10 Jahre Gomera. Oder: Das erste Mal

Heute vor zehn Jahren zog ich nach La Gomera. Mit einem Koffer und vier Umzugskartons. Mehr besaß ich nicht mehr, außer noch ein paar Akten und einer kleinen Kiste Erinnerungstücke, die ich im Keller meiner Mutter einlagerte. Wie es dazu kam, kannst du hier und hier nachlesen.

Als ich im September 2007 die Entscheidung fällte, mein Leben in Deutschland ganz aufzugeben und nach La Gomera zu ziehen, fühlte sich das ganz spontan an. So, als wenn in meinem Bewusstsein einfach ein Schalter umgelegt worden wäre. Die Entscheidung war zudem so kraftvoll, dass sie keinerlei Raum für Zweifel oder Alternativen ließ.

Der guten Ordnung halber sei aber auf jeden Fall zu erwähnen,, dass diese Entscheidung – so leicht sie mir letztlich fiel – gute dreizehn Jahre lang in mir gereift ist. Dreizehn wichtige Jahre, in denen ich ein paar ernsthafte Krisen zu überstehen hatte, aus denen ich anschließend umso stärker hervor ging. 

Immer wieder denke ich an die Umstände, die mich überhaupt nach La Gomera geführt haben. Die Story, wie ich zum ersten Mal hier gelandet bin, ist so abgefahren, dass ich sie heute – zur Feier des Tages – erzählen möchte. 

 

Es war im Sommer 1994, an einem Mittwoch.  Ich ging in das Reisebüro und sagte zum dortigen Mitarbeiter meines Vertrauens: “Herr Gudde, ich habe ab Samstag Urlaub und ich möchte irgendwo hin fliegen, wo auf jeden Fall die Sonne scheint!”. Herr Gudde antwortete: “Oh, das ist aber kurzfristig!” und nahm seinen Aktenordner mit den Last-Minute-Reisen zur Hand. Im selben Moment kam aus dem Faxgerät, das auf der Anrichte hinter Herrn Gudde stand, ein Blatt Papier. Herr Gudde drehte sich um, nahm es zur Hand und warf einen Blick auf das Fax. “Oh, so ein Zufall! Ganz frische Last-Minute-Flüge nach Faro, Ibiza und Teneriffa.”

Portugal war mir allein aufgrund der Sprache  fremd, Ibiza kam nicht infrage, weil ich mal gehört hatte, dass man dort ohne Auto aufgeschmissen ist. Da ich zu dieser Zeit unter einer Autofahrphobie litt, kam das also auch nicht infrage. Blieb noch Teneriffa und ja: Da ich im Frühjahr erst auf Cuba gewesen war, konnte ich ein bisschen Spanisch. Und auf die Kanaren wollte ich ohnehin schon immer mal. Also fiel die Entscheidung auf Teneriffa. 

“Und was ist mit einer Unterkunft?”, wollte ich von Herrn Gudde wissen.

“Ach, die brauchen sie gar nicht. Im Sommer ist auf den Kanaren Nebensaison, da finden Sie immer was vor Ort, das ist da üblich. Am Flughafen setzen sich sich einfach in den Bus und fahren nach Puerto de La Cruz. Das ist schön grün, das wird Ihnen gefallen!” So ist das mit Mitarbeitern des Vertrauens, sie kennen einen und wissen, was einem gefällt.

Ein Freund, ein Freibad und ein Fehlstart

Und so buchte ich also meinen Flug nach Teneriffa. Sonntags morgens um 06.00 Uhr sollte es ab Brüssel losgehen. Moment mal! Brüssel!? Ok, das waren von Aachen aus etwa 150 Kilometer, also doppelt so weit, wie Düsseldorf oder Köln. Egal, es würde sich schon jemand finden, der mich fährt.

So war es auch. Kurzerhand bot sich mein Freund Stefan an, mich in der Nacht von Samstag auf Sonntag nach Brüssel zu fahren. 

Ich mach’s kurz: Samstag nachmittag kam es im Freibad (ja, ich hatte schon damals die Ruhe weg) zu einem handfesten Streit zwischen Stefan und mir, der damit endete, dass ich sagte: “….und nach Brüssel brauchst du mich auch nicht fahren! Tschüss!”

Wutentbrannt spazierte ich nach Hause, meine Wäsche, die ich in meinen Urlaub mitnehmen wollte, war noch im Wäschetrockner, der Koffer lange nicht gepackt. Ich bin so, ich packe immer erst kurz vor Abflug. 

Vor lauter Wut genehmigte ich mir erst mal einen Mojito, schließlich hatte ich noch richtig guten Rum aus Cuba im Kühlschrank.

Kein Anschluss unter dieser Nummer: Das Schicksal nimmt an Fahrt auf

Und dann begann ich zu telefonieren. Mama, Oma, Tante, Onkel, beste Freundin I, beste Freundin II, nicht so beste Freundin…. keiner war zu erreichen! Handy gab es damals noch nicht. Also rief ich auch Papa an. Und siehe da: Papa war tatsächlich zu Hause, hatte sich aber leider auch schon den ein oder anderen Mojito gegönnt, weil er an diesem Tag etwas zu feiern hatte. Es war wie verhext, wobei ich im Nachhinein sagen muss, dass wir das “wie” in diesem Satz streichen können. 

Ich rief bei der Deutschen Bahn an. Es war mittlerweile etwa 18.00 Uhr, meine Wäsche immer noch im Keller. “Wann geht denn morgen ihr erster Zug nach Brüssel?”.

Antwort: Um 06.00 Uhr.

Ich: Shit! Und der letzte Zug heute Abend?

Antwort: Um 20.00 Uhr.

Ich glaube, ich habe noch nie so schnell meinen Koffer und alle notwendigen Unterlagen zusammen gepackt, wie in dieser Situation. Und boah, war ich sauer auf Stefan, schließlich hatte dieser Blödmann mir diesen ganzen Stress hier eingebrockt! Es ist in solchen Situationen so praktisch, einen Schuldigen zur Hand zu haben, oder!?

Um 19.30 Uhr rief ich ein Taxi und ließ mich zum Bahnhof bringen, kaufte mir schnell meine Fahrkarte nach Brüssel und fand das alles grad echt scheiße! Den Start in meinen wohl verdienten Sommerurlaub hatte ich mir echt anders vorgestellt! Und auf keinen Fall SO!

Ich ging auf das Bahngleis und während ich auf meinen Zug nach Brüssel wartete, fiel mir plötzlich ein, dass ich mein Lieblingskleid, also: MEIN ABSOLUTES LIEBLINGSKLEID!!! vergessen hatte. 

Meine Wut auf Stefan explodierte und wurde zu einem lodernden Osterfeuer!

Auf einmal ging ein Mann vor mir vorbei. Von rechts nach links. Ich habe dieses Bild in mir eingebrannt. Forever moment. 

Er war das genaue Gegenteil von mir. Nicht, weil er ein Mann war, sondern weil sein Gesichtsausdruck und überhaupt sein gesamter Habitus nichts anderes aussagte als: Boah, ist das Leben schön und easy! Ich bin happy!!

So viel Glückseligkeit bei einem anderen Menschen zu sehen, war für mich  in meinem Zustand kaum zu ertragen.

Der Zug kam, ich stieg ein und fuhr Richtung Brüssel. In Gedanken beschimpfte ich Stefan in einem nicht enden wollenden Monolog, der jeden, der sich für Tourette interessiert, total fasziniert hätte! 

Um 23.00 Uhr sollte ich am Flughafen ankommen, um 06.00 Uhr ging mein Flieger. Nicht nur, dass Stefan mir den Samstag Abend total verdorben und mir endlos Stress bereitet hatte und außerdem schuld war, dass ich MEIN ABSOLUTES LIEBLINGSKLEID (!!!) vergessen hatte, musste ich nun auch noch sieben lange Stunden mutterseelenallein auf diesem Flughafen totschlagen! Mein inneres Osterfeuer loderte vor sich hin.

Zum Kotzen glücklich: Mein Engel des Schicksals

Am Brüsseler Hauptbahnhof wollte ich in den Zug zum Flughafen umsteigen. Als ich gerade aus dem Zug stieg,  saß vor mir auf einer Bank der Typ vom Aachener Hauptbahnhof. Immer noch von Glückseligkeit durchtränkt. Er lächelte mir zu und wünschte mir einen schönen Urlaub. So eine Unverschämtheit! 

Und dann stieg er auch noch mit mir in den Zug zum Flughafen!

Und dann drängte er mir auch noch ein Gespräch auf!

Er (immer noch zum Kotzen gut gelaunt): Na? Wo geht’s denn hin?”.

Ich (nicht so freundlich): Teneriffa!

Er (begeistert): Oh cool, da fliege ich auch hin!

Ich (gelangweilt): Aha.

Er (penetrant interessiert): Und wann geht dein Flieger?

Ich (so kurz angebunden wie möglich): Um sechs.

Er (begeistert): Oh cool, meiner geht um zwanzig nach sechs. Das ist ja irre! 

Ich: Allerdings.

Er: Na, dann können wir ja zusammen die Nacht auf dem Flughafen verbringen! Ich bin hier öfter, ich fliege dieses Jahr zum dritten Mal von hier aus, ich kenn’ mich hier aus.

Obwohl ich annahm, dass er mich vielleicht abbaggern wollte, was ich wenig attraktiv fand, weil ich diesen Kerl mit seinen Dreadlocks und dem Hippielook einfach nicht sonderlich attraktiv fand, sah ich auch den pragmatischen Vorteil an dieser Idee: Ich musste die sieben Stunden nicht alleine verbringen.  

“Ja, gute Idee!”, sagte ich und so verbrachte ich die folgenden sieben Stunden mit einem mir bis dahin wildfremden Mann am Flughafen in Brüssel.

Brüssel, Proviant und Lindenstraße

Rainer! Rainer erzählte, das er nun schon zum dreizehnten Mal nach La Gomera fliegen würde. Dreizehn!? Gomera!?

Das kannte ich bis dahin nur aus der Lindenstraße, weil Tanja und Franz Schildknecht nach dem Tod von Henny und Maike immer davon erzählten, dass sie zur Olivenernte nach La Gomeeera fuhren und dabei immer so betont lässig und irgendwie hypnotisiert wirkten, wenn sie von La Gomeeera sprachen, was mir schon damals tierisch auf die Nerven ging!
Aber das, was Rainer erzählte, das klang nett. Coole Leute, Strand, Sonnenuntergang, schöne Natur (ob wohl Herr Gudde da heimlich was eingefädelt hatte?) und so weiter.
Und: Rainer war traurig. Denn beim letzten Mal war er mit Bine dort gewesen, und Bin war damals noch seine Freundin und jetzt seine Ex und deswegen sei ihm das Herz so schwer.
Ab diesem Moment war klar, dass Rainer mich nicht abbaggern wollte und ich konnte mich entspannen.
Nach etwa drei Stunden packten wir unseren Proviant aus, teilten unsere Butterbrote und unsere Süßigkeiten miteinander und Rainer erzählte von La Gomera und erzählte und erzählte und erzählte. All diese verrückten Geschichten. Und nicht ein einziges Mal erwähnte er das Wort „Olivenernte“.
Irgendwann wurden unsere Flüge aufgerufen. Meiner ging ja zwanzig Minuten früher als der von Rainer. Wir gingen gemeinsam zum Gate und auf einmal sagte Rainer: Melli, wenn du magst, dann komm doch einfach mit nach La Gomera. Ich bin mir sicher, dass es dir da gefallen wird. Gomera ist viel schöner, als Teneriffa.
Ich: Und wie wollen wir das machen? Wir haben ja unterschiedliche Flieger.
Rainer: Du, überhaupt kein Problem! Überhaupt schien für Rainer nichts ein Problem darzustellen! Wenn du deinen Koffer hast, gehst du aus dem Flughafengebäude raus, rechts lang und da steht dann eine kleine grüne Holzbank. Da setzt du dich hin und wenn ich gelandet bin, komme ich dich dort abholen. Du fliegst ja jetzt viereinhalb Stunden alleine, da kannst du dir das in Ruhe überlegen. Und wenn du da sitzt, dann freue ich mich. Und wenn nicht, wünsche  ich dir einen tollen Urlaub auf Teneriffa.

Und mit diesen Worten checkte ich ein und ging Rainer weiter zu dem Gate, an dem sein Flieger stand.

In the Air und ein Regenbogen über den Wolken

Das Flugzeug war irre groß. 4-6-4-Sitzreihen. Zu meiner Verwunderung war der Flieger höchstens zu einem Drittel gefüllt. Ich habe erst viele Jahre später begriffen, dass es sich um einen Jungfernflug handelte. Ausgerechnet.
Ich hatte die ganze Viererreihe für mich allein und breitete mich gemütlich aus.
Zu Hause hatte ich mir noch Kassetten für meinen Walkman aufgenommen und hörte nun meine Lieblingsmusik und dachte über all das nach, was Rainer mir über La Gomera erzählt hatte. Als aus meinen Kopfhörern gerade Air von Johann Sebastian Bach erklang, sah ich über den Wolken einen Regenbogen… Ich deutete dies als Zeichen einer wundervollen Zeit, die mich erwarten würde.

Auf Teneriffa angekommen wartete ich auf meinen Koffer und suchte die kleine grüne Bank, von der Rainer erzählt hatte. Ich fand sie sofort und setzte mich hin. Vor mir war gleich die Bushaltestelle und es stand der Bus nach Puerto de la Cruz zur Abfahrt bereit. In mir erklangen die Worte von Herrn Gudde: „Am Flughafen nehmen sie den Bus nach Puerto de La Cruz, da ist es schön grün, das wird ihnen gefallen.“
Ich überlegte einen Moment, ob ich eigentlich verrückt geworden war, auf einen wildfremden Mann zu warten und auf eine wildfremde Miniinsel zu fahren und spürte, wie meine Beine zuckten, so, als wollten sie aufstehen und zum Bus gehen.
Und dann schien es, als drückte etwas ganz sanft meine Beine nach unten. Keine Chane, aufzustehen. Es war eine Sache von einer Sekunde oder weniger. Ich blieb sitzen. Der Bus nach Puerto de la Cruz fuhr ohne mich los. 
Fünfzehn Minuten später kam Rainer um die Ecke, so, wie ich ihn kannte: Fröhlich lächelnd und zum Kotzen gut gelaunt!
Wir nahmen den Bus nach Los Cristianos. Gott, war das hässlich dort! Hässliche Häuser, viel zu viele Menschen, wie die Sardinen am Strand, der Ballermann vor der westafrikanischen Küste. Rainer lächelte: Das ist alles zum abgewöhnen, Melli! Genieß es, in den nächsten vierzehn Tagen wirst du nichts Hässliches mehr sehen!

Mit dem Boot in eine andere Welt

Dann nahmen wir die Fähre und es folgten die bis dahin schönsten und verrücktesten vierzehn Tage meines Lebens.
Wir wohnten im Haus von Werner, einem alten Freund von Rainer, der zu dieser Zeit aber gar nicht da war. Werner musste auch einer dieser unglaublich coolen Menschen sein, von denen mir Rainer am Flughaften erzählt hatte, denn Werner ließ während seiner Abwesenheit  alle möglichen Leute in seinem Haus wohnen. Einfach weil Werner offenbar ein verdammt netter Mensch war. Den ich übrigens erst 14 Jahre nach später kennen lernte. Und für die vielen Leute, die Werner immer bei sich wohnen ließ, war auch alles Mögliche vorhanden. Matratzen, Handtücher, Bettwäsche, Schlafsäcke – Alles frisch gewaschen. Einfach so.
Im Haus wohnten bereits Andreas, ein Aussteiger, von dem ich später erfuhr, dass er mal mit dem Fahrrad durch die Wüste gefahren war und bei seiner Rückkehr nach Deutschland sofort im Knast landen würde, wobei ich die Gründe dafür nie erfuhr. Und Karl-Heinz. Was Karl-Heinz in seinem vorherigen Leben gemacht hatte, weiß ich nicht mehr, aber in diesen vierzehn Tagen auf La Gomera war Karl-Heinz unsere Einkaufs- und Spülfee. Andreas war unser Koch, Rainer der Putzmann, der das Haus von Werner auf Vordermann brachte. Und ich, ich war einfach nur Melanie und kam mir ein bisschen vor, wie eine Königin.
Das Haus hatte eine große Dachterasse und Rainer meinte, das sei doch ein schöner Platz für mich zum schlafen, dort könnte ich jede Nacht im Silberschein der Sterne baden. Er selbst schlief unten im Haus und kam jeden Morgen zu mir hoch, um mir meinen ersten Kaffee zu bringen. Rainer zeigte mir die schönsten Strände und die schönsten Täler und stellte mich allen möglichen Leuten vor. Und die waren alle so anders, als die, die ich in Deutschland kannte. Sie waren so frei, sie lebten die Freiheit, nach der ich mich insgeheim so sehr sehnte und die zu leben ich mich aber damals noch nicht traute. Viertausend Kilometer von meiner Heimat entfernt fühlte ich mich im Alter von 24 Jahren zum ersten Mal zu Hause angekommen. An einem winzigen Ort, im großen weiten Atlantik.

Du hast mein Herz geklaut!

Als ich im Sommer 1994 nach zwei Wochen Urlaub wieder nach Deutschland zurück flog, ist ein Teil von mir hier geblieben. Und mit jedem Urlaub blieb wieder ein Stück mehr von mir hier. Dreizehn Jahre lang. 

Als ich heute vor 10 Jahren hierher zog, dachte ich, dass meine Liebe für diese Insel schon so groß sei. Aber das war sie nicht. Mit jedem Morgen, den ich auf ihr erwache, mit jedem Blick in den Sternenhimmel, mit jeder Morgenkontemplation in  meiner kleinen Kirche am Meer, mit jedem Blick auf den Berg, mit jeder Rückkehr von einer Reise und mit jedem Herzschlag wird meine Liebe für diesen kleinen Flecken Erde mehr.

Und wie reich hat sie mich beschenkt und tut es immerfort.

Te amo, Gomera. Ich habe dir mein Leben gegeben und du mir meines. Gracias!
Melanie

 

PS: Und dir, Stefan, danke ich auch….!

Jahrestag. Über das Leben, die Liebe und ein Leben in Liebe

Gestern hatte ich Geburtstag. Siebenundvierzig Jahre bin ich nun auf dieser Welt. Noch drei Jahre und ich werde fünfzig, was sich für mich vollkommen absurd anfühlt. Irgendwie werden die alten Leute immer jünger. Früher waren die alten Leute älter, finde ich. Manche meinen, das läge daran, dass die alten Leute von früher – also die Generation meiner Großeltern – den Krieg miterlebt hätten und dass dies entsprechende Spuren hinterlassen hat. 

Als ich vorgestern Abend zu Bett ging, las ich in einem meiner alten Tagebücher und schlug „zufällig“ folgende Seite auf:

Montag, 16. Februar 1998, 10.00 Uhr

„Heute ist mein Geburtstag und ich habe das Gefühl, neu geboren worden zu sein!
Als hätte ein neues, wunderschön werdendes Leben begonnen.“

 

Damals feierte ich meinen 28. Geburtstag. Und in der Tat hat mit 28 Jahren eine neue Zeitrechnung für mich begonnen. Ich hatte mich kurz zuvor nach fast zehn Jahren Beziehung von meiner Jugendliebe getrennt und damit einen Traum begraben, den ich seit meinem zehnten Lebensjahr geträumt hatte. Am 16. Februar 1998 bezog ich meine neue Wohnung und genoss mein neues Leben und meine Freiheit in vollen Zügen. Die neue Freiheit hatte allerdings ihren Preis.

Denn nachdem ich das sichere Gerüst “Beziehung” verlassen hatte, brach kurz darauf ein altes, bis dahin vollkommen verdrängtes Trauma in mir auf und brachte mein ganzes bis dahin gültiges Weltbild von jetzt auf gleich zum Einsturz. Zeitgleich ging mein damaliger Chef in Rente, ein neuer Chef kam und ein fast drei Jahre dauerndes Martyrium subtilen Mobbings begann. 

Zaubergesang in der Unterwasserwelt

Im Sommer 2000 hatte ich die seltene Gelegenheit, bei einem Gomeraurlaub mit Delfinen im Wasser sein zu dürfen. Eine Begegnung, die weitere, tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen würde. Der Moment, als ich mit den Tieren im Wasser war, hat sich tief in meine Seele eingeprägt. Es war, als hätte die Zeit still gestanden. Wir waren ziemlich weit hinaus auf’s Meer gefahren und trafen auf eine Schule von Delfinen, die offensichtlich gut gelaunt und zum Spielen bereit waren. Nach und nach durfte ein Gast nach dem anderen (wir waren ingesamt zu acht auf dem Boot) zu den Tieren ins Wasser. Als ich – als Letzte – endlich an der Reihe war, verschwanden die Tiere plötzlich. Ich fand das zwar schade, aber nicht weiter tragisch und nahm es als Schicksal gegeben hin. Wir waren schon wieder auf dem Weg Richtung Heimathafen, als unser Kapitän Bernd plötzlich inne hielt, mich ansah und sagte: Melanie, das geht nicht! Das kann nicht sein, dass du nicht mit ihnen im Wasser warst. Wir fahren ihnen hinterher”. 

Dann fuhren wir ein Stück Richtung Norden und plötzlich tauchten sie wieder auf. Ich zog mir Taucherbrille und Schnorchel auf und ließ mich zu den Delfinen ins Wasser gleiten….
Ich habe diesen Moment so in Erinnerung, als hätte er in einem Paralleluniversum stattgefunden und sei dort – fern von Raum und Zeit – wie ein bewegtes, mehrdimensionales Hologramm,  hineingraviert.
Ich war in einer anderen Welt. Ich hörte die Delfine fiepen, was sie – wie mir Bernd später sagte – nur selten tun, wenn Menschen mit ihnen im Wasser sind. Wie eine Wand schwammen sie vor mir synchron in wunderschönen, harmonischen Linien. Und dann geschah das, was ich mir bis heute nicht erklären kann: Ich hörte die schönste Musik, die ich je in meinem Leben gehört hatte. Klassische Musik von einer Schönheit und Perfektion, wie ich sie auf Erden noch nicht gehört habe. Unter Wasser.

Zwei Jahre später hörte ich diese Musik wieder, als ich alleine auf Gomera wanderte und an einem Ort Rast machte, den ich seitdem „Heiliger Ort der Stille“ nenne.

Ausgebrannt

Man sagt, dass solche Delfinbegegnungen das Leben eines Menschen radikal verändern. Ich kann das bestätigen. Kurz darauf brach mein gesamtes bisheriges Leben, brach ICH, erneut komplett zusammen. Das verdrängte Trauma und seine Bewältigung, das Mobbing durch meinen Chef – all das war so viel geworden, dass es mich komplett verbrannt hat. Burnout. Tunnelblick. Und kein Licht mehr am Horizont. Ein solcher Burnout ist ein schleichender Prozess, den man – wenn man selbst darin steckt – kaum objektiv als solchen bewerten kann und deshalb auch nicht bemerkt. Durch den damit verbundenen sozialen Rückzug bekommt ihn auch das Umfeld kaum mit. Als ich irgendwann keinerlei Kraft mehr für den täglichen Überlebenskampf hatte, beschloss ich, meinem Leben ein Ende zu setzen. Am 8. November 2000 sollte es soweit sein. Zwei  Tage vorher befahl mich mein Schutzengel zu meinem Hausarzt. Auch dieser Moment, als ich wie ferngesteuert zum Telefonhörer griff, meinen Arzt anrief und um einen Nottermin bat, hat sich tief und unauslöschlich in mir eingeprägt. Um 19.00 Uhr hatte ich meinen Nottermin und erzählte meinem Arzt von meinen Absichten. Er hörte mir  anderthalb Stunden lang aufmerksam zu, schrieb mich krank und organisierte gemeinsam mit der Sachbearbeiterin meiner Krankenkasse alles, damit ich so schnell wie möglich zur Kur kam. Neben meinem Schutzengel hatte ich also auch noch zwei Menschengel an meiner Seite….

Nach fast einem Jahr Arbeitsunfähigkeit begann ich – im Alter von 30 Jahren – zu studieren und geriet – auch wegen meines Alters und meiner Berufserfahrung – noch während des Studiums in meine ersten Jobs als Trainer und Consultant, später auch als Coach.

Leben heißt: lebendig sein

16. Februar 1998 – Das ist nun neunzehn Jahre her. Neunzehn Jahre! Wo seid ihr geblieben?, frage ich mich auf der einen Seite. Wie schnell ist die Zeit von dannen gerast? Und dann schaue ich, was alles in dieser Zeit passiert ist, wie intensiv diese neunzehn Jahre waren, wie viel Leben ich getrunken, wie sehr ich gelebt und gekostet habe von dem, was Leben bedeutet. Durch wie viel Schmerz ich auch gegangen bin und wie sehr mich dieser Schmerz transformiert hat. Wie sehr sich dieses Leben in den letzten neunzehn Jahren  immer wieder – teils radikal – verändert hat. Da scheinen neunzehn Jahre auf einmal gar nicht mehr viel, für so viel Leben, das in ihnen steckt.

Und ich stelle fest: Letztlich sind es die Momente, in denen ich intensiv gelebt und gefühlt habe, die mir in Erinnerung bleiben und die meine Jahre mit Leben und Lebendigkeit füllen.

Nicht, dass diese Erkenntnis neu wäre. Aber mir ist auch bewusst geworden, wie sehr ich mich in der letzten Zeit von der Technik, von dem Medium Internet und von den Social Media habe einfangen und einlullen und von der Lebendigkeit des Lebens habe wegbringen lassen. Ich habe wundervolle Menschen über dieses Medium kennen gelernt und bin dafür sehr dankbar. 

Virtuelle Realitäten?

Die Medaille hat aber auch noch eine andere Seite. In der letzten Zeit beobachte ich Entwicklungen, die mir Sorge und Unwohlsein bereiten. Eine zunehmende Lieblosigkeit und Verrohung und regelrechte, in der virtuellen Öffentlichkeit ausgetragene Kleinkriege, bei denen Menschen denunziert und an den Pranger gestellt werden. Menschen, die „eigentlich“ Kollegen von mir sind, die sich zur Aufgabe gemacht haben, anderen Menschen zu deren innerem und äußerem Wachstum zu verhelfen und die sich in einer menschenverachtenden, beinahe hasserfüllten Art und Weise gegenüber anders Denkenden äußern, dass es mich schaudert.
Menschen, die politisch gut informiert sind und sich für den Frieden aussprechen und in ihrer eigenen, kleinen virtuellen Welt mit brutal verletzenden Waffen agieren.
Menschen, die ihre intellektuelle Bildung derart aufbauschen und in den Vordergrund stellen, dass man annehmen möchte, sie wollten damit nur davon ablenken, dass es ihnen offenbar an der viel notwendigeren Weisheit des Herzens mangelt.

Sprache ist Energie

Auch, wenn es nur virtuell ist – auch diese Form von Kommunikation in den Social Media ist ein Energieträger. Gefühlsenergie, die aus uns heraus fließt, hin zum anderen, in die sie dann einfließt und ihn entsprechend „be-einflusst“. Je nachdem, welchen Satz, welche Information wir lesen, erzeugt das durch unsere subjektive Interpretation entsprechende Emotionen bei uns. Und umgekehrt! Auch, wenn wir vor Maschinen sitzen und die Informationen, die wir dort lesen, eindimensional sind, so sind wir, als Empfänger dieser Informationen, doch immer noch mehrdimensionale, fühlende Wesen. Und nehmen die Information und ihre Energie, die wir empfangen, in uns auf. Und senden sie wieder aus.

Die Bedeutung der Notwendigkeit eines maximal sorgsamen Umgangs mit unserer Sprache wird mir  – auch durch diese Beobachtungen – immer mehr bewusst. Wenn ich bedenke, wie differenziert ich mit meinen nächsten Menschen, die mir gegenüber sitzen, kommuniziere, wie sehr wir nachfragen, wenn wir meinen, etwas nicht richtig verstanden zu haben. Manchmal braucht es drei Anläufe, bis ein kleines Missverständnis aufgeklärt oder eine pauschale Formulierung so detailliert dargestellt wurde, dass der Empfänger sie so versteht, wie der Sender sie gemeint hat. Wie gesagt: mit den nächsten Menschen, vis à vis. Und wenn die Missverständnisse geklärt sind, entsteht wieder Nähe. Wirkliche, mehrdimensionale Nähe. 

Und dann bist du wieder auf Facebook und siehst ein menschenverachtendes Dreisatz-Dogma nach dem anderen. Wer so und so ist, wer dies und jenes meint, ist ein Arschloch. Wie früher, in der Grundschule. Nur viel, viel gefährlicher.

Aus und in Liebe

Bin ich abgeschweift? Nein. Es ging um meinen gestrigen Geburtstag und um den 16. Februar vor 19 Jahren, als mein neues Leben begann. In neunzehn Jahren bin ich sechsundsechzig, so Gott will. Bis dahin möchte ich dieses Leben mit so vielen schönen, intensiv gelebten Momenten füllen, wie es nur geht. Mit Menschen, die ich liebe, mit Menschen, die mich lieben. Dieses Leben leben, das ich liebe. Ein Leben, in dem die Liebe fließt. Mit Menschen, aus deren Herzen die Liebe fließt. 

Mir begegnen immer mehr davon. Und wer weiß, vielleicht können wir es mit all unserer Liebe sogar schaffen, das ein oder andere kalte Herz zu erwärmen und die Lieblosigkeit auf dieser Welt ein wenig weniger werden zu lassen…..

Gestern – an meinem Geburtstag – hatte ich ein wundervolles, mehrstündiges, intensives Outdoorcoaching am Meer mit einer Frau, deren Geschichte mich unglaublich fasziniert hat. Sie ist über die Empfehlung einer Bekannten zu mir gekommen. Meine gestrige Anvertraute meinte, dass sie meinen Blogpost „Wasser ist stärker als Stein“ gelesen hätte und da sei ihr klar gewesen, dass sie mich unbedingt treffen wollte, wir hätten dieselbe Vision, nämlich die, mit unserer Liebe diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.
Dieser wundervollen Frau und meinen Engeln, den Mensch gewordenen und den vielleicht einmal Mensch gewesenen, widme ich diesen Blogpost und schließe – noch einmal, weil es wichtig ist – mit Hesse:

 

Weich ist stärker als hart.
Wasser ist stärker als Stein.
Liebe ist stärker als Gewalt.

 

Auf die Liebe, ihr Lieben!

 

PS: Melde dich, wenn du meine Begleitung wünschst….. Unter dem Menüpunkt „about“ kannst du lesen, was andere über mich und meine Arbeit sagen.
Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, freue ich mich sehr über deinen Kommentar.

Raus aus der Schublade!

Warum der reichste Ort der Welt so schnell wie möglich verarmen sollte

Ich habe es getan. Ich habe meine Schubladen geöffnet und das ewige „Ach nee…Jetzt nicht!“ mal eben in ein anderes Universum gebeamt! Und hey: Fühlt sich saumäßig gut an!

Und das kam so: Neulich sah ich zufällig den Vortrag „Mach es einfach!“ von Thaddaeus Koroma bei GEDANKENtanken. Übrigens: Ich liebe dieses Format! Kurze, knackige Vorträge, prall gefüllt mit Inhalt.

In besagtem Vortrag geht es um den reichsten Ort der Welt. Nachdem ich also den Vortrag geschaut hatte, habe ich kurzum beschlossen, dem reichsten Ort der Welt auf gar keinen Fall zu weiterem Reichtum zu verhelfen! Klingt abstrus? Dann schau’ dir den Vortrag an und du weißt, was ich meine. Es lohnt sich! Echt! Mach es einfach!

Jedenfalls habe ich jetzt ENDLICH angefangen, das zu tun, was ich schon immer tun wollte: Nämlich meine gesamten literarischen „Werke“ zu veröffentlichen. Seit Jahren liegen sie in irgendwelchen Ordnern, Notizbüchern und Schubladen rum und werden älter und älter. Oder auf versteckten Internetseiten, die man nur findet, wenn man den Hyperlink kennt, was auf genau eine Person in diesem Universum zutrifft und zwar auf mich.

… und Tschüß!

Überhaupt habe ich entschieden, meinem ganz persönlichen und recht gemütlich gewordenem Schubladenschrank „Adieu“ zu sagen und ihn auf den Müll zu stellen. Es ist nämlich so: mein Leben lang habe ich versucht, eine Schublade zu finden, in die ich hineinpasse. Vergeblich.

Das fing vor vielen Jahren schon damit an, dass ich dachte, es könne ja nicht sein, dass einer Lyrik UND Satire gleichzeitig schreibt. Dass das sehr wohl sein kann und ich das beste Beispiel dafür bin, habe ich ganz elegant übersehen.

Ich erinnere mich noch sehr genau, als ich seinerzeit anfing, als Trainer und Coach zu arbeiten und mein Auftraggeber – ein Unternehmen von nennenswerter internationaler Größe – durch Zufall auf meine damalige Satire-Webseite gelangte. Die gesamte Belegschaft meiner auftragegebenden Abteilung versüßte sich damit fortan lachender Weise die Mittagspausen.

Als mein damaliger Mentor mich darauf ansprach, wäre ich vor lauter Scham am liebsten im Erdboden versunken, denn es geht in meinen Glossen teilweise recht „zünftig“ zu.

Und was sagte mein Mentor? „Frau Kaltenbach! Bleiben Sie auf jeden Fall dabei! Das ist ein riesiges Pfund!”

Erst sehr viel später habe ich verstanden, was er damit meinte:
Ein sensibler Umgang mit dem Instrument “Sprache” ist (nicht nur) für meine Berufsgruppe ungemein wichtig.

Und so schrieb ich zwar lustig weiter, vergass aber im Trubel meines Lebens völlig, dass meine literarischen Ergüsse vielleicht auch den ein oder anderen Erdenbürger erfreuen könnten. Wie ignorant.

Zippin’ up my boots…

Bis jetzt! Und so gibt es nun meine ersten beiden Kindle-Bücher bei amazon.

Gemäß dem Motto „Back to my roots“ sind die ersten beiden Bücher natürlich – na!? –  ein Gedichtband und eine Satire-Sammlung. Ätsch! “Ferne Gesänge” ist der Titel des Gedichtbandes, “Kännchen servieren wir nur auf der Terrasse” passte als Titel hervorragend zu den satirischen Glossen.

Demnächst folgen weitere ehemalige Schubladen-Bewohner sowie einige Neukreationen, die gar nicht vorhaben, jemals in eine Schublade zu ziehen. Darunter wieder Lyrik und Satire sowie diverse Ratgeber für Manager und gescheiterte Super-Muttis (ist ja fast dasselbe). Und ein Märchen.

Ziemlich kunterbunt, ich weiß. Aber hey: ich hab’s wirklich mit langweilig versucht. Tut’s nicht.

So! Und jetzt zu Dir!

WAS hast DU in all deinen Schubladen versteckt?
Welche SCHÄTZE hältst DU noch vor der Welt verborgen?
Welche Kreationen hast Du jetzt schon, die du der Welt schon immer mal ZEIGEN wolltest und dich aber bislang nicht getraut hast?
Bilder? Songs? Kunstwerke? Selbst designte Klamotten? Gedichte? Cartoons? Märchen? Romane? Meinungen? Ideen? Rekorde? Erfindungen? In Platin gegossene und zu Schlüsselanhängern verarbeitete Wombat-Popel?

Raus damit!

Hast auch DU bislang KEINE Schublade für dich finden können, in die du passt? Egal, in welche du steigst, entweder war sie zu eng,  zu kleinkariert, zu bunt, zu verstaubt, zu tief, zu irgendwas?

WILLKOMMEN IM CLUB! und:

Wirf  dieses bremsende Möbel endlich aus deinem Leben und stell’ es auf den Müll! Und keine Sorge: Es ist sehr wahrscheinlich,  dass sich dein Schrank dort schon bald in bester Gesellschaft mit seinesgleichen befindet.
Einer steht ja schließlich schon da: meiner.

Um mit den Worten von Thaddaeus Korona abzuschließen:

MACH ES EINFACH!

Mit sonnigen Grüßen

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Warum wir nach den Sternen greifen und uns für die Wahrheit entscheiden sollten

“Greift nach den Sternen auch, wenn andere sie nicht sehen können!”

So die Worte von Hubertus Massong. Einem, der es wissen muss!
Zufällig stieß ich gestern bei youtube auf seinen Vortrag “Greif nach den Sternen” bei GEDANKENtanken.

Ich bin immer noch zutiefst beeindruckt.

Worum geht’s?

 

1. Es ist richtig und wichtig, sich für die Wahrheit zu entscheiden

Da steht dieser junge Mann da oben auf der Bühne und breitet gleich zu Beginn seines Vortrags vor wildfremden Menschen seine Kindheitserfahrungen aus. Eine Kindheit, die von unvorstellbarer Gewalt und Grausamkeit geprägt war.
Buff. Da hat es aber erst einmal allen die Sprache verschlagen. Allen, außer Hubertus, versteht sich.
Abgesehen von der Schilderung der Grausamkeiten stellt sich natürlich auch die Frage, ob man in einem öffentlichen Kontext derart intime Details aus seinem Privatleben überhaupt nennen darf. Kommt ja eher selten bis nie vor.

Genau HIER setzt Hubertus für mich DEN MEILENSTEIN eines PARADIGMENWECHSELS, den unsere Gesellschaft dringend braucht, wenn sie endlich gesunden will, was sie unbedingt tun sollte, wenn wir unseren Kindern und allen, die nach uns kommen, eine Zukunft ermöglichen wollen.

Mal im Ernst: Ich kenne weder privat noch beruflich keinen einzigen Menschen, der nicht irgendeine große alte Verletzung tief in seiner Seele mit sich trüge. Bei dem einen ist sie mehr verarbeitet, bei dem anderen weniger. Der eine weiß darum, der andere wiederum hat sie vollkommen verdrängt, weil sie zu schmerzhaft war.

Warum aber tun die allermeisten von uns, vor allem im beruflichen Kontext so, als seien sie unverwundet und unverwundbar? Wenn es in unserer Welt an Menschlichkeit fehlt, warum zeigen wir uns dann nicht viel mehr als die Menschen, die wir wirklich sind? Mit allen Verletzungen, Verletzlichkeiten, Ecken und Kanten, die uns erst zu dem machen, der wir sind!
Genau das ist es doch, dass uns einander nahe bringt! Vertrauen schafft Nähe und Nähe schafft Vertrauen.

Was ist es, dass uns davon abhält, es so zu tun, wie Hubertus?
Ganz einfach: Weil wir Angst haben! Angst davor, dass einer sieht, dass wir mal so “schwach” waren, dass man uns derart verletzten konnte.

Die Frage sei gestattet: JA UND!?!?

 

Und damit kommen wir zum nächsten Punkt:

2. Ein “Opfer seiner Umstände” zu sein, ist offensichtlich eine Entscheidung, die man treffen kann oder nicht

Hubertus hat erst einmal so reagiert, wie man es aufgrund seiner Herkunftsgeschichte nicht anders erwarten würde:
Drogen, Alkohol, Delinquenz.

Acht Jahre später aber begegnet er auf einer Party zufällig jenem Mann, der sein Leben komplett verändern wird.
Einzig und allein aus dem Grund, dass dieser Mensch in Hubertus offensichtlich etwas sah, das Positiv war.
Zum ersten Mal in seinem Leben erkannte ein Mensch, dass da noch etwas anderes in ihm steckte als nur das Problemkind und der Asi.

Und dann hat Hubertus einfach eine Entscheidung nach der anderen getroffen und ist vom Opfer zum Täter bezüglich der Gestaltung seines eigenen Lebens geworden: Realschulabschluss, Fachabi, Studium, eigene Firmengründung und jetzt Marketingmensch bei GEDANKENtanken.

CHAPEAU!

Die erste und wichtigste Entscheidung jedoch, die Hubertus getroffen hat war, diesem Menschen, der mehr in ihm sah als alle anderen davor, zu glauben!

Noch mal: CHAPEAU!

 

3. Greif nach den Sternen auch, wenn andere sie nicht sehen können

Nun könnte man meinen, dass ja – wenn man erst einmal die richtigen Entscheidungen für sich getroffen hat – alles auf einmal ganz einfach wird und einem die guten Zufälle nur so die Tür einrennen. Naja, die richtigen Entscheidungen zu fällen ist das eine. Das Umfeld, in dem man trotz der getroffenen Entscheidungen immer noch lebt, das andere.

So auch im Falle von Hubertus Massong. Es war dann doch nicht ganz so einfach, wie es sich vielleicht liest.
Aber genau daraus ist der obige Satz entstanden, den ich so so so großartig finde:

Greif nach den Sternen auch, wenn andere sie nicht sehen können!

Es sind DEINE Sterne. Mach Deine Existenz nicht davon abhängig, ob andere Dich oder Deine Ziele verstehen und Deine Visionen teilen können. Natürlich ist das schön, wenn man solche Menschen um sich hat. Aber nicht immer ist das der Fall.
Und dennoch oder gerade dann ist es wichtig, dass Du DEINE Sterne NIE aus den Augen verlierst und dafür lebst!

FAZIT?

Wer sich für die Wahrheit entscheidet, bringt sein inneres Licht – auch für andere – sichtbar zum Leuchten und wird dadurch selbst zu einem leuchtenden Stern!

Für mich IST Hubertus solch ein leuchtender Stern an einem Himmel, der aufgrund des aktuellen Weltgeschehens nicht sonderlich rosig erscheint. Ich hoffe sehr, dass wir noch viel von diesem beeindruckenden Menschen hören werden, bin mir da aber ziemlich sicher…

 

Mit sonnigen Grüßen

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Ist Dankbarkeit der Schlüssel zum Glück?

“Dankbarkeit ist der Himmel selber.” William Blake

Abends, wenn ich zu Bett gehe, besinne ich mich gerne auf das, was mein Leben ausmacht.

Meist beginne ich damit, dass ich mir bewusst mache, dass all meine Lieben gesund sind. Das ist nicht selbstverständlich. Und deshalb bin ich dem Leben dankbar.

Weiter geht es damit, dass mein Mann, meine Kinder und ich gemeinsam als Familie leben und viel Freude miteinander haben. Auch das ist nicht selbstverständlich. Also: Danke, Leben!

Dass wir alle ein Bett und ein Dach über dem Kopf haben, genügend zu essen, dass wir in Freiheit leben und in einem Land, in dem Frieden ist – auch das ist bei Weitem nicht selbstverständlich. Danke!

Dann überlege ich noch, welches meine Highlights des Tages waren. Das kann ein gemaltes Bild oder ein Lachen meiner Kinder gewesen sein, ein gemeinsam gesungenes Liedchen, ein leckeres Essen, ein erfrischendes Bad im Meer, eine schöne Begegnung mit einem Freund oder dass ich einem fremden Menschen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert habe.

Und dann, wenn mein abendliches Dankbarkeits-Körbchen so richtig voll ist – und das ist es eigentlich immer – dann werden meine persönlichen Sonderwünsche auf einmal ziemlich klein und eigentlich unbedeutend.

Ich bin überzeugt, dass Dankbarkeit in unserer leistungs- und konsumorientierten Welt ein wichtiger Schlüssel zu Zufriedenheit und Glück ist. Probier es doch einfach mal aus! Und lass mich gerne wissen, wie es Dir damit geht.

Ich freue mich auf Deine Geschichte!

Mit sonnigen Grüßen

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