auf den Wegen. Wir suchten nach den Spuren von Rehen und Wildschweinen, stiegen auf Hochsitze und lauschten leise der uns umgebenden Ruhe.

Auch heute liebe und brauche ich den Wald. Ich liebe es, im Sommer barfuß über den mal warmen, mal kalten, mal trockenen, mal glitschigen Waldboden zu laufen und jeden Schritt bewusst zu tun und mich zu “erden” und wieder verbunden zu fühlen. Ich liebe das Geräusch des Windes durch die Blätter und das Zwitschern der Vögel. Manchmal ist es jedoch so still, dass man gar nichts hört. Gar nichts! Dann wird die Stille “laut”. Ein ungewohntes Gefühl in dieser Welt, mal gar nichts zu hören. Keinen Wind, kein Rauschen, keine Vögel, keine Autos… einfach nur die totale allumfassende Stille.

Die Naturvölker wissen seit jeher um die Heilkraft der Natur. Aber nun beschäftigt sich auch die Wissenschaft damit. An dieser Stelle möchte auf das Buch “Der Biophilia-Effekt” von Clemens G. Arvey hinweisen.

Hier der Trailer zum Buch:
https://www.youtube.com/watch?v=I8OQMUuf6xQ

Und!? Wann warst Du zum letzten Mal im Wald und hast Dich mit Stille und Ruhe aufgetankt?
Ist schon eine ganze Weile her? Na dann man los!

Viel Freude wünscht Dir

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