Wachkoma. Oder: Lebst du noch oder bist du schon tot?

Als ich studierte, besuchte ich als Ehrenamtlerin mehrmals pro Woche zwei Frauen auf der Langzeit-Intensivpflege-Station eines Pflegeheimes. Beide Frauen hatten die Diagnose “Appallisches Syndrom” – Wachkoma. Die eine lag seit zwei Jahren auf dieser Station, die andere seit elf Jahren. Beide bekamen so gut wie nie Besuch, außer von mir.

Dies ist keine schöne Geschichte, aber ich erzähle sie trotzdem, weil ich so viel von diesen beiden Frauen gelernt habe, weil es eine so unglaublich intensive Zeit war und weil ich glaube, dass es jetzt an der Zeit ist, uns dem Thema “Wachkoma” zuzuwenden, denn ich sehe unsere Gesellschaft zunehmend in eben diesem Zustand.

 

Zwischen Hierseits & Dortseits

Frau H. hatte einen Herzinfarkt gehabt, ihr Mann fand sie auf dem Küchenboden liegend. Sie war zu lange auf der anderen Seite gewesen, um nach der Reanimation wieder vollständig zurück zu kommen. Und genau so empfand ich sie: Mit anderthalb Beinen auf der anderen Seite, im Dortseits, wo auch immer das sein mochte. Sie war im ständigen Schlaf, wurde durch eine Magensonde ernährt und das einzige Lebenszeichen, das sie von sich gab, war das in einem bestimmten Rhythmus wieder kehrende Röcheln aus ihrem Luftröhrenschnitt. 

Sandra hatte Anorexie gehabt und war aufgrund ihrer Unterernährung vor zwei Jahren zusammengebrochen. Auch sie hatte dem Dortseits einen kurzen Besuch abgestattet. Zu kurz, um wirklich im Dauerschlaf zu verweilen, zu lang, um wieder ganz und gar im Hierseits anzukommen. Ach Gott, was erzähle ich hier …. Muss das sein? Ja, es muss!

Ich verstand damals nicht, dass diese beiden Frauen ein und dieselbe Diagnose hatten, wo sie doch so vollkommen unterschiedlich waren. Während Frau H. ständig mit geschlossenen Augen und regungslos in ihrem Bett lag, war Sandra in der Lage, über ihre Augen mit mir zu kommunizieren. Einmal trat ich versehentlich gegen die Halterung für ihre Sondennahrung, was ein kleines, helles Klingeln verursachte. Da war sie auf einmal so wach und ich sah die pure Freude in ihren Augen und mit ihrem klaren Blick befahl sie mir, das wieder und wieder zu tun, weil ihr das helle Klingeln so gefiel. 

Sandras Augen erzählten mir vieles, was zu sagen ihr Mund nicht mehr imstande war. Ich las in ihren Augen Freude, Neugierde, Angst, Trauer und Resignation. Um ihre Geschichten zu verstehen, versuchte ich damals sogar,  telepathisch mit ihr zu kommunizieren. Dazu musste ich mich sehr konzentrieren, was mir aber nicht wirklich gelang, weil ich spätestens nach vier Minuten durch das Röcheln von Frau H. wieder aus meiner Konzentration gerissen wurde…

 

Über alle bisherigen Grenzen hinaus

Diese beiden Frauen und die gemeinsame Zeit mit ihnen haben mich an meinen Rand gebracht, in mehrfacher Hinsicht. Zum ersten Mal in meinem Leben beschäftigte ich mich intensiv mit dem Thema Tod und Sterben. Ich sprach zum allerersten Mal ganz offen und schonungslos mit meiner Familie über das Thema, über meinen letzten Willen und verfasste eine Patientenverfügung. Ich wollte und will auf gar keinen Fall so enden, wie Frau H. und Sandra und ich wollte und will auch nicht, dass jemand aus meiner Familie so endet oder auch nicht endet. Das offene Besprechen von Tod und Sterben innerhalb meiner Familie empfanden wir zu unser aller Überraschung als unglaublich befreiend und berührend! Es hat uns einander näher gebracht.

Eine weitere Auswirkung war, dass ich das Leben viel intensiver genoss, als mir bewusst wurde, wie wertvoll es ist, da zu sein, wach zu sein, lebendig zu sein, frei zu sein, eine Wahl zu haben, entscheiden zu können, das Leben mit all meinen Sinnen in vollen Zügen und bewusst genießen zu können. Die vielen Möglichkeiten, die sich mir, als gesundem Menschen tagtäglich boten, wurden mir zum ersten Mal in meinem Leben voll und ganz bewusst und ich genoss alles, was ich Schönes erlebte, für die beiden mit! Ich glaube, ich habe nie zuvor in meinem Leben so intensiv gelebt, wie zu dieser Zeit. 

Und doch litt ich auch. Wegen Sandra, von der ich so sicher war, dass sie bei einer viel intensiveren Betreuung wieder voll ins Leben hätte zurück kommen können. Eine solche Betreuung wäre aber entsprechend kostspielig gewesen und über ihre Familie wusste ich nichts, es kam ja keiner mehr…

Aber die, die mich wirklich an den äußersten Rand meiner Grenzen brachte, war Frau H., die Dauerschläferin. Irgendwann erwischte ich mich dabei, dass ich mir ernsthaft Gedanken machte, wie ich Frau H. unauffällig ins Dortseits befördern und damit von ihrem Leiden erlösen könnte. Als ich immer öfter darüber nachdachte, war mir klar, dass eine Grenze erreicht war und ich mein Ehrenamt einstellen musste. Ich sprach mit der Verantwortlichen des Besuchsdienst und erzählte ihr von meinen Gedanken und auch, dass sie sich bitte darum kümmern möge, eine Supervision für die Ehrenamtler des Besuchsdiensts anzubieten. Die Sterbegleiter hatten das. Auf die hatte ich ohnehin schon eine Wut entwickelt, denn diese konnten ihre Schützlinge gehen lassen, wussten, dass diese erlöst waren. Meine Schützlinge hingegen vegetierten seit Jahren vor sich hin und es war keine Erlösung in Sicht.

 

Eine Gesellschaft im Wachkoma?

Dann war ich raus. Ich verabschiedete mich von Sandra und Frau H. und kam nie wieder. Das Ganze ist jetzt siebzehn Jahre her. Ich denke immer noch an die beiden. Ich weiß nicht, ob sie noch leben und wenn ja, wie es ihnen geht. Wann immer ich daran denke, dass sie möglicher Weise immer noch da liegen und mir bei diesem Gedanken kotzübel wird, atme ich ein, werde ich mir meines Vollbewusstseins bewusst, bin ich da, wo ich bin, bin ich wach und DANKBAR für dieses lebendige Leben!

Und ich denke an all die vielen Menschen, die immer unlebendiger werden. Die regungslos und wie ferngesteuert in ihre Smartphones schauen, anstatt einander in die Augen und im besten Falle in die Seele. Ich denke an das immer größer werdende Wachkoma in unserer Gesellschaft. So vieles, das uns eigentlich zutiefst berührend müsste und uns doch nicht mehr berührt. Wie sehr sind wir schon abgestumpft? Wie sehr sind wir unseres natürlichen Vollbewusstseins schon beraubt und entwickeln uns freiwillig immer mehr in Richtung Künstlicher Intelligenz?

So viel Hetze und Jagd nach Hype, nach Erfolg, nach Macht, nach Geld, nach Anerkennung. So viel Sehnsucht nach Lebendigsein und Erlösung von dem Zwang, etwas Besonderes sein zu müssen, um eine Existenzberechtigung zu haben in einer Welt des Dauerkonkurrenzkampfs. Und gleichzeitig so viel unnötige Hyperaktion, die jede Lebendigkeit und mögliche Erlösung im Keim erstickt. So viele Menschen, die meinen, ohne Unterlass busy zu sein, sei der Garant für Lebenserfolg und so viele Menschen, die anderen Menschen genau dies tagtäglich in kleinen, wirkungsvollen Dosen einflößen. So viel Lüge, so viel Image, das die wahre, unendlich schöne Natur des Menschen und des Lebens zu einer hässlichen Fratze verzerrt. So viel Opfermentalität in einer Welt voller Schöpferpotenzial.

 

Die nie tief geschlafen haben, werden am schnellsten wieder wach!

Aber es gibt ein paar, die offenbar nie wirklich tief geschlafen haben und tatsächlich wieder voll und ganz wach werden wollen. Hier bei mir auf der Insel zum Beispiel.

Menschen, die wirklich mutig sind. Die den Mut haben, sich in die Stille zu begeben, auch auf die Gefahr hin, dass sie dann ihrer eigenen inneren Stimme zuhören müssen, die ihnen zuweint, was da gerade so richtig, richtig falsch läuft, in diesem kleinen und doch einzigen Leben.

Menschen, die den Mut haben, sich von sich selbst enttäuschen zu lassen, um der inneren und ewigen Wahrheit willen.

Menschen, die den Mut haben, ihren Tränen freien Lauf zu lassen und ihrem Schmerz in Liebe und Würde zu begegnen.

Menschen, die wissen, dass es erst einmal wehtut, wenn man die Fesseln, die die Seele immer enger eingeschnürt haben, ablegt und dass die ersten Schritte in der Freiheit erst einmal mühsam und ungelenk sind, bevor sie immer leichter werden.

Wache Menschen, die sich an sich selbst und ihre Eigenmacht glauben, weil sie wissen, dass dieses Leben hier endlich ist und in vollen Zügen und mit allen Sinnen und Emotionen gelebt werden soll und darf!

Menschen, die sich die Erlaubnis erteilen, genau das zu tun: Leben!

Vollbewusstsein – die stärkste Kraft in der Neuen Zeit

Ich halte ein klares und starkes SelbstBewusstsein und damit einhergehend die Rückverbindung an die eigene Höchste Instanz, den Heiligen Gral der eigenen Weisheit, für die stärkste Kraft in der aktuellen und Neuen Zeit!

Weil ein vollbewusster Mensch, der mit seiner eigenen Höchsten Instanz in Kontakt ist, niemandem mehr glauben wird, als sich selbst. Weil ein solcher Mensch in der Lage ist, jede noch so schön verpackte Lüge als solche zu entlarven!

Weil bei einem solchen Menschen kein Guru, keine Ideologie und keine noch so tolle Super-Methode jemals wieder eine Chance haben. 

Weil ein solcher Mensch mit sich in Frieden ist und keine Kriege mehr gegen sich selbst führen wird.

Weil ein solcher Mensch frei ist. Und lebendig!

Auf die Freiheit und das Leben!

 

Melanie Kaltenbach

PS: Wenn auch für dich die Zeit des Erwachens gekommen ist und du von mir und der Insel auf sanfte Weise wachgeküsst werden möchtest, dann schreibe mir an fuerdich@melanie-kaltenbach.de

Über den heiligen Geist, die Jungfrau & die Macht der Liebe

Tief berührt sitze ich hier und versuche, in Worte zu fassen, was mich heute früh so tief berührt hat, dass ich es aufschreiben und teilen möchte.

Ich brachte eben meine Kinder zu den Ferienspielen und wir kamen auf dem Weg dorthin an dem Raum vorbei, in dem die Virgen die vergangene Nacht verbracht hat. Alle fünf Jahre findet in unserem Tal ein paar Wochen lang die größte aller Prozessionen statt, eine Art Wallfahrt, bei der die schönste und bedeutungsvollste Jungfrauen-Statue von allen – die Virgen de los Reyes – vom Obertal bis ins Untertal getragen wird. Die jeweilige Wegstrecke, auf der sie getragen wird, ist dabei reich und bunt mit Palmwedeln und Girlanden geschmückt. In jeder Nacht “schläft” die Virgen auf ihrem Weg durch das Tal an einem anderen Ort. Entweder in einer kleinen Kapelle oder Kirche oder aber in einer Garage, die man extra für diesen Anlass bereits Wochen vorher geputzt, gesäubert und hochfestlich geschmückt hat. 

So, wie das sonst leer stehende Ladenlokal in unserer Nachbarschaft, in dem sie die vergangene Nacht verbrachte. Die Wände des kleinen Raumes wurden extra für die Jungfrau mit weißen und lilafarbenen Tüchern geschmückt und alles ist reich mit goldenen Girlanden, Rosetten und edlen Blumenbouquets dekoriert. In der Mitte steht der kleine Altar und auf ihm die Virgen, mit ihrer leuchtend strahlenden Goldkrone und dem goldfarbenen Gewand. Der Segen der Virgen bedeutet den Menschen hier viel. Sehr viel. 

Nachtwache für die Jungfrau

Die Tür zum Raum war offen und es waren sechs Personen darin, die still und volle Andacht das Gewand der Jungfrau richteten. Auf einem Stuhl am Eingang saß eine junge Frau aus der Nachbarschaft und ich fragte sie, ob denn wohl jemand in der Nacht hier gewesen sei, um auf die Virgen aufzupassen. “Ja”, sagte sie, “wir haben alle die letzte Nacht hier verbracht und die Virgen bewacht”.

Ich blickte in diesen Raum hinein.  Er war so über und über erfüllt von einer Heiligkeit, Andacht, Wärme und Liebe, wie ich sie in noch keiner Kirche dieser Welt erlebt habe. Diese Liebe und Würde,  mit der meine Nachbarn um die Jungfrau standen, diese tiefe Ernsthaftigkeit und hundertprozentige Aufmerksamkeit für die Tätigkeit, das Gewand der Jungfrau zu richten, all das floss mir so unmittelbar und stark in mein Herz, dass mir die Tränen in die Augen schossen!

Und ich dachte:

Das ist es, was mit Heiliger Geist gemeint ist!

Und nein, das hat nichts mit der katholischen Kirche als solcher zu tun. Die Gomeros sind zwar meist katholisch und feiern auch die jeweiligen katholischen Feste, aber sie haben in all das ihre ganz eigene archaische Kultur mit einfließen lassen! Das ist jedes Mal deutlich spürbar, wenn bei den Prozessionen der wilde Rhythmus der Chácaras und Tambores erklingt! Der mich ebenfalls immer zum weinen bringt, weil er etwas Uraltes in meinen tiefsten Tiefen berührt.  Ich habe das immer bewundert,  dass die Einheimischen sich das so stark bewahrt haben.

Auf dem Nachhauseweg dachte ich über die Verbindung der Jungfrau mit dem Heiligen Geist nach und dem Bild der unbefleckten Empfängnis, das die Kirche uns seit jeher vermittelt. Überhaupt denke ich in letzter Zeit verstärkt über das nach, was die katholische Kirche vermittelt und wie viele Wahrheiten sie mittels kleinster Satzänderungen zu Lügen verdreht hat. Zum Beispiel das Gebot “Du sollst nicht lügen”, was eigentlich heißt “Du sollst die Wahrheit sagen”, was ein himmelweiter (sic!) Unterschied ist!

Vor ein paar Monaten bekam ich aus der Geistigen Welt folgenden Satz  übermittelt:

“Das weibliche Prinzip ist: Empfangen und gebären”. 

Für mich als medialer Mensch war das eine sehr wichtige Information, denn bislang habe ich zwar eifrig empfangen, was ich aus der Geistigen Welt an Informationen bekam, diese Informationen aber nie weiter gegeben, sondern für  mich behalten. Seit ich die obige Information erhielt, habe ich begonnen, die Botschaften auch weiter zu geben. Das hat  mich zu Beginn sehr viel Überwindung gekostet, aber ich hatte ein paar sehr liebe Seelen an meiner Seite, die mich unterstützt und ermutigt haben.

Seit ich meine Aufgabe als Medium anerkannt habe, werde ich zudem reichlich getestet und geschult und ich habe festgestellt, dass – wann immer sich mein Ego einmischt – die Informationen von mir selbst “gefärbt” sind, was ihre Reinheit beeinflusst und damit ihre Wirkung einschränkt.

Vielleicht ist es das, für das die Jungfrau Maria als Sinnbild steht? Für die Reinheit im Akt des Empfangens? 
Es dürfte selbst dem frommsten Menschen klar sein, dass Maria und Josef Sex hatten, aus welchem Jesus als Kind der Liebe hervor ging.

Die Mär von der unbefleckten Empfängnis

Überhaupt ist Sexualität etwas, das erst von der Kirche als “sündhaft” und “schmutzig” deklariert wurde. Man denke nur an die Absurdität des Zölibats, welches meiner Meinung nach nichts anderes ist, als die Unterdrückung unserer reinsten Urkraft.

Der Akt der Verschmelzung zweier liebender Menschen ist ein hochtransformierender Akt, die Meisterklasse der Alchemie, aus dem neues Leben entstehen kann. Die Verschmelzung zweier Liebender ist pure Liebesmagie und von einer Kraft und Macht, die ich erst nach und nach zu verstehen beginne, weswegen mir auch immer deutlicher wird, warum die Kirche diese Macht so massiv unterdrückt, dass sie sogar zu der Mär der unbefleckten Empfängnis Mariens greift! 

Und da bin ich nun in einem Dilemma. Denn ich habe der Katholischen Kirche viel zu verdanken, im Grunde genommen hat mein eigener spiritueller Weg Dank der Katholischen Kirche überhaupt erst begonnen. Und zwar, als ich im Alter von gerade mal drei Jahren mit meiner Omi in die Morgenmesse ging. Für mich war es das Fest des Tages, wir besuchten Gott in seinem Haus! Ich liebte das und ich liebte die Kirchengebäude und ihren Geruch und Spirit.

Und ich fühlte mich zutiefst verbunden mit den Verstorbenen unserer Familie, mit den Heiligen, mit Jesus, Maria und auch mit Gott. Für mich war das alles selbstverständlich, ich stellte meine Überzeugung von der Existenz Gottes nie infrage, obwohl mein Vater Atheist war und keinen Hehl daraus machte. Als ich im Alter von etwa 13 Jahren in einer Zeitschrift zum ersten Mal eine Dokumentation über die Pracht des Vatikans sah, überkamen mich erste Zweifel an der Echtheit der Katholischen Kirche in Bezug auf die Botschaft Jesu Christi. Anfang Zwanzig trat ich aus der katholischen Kirche aus, was mein Vater schon Anfang der Siebziger getan hatte. Aber meine Überzeugung blieb und ich mag Kirchen nach wie vor.

Dabei wäre es so einfach, mein Dilemma zu lösen: Ich mache es, wie meine Gastgeber, die Gomeros, es machen. Ich bewahre mir meins und bette es ein in das andere. Verschmelzung halt.

Im Hohelied der Liebe in Paulus’ Brief an die Korinther steht u.a.:

Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind.
Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war.
Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse,
dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht.
Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich durch und durch erkennen,
so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.
Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;
doch am größten unter ihnen ist die Liebe.”

Heute Morgen, als ich die sechs Menschen aus meiner Nachbarschaft in diesem kleinen Raum bei ihrer andächtigen Tätigkeit beobachtete, da spürte ich diese Liebe. Der ganze Raum war erfüllt von der Liebe dieser Menschen zu ihrer heiligen Jungfrau. Und diese Liebe war so stark und so groß, dass sie mein Herz ergriff und mich zu fragen schien:
Fühlst du die Wahrheit, die in all dem liegt?

Heute nachmittag um 16.30 Uhr findet in dem kleinen Raum eine Messe statt. Anschließend geht die Prozession und wird unsere Virgen wieder durch bunt und liebevoll geschmückte Straßen und zum Rhythmus der Chácaras und Tambores zu ihrer nächsten Station gebracht, wo sie unter der Obhut der Dorfbewohner die heutige Nacht verbringen und ihren Segen verbreiten wird.

Heute werde ich mitgehen.

In Liebe!

Melanie

 

PS: Das Foto ist von meiner lieben Freundin Jessica Trieb, die sowieso ganz wundervolle Fotos macht! Zu finden auf Facebook. Danke, liebe Jessi! 

10 Jahre Gomera. Oder: Das erste Mal

Heute vor zehn Jahren zog ich nach La Gomera. Mit einem Koffer und vier Umzugskartons. Mehr besaß ich nicht mehr, außer noch ein paar Akten und einer kleinen Kiste Erinnerungstücke, die ich im Keller meiner Mutter einlagerte. Wie es dazu kam, kannst du hier und hier nachlesen.

Als ich im September 2007 die Entscheidung fällte, mein Leben in Deutschland ganz aufzugeben und nach La Gomera zu ziehen, fühlte sich das ganz spontan an. So, als wenn in meinem Bewusstsein einfach ein Schalter umgelegt worden wäre. Die Entscheidung war zudem so kraftvoll, dass sie keinerlei Raum für Zweifel oder Alternativen ließ.

Der guten Ordnung halber sei aber auf jeden Fall zu erwähnen,, dass diese Entscheidung – so leicht sie mir letztlich fiel – gute dreizehn Jahre lang in mir gereift ist. Dreizehn wichtige Jahre, in denen ich ein paar ernsthafte Krisen zu überstehen hatte, aus denen ich anschließend umso stärker hervor ging. 

Immer wieder denke ich an die Umstände, die mich überhaupt nach La Gomera geführt haben. Die Story, wie ich zum ersten Mal hier gelandet bin, ist so abgefahren, dass ich sie heute – zur Feier des Tages – erzählen möchte. 

 

Es war im Sommer 1994, an einem Mittwoch.  Ich ging in das Reisebüro und sagte zum dortigen Mitarbeiter meines Vertrauens: “Herr Gudde, ich habe ab Samstag Urlaub und ich möchte irgendwo hin fliegen, wo auf jeden Fall die Sonne scheint!”. Herr Gudde antwortete: “Oh, das ist aber kurzfristig!” und nahm seinen Aktenordner mit den Last-Minute-Reisen zur Hand. Im selben Moment kam aus dem Faxgerät, das auf der Anrichte hinter Herrn Gudde stand, ein Blatt Papier. Herr Gudde drehte sich um, nahm es zur Hand und warf einen Blick auf das Fax. “Oh, so ein Zufall! Ganz frische Last-Minute-Flüge nach Faro, Ibiza und Teneriffa.”

Portugal war mir allein aufgrund der Sprache  fremd, Ibiza kam nicht infrage, weil ich mal gehört hatte, dass man dort ohne Auto aufgeschmissen ist. Da ich zu dieser Zeit unter einer Autofahrphobie litt, kam das also auch nicht infrage. Blieb noch Teneriffa und ja: Da ich im Frühjahr erst auf Cuba gewesen war, konnte ich ein bisschen Spanisch. Und auf die Kanaren wollte ich ohnehin schon immer mal. Also fiel die Entscheidung auf Teneriffa. 

“Und was ist mit einer Unterkunft?”, wollte ich von Herrn Gudde wissen.

“Ach, die brauchen sie gar nicht. Im Sommer ist auf den Kanaren Nebensaison, da finden Sie immer was vor Ort, das ist da üblich. Am Flughafen setzen sich sich einfach in den Bus und fahren nach Puerto de La Cruz. Das ist schön grün, das wird Ihnen gefallen!” So ist das mit Mitarbeitern des Vertrauens, sie kennen einen und wissen, was einem gefällt.

Ein Freund, ein Freibad und ein Fehlstart

Und so buchte ich also meinen Flug nach Teneriffa. Sonntags morgens um 06.00 Uhr sollte es ab Brüssel losgehen. Moment mal! Brüssel!? Ok, das waren von Aachen aus etwa 150 Kilometer, also doppelt so weit, wie Düsseldorf oder Köln. Egal, es würde sich schon jemand finden, der mich fährt.

So war es auch. Kurzerhand bot sich mein Freund Stefan an, mich in der Nacht von Samstag auf Sonntag nach Brüssel zu fahren. 

Ich mach’s kurz: Samstag nachmittag kam es im Freibad (ja, ich hatte schon damals die Ruhe weg) zu einem handfesten Streit zwischen Stefan und mir, der damit endete, dass ich sagte: “….und nach Brüssel brauchst du mich auch nicht fahren! Tschüss!”

Wutentbrannt spazierte ich nach Hause, meine Wäsche, die ich in meinen Urlaub mitnehmen wollte, war noch im Wäschetrockner, der Koffer lange nicht gepackt. Ich bin so, ich packe immer erst kurz vor Abflug. 

Vor lauter Wut genehmigte ich mir erst mal einen Mojito, schließlich hatte ich noch richtig guten Rum aus Cuba im Kühlschrank.

Kein Anschluss unter dieser Nummer: Das Schicksal nimmt an Fahrt auf

Und dann begann ich zu telefonieren. Mama, Oma, Tante, Onkel, beste Freundin I, beste Freundin II, nicht so beste Freundin…. keiner war zu erreichen! Handy gab es damals noch nicht. Also rief ich auch Papa an. Und siehe da: Papa war tatsächlich zu Hause, hatte sich aber leider auch schon den ein oder anderen Mojito gegönnt, weil er an diesem Tag etwas zu feiern hatte. Es war wie verhext, wobei ich im Nachhinein sagen muss, dass wir das “wie” in diesem Satz streichen können. 

Ich rief bei der Deutschen Bahn an. Es war mittlerweile etwa 18.00 Uhr, meine Wäsche immer noch im Keller. “Wann geht denn morgen ihr erster Zug nach Brüssel?”.

Antwort: Um 06.00 Uhr.

Ich: Shit! Und der letzte Zug heute Abend?

Antwort: Um 20.00 Uhr.

Ich glaube, ich habe noch nie so schnell meinen Koffer und alle notwendigen Unterlagen zusammen gepackt, wie in dieser Situation. Und boah, war ich sauer auf Stefan, schließlich hatte dieser Blödmann mir diesen ganzen Stress hier eingebrockt! Es ist in solchen Situationen so praktisch, einen Schuldigen zur Hand zu haben, oder!?

Um 19.30 Uhr rief ich ein Taxi und ließ mich zum Bahnhof bringen, kaufte mir schnell meine Fahrkarte nach Brüssel und fand das alles grad echt scheiße! Den Start in meinen wohl verdienten Sommerurlaub hatte ich mir echt anders vorgestellt! Und auf keinen Fall SO!

Ich ging auf das Bahngleis und während ich auf meinen Zug nach Brüssel wartete, fiel mir plötzlich ein, dass ich mein Lieblingskleid, also: MEIN ABSOLUTES LIEBLINGSKLEID!!! vergessen hatte. 

Meine Wut auf Stefan explodierte und wurde zu einem lodernden Osterfeuer!

Auf einmal ging ein Mann vor mir vorbei. Von rechts nach links. Ich habe dieses Bild in mir eingebrannt. Forever moment. 

Er war das genaue Gegenteil von mir. Nicht, weil er ein Mann war, sondern weil sein Gesichtsausdruck und überhaupt sein gesamter Habitus nichts anderes aussagte als: Boah, ist das Leben schön und easy! Ich bin happy!!

So viel Glückseligkeit bei einem anderen Menschen zu sehen, war für mich  in meinem Zustand kaum zu ertragen.

Der Zug kam, ich stieg ein und fuhr Richtung Brüssel. In Gedanken beschimpfte ich Stefan in einem nicht enden wollenden Monolog, der jeden, der sich für Tourette interessiert, total fasziniert hätte! 

Um 23.00 Uhr sollte ich am Flughafen ankommen, um 06.00 Uhr ging mein Flieger. Nicht nur, dass Stefan mir den Samstag Abend total verdorben und mir endlos Stress bereitet hatte und außerdem schuld war, dass ich MEIN ABSOLUTES LIEBLINGSKLEID (!!!) vergessen hatte, musste ich nun auch noch sieben lange Stunden mutterseelenallein auf diesem Flughafen totschlagen! Mein inneres Osterfeuer loderte vor sich hin.

Zum Kotzen glücklich: Mein Engel des Schicksals

Am Brüsseler Hauptbahnhof wollte ich in den Zug zum Flughafen umsteigen. Als ich gerade aus dem Zug stieg,  saß vor mir auf einer Bank der Typ vom Aachener Hauptbahnhof. Immer noch von Glückseligkeit durchtränkt. Er lächelte mir zu und wünschte mir einen schönen Urlaub. So eine Unverschämtheit! 

Und dann stieg er auch noch mit mir in den Zug zum Flughafen!

Und dann drängte er mir auch noch ein Gespräch auf!

Er (immer noch zum Kotzen gut gelaunt): Na? Wo geht’s denn hin?”.

Ich (nicht so freundlich): Teneriffa!

Er (begeistert): Oh cool, da fliege ich auch hin!

Ich (gelangweilt): Aha.

Er (penetrant interessiert): Und wann geht dein Flieger?

Ich (so kurz angebunden wie möglich): Um sechs.

Er (begeistert): Oh cool, meiner geht um zwanzig nach sechs. Das ist ja irre! 

Ich: Allerdings.

Er: Na, dann können wir ja zusammen die Nacht auf dem Flughafen verbringen! Ich bin hier öfter, ich fliege dieses Jahr zum dritten Mal von hier aus, ich kenn’ mich hier aus.

Obwohl ich annahm, dass er mich vielleicht abbaggern wollte, was ich wenig attraktiv fand, weil ich diesen Kerl mit seinen Dreadlocks und dem Hippielook einfach nicht sonderlich attraktiv fand, sah ich auch den pragmatischen Vorteil an dieser Idee: Ich musste die sieben Stunden nicht alleine verbringen.  

“Ja, gute Idee!”, sagte ich und so verbrachte ich die folgenden sieben Stunden mit einem mir bis dahin wildfremden Mann am Flughafen in Brüssel.

Brüssel, Proviant und Lindenstraße

Rainer! Rainer erzählte, das er nun schon zum dreizehnten Mal nach La Gomera fliegen würde. Dreizehn!? Gomera!?

Das kannte ich bis dahin nur aus der Lindenstraße, weil Tanja und Franz Schildknecht nach dem Tod von Henny und Maike immer davon erzählten, dass sie zur Olivenernte nach La Gomeeera fuhren und dabei immer so betont lässig und irgendwie hypnotisiert wirkten, wenn sie von La Gomeeera sprachen, was mir schon damals tierisch auf die Nerven ging!
Aber das, was Rainer erzählte, das klang nett. Coole Leute, Strand, Sonnenuntergang, schöne Natur (ob wohl Herr Gudde da heimlich was eingefädelt hatte?) und so weiter.
Und: Rainer war traurig. Denn beim letzten Mal war er mit Bine dort gewesen, und Bin war damals noch seine Freundin und jetzt seine Ex und deswegen sei ihm das Herz so schwer.
Ab diesem Moment war klar, dass Rainer mich nicht abbaggern wollte und ich konnte mich entspannen.
Nach etwa drei Stunden packten wir unseren Proviant aus, teilten unsere Butterbrote und unsere Süßigkeiten miteinander und Rainer erzählte von La Gomera und erzählte und erzählte und erzählte. All diese verrückten Geschichten. Und nicht ein einziges Mal erwähnte er das Wort „Olivenernte“.
Irgendwann wurden unsere Flüge aufgerufen. Meiner ging ja zwanzig Minuten früher als der von Rainer. Wir gingen gemeinsam zum Gate und auf einmal sagte Rainer: Melli, wenn du magst, dann komm doch einfach mit nach La Gomera. Ich bin mir sicher, dass es dir da gefallen wird. Gomera ist viel schöner, als Teneriffa.
Ich: Und wie wollen wir das machen? Wir haben ja unterschiedliche Flieger.
Rainer: Du, überhaupt kein Problem! Überhaupt schien für Rainer nichts ein Problem darzustellen! Wenn du deinen Koffer hast, gehst du aus dem Flughafengebäude raus, rechts lang und da steht dann eine kleine grüne Holzbank. Da setzt du dich hin und wenn ich gelandet bin, komme ich dich dort abholen. Du fliegst ja jetzt viereinhalb Stunden alleine, da kannst du dir das in Ruhe überlegen. Und wenn du da sitzt, dann freue ich mich. Und wenn nicht, wünsche  ich dir einen tollen Urlaub auf Teneriffa.

Und mit diesen Worten checkte ich ein und ging Rainer weiter zu dem Gate, an dem sein Flieger stand.

In the Air und ein Regenbogen über den Wolken

Das Flugzeug war irre groß. 4-6-4-Sitzreihen. Zu meiner Verwunderung war der Flieger höchstens zu einem Drittel gefüllt. Ich habe erst viele Jahre später begriffen, dass es sich um einen Jungfernflug handelte. Ausgerechnet.
Ich hatte die ganze Viererreihe für mich allein und breitete mich gemütlich aus.
Zu Hause hatte ich mir noch Kassetten für meinen Walkman aufgenommen und hörte nun meine Lieblingsmusik und dachte über all das nach, was Rainer mir über La Gomera erzählt hatte. Als aus meinen Kopfhörern gerade Air von Johann Sebastian Bach erklang, sah ich über den Wolken einen Regenbogen… Ich deutete dies als Zeichen einer wundervollen Zeit, die mich erwarten würde.

Auf Teneriffa angekommen wartete ich auf meinen Koffer und suchte die kleine grüne Bank, von der Rainer erzählt hatte. Ich fand sie sofort und setzte mich hin. Vor mir war gleich die Bushaltestelle und es stand der Bus nach Puerto de la Cruz zur Abfahrt bereit. In mir erklangen die Worte von Herrn Gudde: „Am Flughafen nehmen sie den Bus nach Puerto de La Cruz, da ist es schön grün, das wird ihnen gefallen.“
Ich überlegte einen Moment, ob ich eigentlich verrückt geworden war, auf einen wildfremden Mann zu warten und auf eine wildfremde Miniinsel zu fahren und spürte, wie meine Beine zuckten, so, als wollten sie aufstehen und zum Bus gehen.
Und dann schien es, als drückte etwas ganz sanft meine Beine nach unten. Keine Chane, aufzustehen. Es war eine Sache von einer Sekunde oder weniger. Ich blieb sitzen. Der Bus nach Puerto de la Cruz fuhr ohne mich los. 
Fünfzehn Minuten später kam Rainer um die Ecke, so, wie ich ihn kannte: Fröhlich lächelnd und zum Kotzen gut gelaunt!
Wir nahmen den Bus nach Los Cristianos. Gott, war das hässlich dort! Hässliche Häuser, viel zu viele Menschen, wie die Sardinen am Strand, der Ballermann vor der westafrikanischen Küste. Rainer lächelte: Das ist alles zum abgewöhnen, Melli! Genieß es, in den nächsten vierzehn Tagen wirst du nichts Hässliches mehr sehen!

Mit dem Boot in eine andere Welt

Dann nahmen wir die Fähre und es folgten die bis dahin schönsten und verrücktesten vierzehn Tage meines Lebens.
Wir wohnten im Haus von Werner, einem alten Freund von Rainer, der zu dieser Zeit aber gar nicht da war. Werner musste auch einer dieser unglaublich coolen Menschen sein, von denen mir Rainer am Flughaften erzählt hatte, denn Werner ließ während seiner Abwesenheit  alle möglichen Leute in seinem Haus wohnen. Einfach weil Werner offenbar ein verdammt netter Mensch war. Den ich übrigens erst 14 Jahre nach später kennen lernte. Und für die vielen Leute, die Werner immer bei sich wohnen ließ, war auch alles Mögliche vorhanden. Matratzen, Handtücher, Bettwäsche, Schlafsäcke – Alles frisch gewaschen. Einfach so.
Im Haus wohnten bereits Andreas, ein Aussteiger, von dem ich später erfuhr, dass er mal mit dem Fahrrad durch die Wüste gefahren war und bei seiner Rückkehr nach Deutschland sofort im Knast landen würde, wobei ich die Gründe dafür nie erfuhr. Und Karl-Heinz. Was Karl-Heinz in seinem vorherigen Leben gemacht hatte, weiß ich nicht mehr, aber in diesen vierzehn Tagen auf La Gomera war Karl-Heinz unsere Einkaufs- und Spülfee. Andreas war unser Koch, Rainer der Putzmann, der das Haus von Werner auf Vordermann brachte. Und ich, ich war einfach nur Melanie und kam mir ein bisschen vor, wie eine Königin.
Das Haus hatte eine große Dachterasse und Rainer meinte, das sei doch ein schöner Platz für mich zum schlafen, dort könnte ich jede Nacht im Silberschein der Sterne baden. Er selbst schlief unten im Haus und kam jeden Morgen zu mir hoch, um mir meinen ersten Kaffee zu bringen. Rainer zeigte mir die schönsten Strände und die schönsten Täler und stellte mich allen möglichen Leuten vor. Und die waren alle so anders, als die, die ich in Deutschland kannte. Sie waren so frei, sie lebten die Freiheit, nach der ich mich insgeheim so sehr sehnte und die zu leben ich mich aber damals noch nicht traute. Viertausend Kilometer von meiner Heimat entfernt fühlte ich mich im Alter von 24 Jahren zum ersten Mal zu Hause angekommen. An einem winzigen Ort, im großen weiten Atlantik.

Du hast mein Herz geklaut!

Als ich im Sommer 1994 nach zwei Wochen Urlaub wieder nach Deutschland zurück flog, ist ein Teil von mir hier geblieben. Und mit jedem Urlaub blieb wieder ein Stück mehr von mir hier. Dreizehn Jahre lang. 

Als ich heute vor 10 Jahren hierher zog, dachte ich, dass meine Liebe für diese Insel schon so groß sei. Aber das war sie nicht. Mit jedem Morgen, den ich auf ihr erwache, mit jedem Blick in den Sternenhimmel, mit jeder Morgenkontemplation in  meiner kleinen Kirche am Meer, mit jedem Blick auf den Berg, mit jeder Rückkehr von einer Reise und mit jedem Herzschlag wird meine Liebe für diesen kleinen Flecken Erde mehr.

Und wie reich hat sie mich beschenkt und tut es immerfort.

Te amo, Gomera. Ich habe dir mein Leben gegeben und du mir meines. Gracias!
Melanie

 

PS: Und dir, Stefan, danke ich auch….!

Jahrestag. Über das Leben, die Liebe und ein Leben in Liebe

Gestern hatte ich Geburtstag. Siebenundvierzig Jahre bin ich nun auf dieser Welt. Noch drei Jahre und ich werde fünfzig, was sich für mich vollkommen absurd anfühlt. Irgendwie werden die alten Leute immer jünger. Früher waren die alten Leute älter, finde ich. Manche meinen, das läge daran, dass die alten Leute von früher – also die Generation meiner Großeltern – den Krieg miterlebt hätten und dass dies entsprechende Spuren hinterlassen hat. 

Als ich vorgestern Abend zu Bett ging, las ich in einem meiner alten Tagebücher und schlug „zufällig“ folgende Seite auf:

Montag, 16. Februar 1998, 10.00 Uhr

„Heute ist mein Geburtstag und ich habe das Gefühl, neu geboren worden zu sein!
Als hätte ein neues, wunderschön werdendes Leben begonnen.“

 

Damals feierte ich meinen 28. Geburtstag. Und in der Tat hat mit 28 Jahren eine neue Zeitrechnung für mich begonnen. Ich hatte mich kurz zuvor nach fast zehn Jahren Beziehung von meiner Jugendliebe getrennt und damit einen Traum begraben, den ich seit meinem zehnten Lebensjahr geträumt hatte. Am 16. Februar 1998 bezog ich meine neue Wohnung und genoss mein neues Leben und meine Freiheit in vollen Zügen. Die neue Freiheit hatte allerdings ihren Preis.

Denn nachdem ich das sichere Gerüst “Beziehung” verlassen hatte, brach kurz darauf ein altes, bis dahin vollkommen verdrängtes Trauma in mir auf und brachte mein ganzes bis dahin gültiges Weltbild von jetzt auf gleich zum Einsturz. Zeitgleich ging mein damaliger Chef in Rente, ein neuer Chef kam und ein fast drei Jahre dauerndes Martyrium subtilen Mobbings begann. 

Zaubergesang in der Unterwasserwelt

Im Sommer 2000 hatte ich die seltene Gelegenheit, bei einem Gomeraurlaub mit Delfinen im Wasser sein zu dürfen. Eine Begegnung, die weitere, tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen würde. Der Moment, als ich mit den Tieren im Wasser war, hat sich tief in meine Seele eingeprägt. Es war, als hätte die Zeit still gestanden. Wir waren ziemlich weit hinaus auf’s Meer gefahren und trafen auf eine Schule von Delfinen, die offensichtlich gut gelaunt und zum Spielen bereit waren. Nach und nach durfte ein Gast nach dem anderen (wir waren ingesamt zu acht auf dem Boot) zu den Tieren ins Wasser. Als ich – als Letzte – endlich an der Reihe war, verschwanden die Tiere plötzlich. Ich fand das zwar schade, aber nicht weiter tragisch und nahm es als Schicksal gegeben hin. Wir waren schon wieder auf dem Weg Richtung Heimathafen, als unser Kapitän Bernd plötzlich inne hielt, mich ansah und sagte: Melanie, das geht nicht! Das kann nicht sein, dass du nicht mit ihnen im Wasser warst. Wir fahren ihnen hinterher”. 

Dann fuhren wir ein Stück Richtung Norden und plötzlich tauchten sie wieder auf. Ich zog mir Taucherbrille und Schnorchel auf und ließ mich zu den Delfinen ins Wasser gleiten….
Ich habe diesen Moment so in Erinnerung, als hätte er in einem Paralleluniversum stattgefunden und sei dort – fern von Raum und Zeit – wie ein bewegtes, mehrdimensionales Hologramm,  hineingraviert.
Ich war in einer anderen Welt. Ich hörte die Delfine fiepen, was sie – wie mir Bernd später sagte – nur selten tun, wenn Menschen mit ihnen im Wasser sind. Wie eine Wand schwammen sie vor mir synchron in wunderschönen, harmonischen Linien. Und dann geschah das, was ich mir bis heute nicht erklären kann: Ich hörte die schönste Musik, die ich je in meinem Leben gehört hatte. Klassische Musik von einer Schönheit und Perfektion, wie ich sie auf Erden noch nicht gehört habe. Unter Wasser.

Zwei Jahre später hörte ich diese Musik wieder, als ich alleine auf Gomera wanderte und an einem Ort Rast machte, den ich seitdem „Heiliger Ort der Stille“ nenne.

Ausgebrannt

Man sagt, dass solche Delfinbegegnungen das Leben eines Menschen radikal verändern. Ich kann das bestätigen. Kurz darauf brach mein gesamtes bisheriges Leben, brach ICH, erneut komplett zusammen. Das verdrängte Trauma und seine Bewältigung, das Mobbing durch meinen Chef – all das war so viel geworden, dass es mich komplett verbrannt hat. Burnout. Tunnelblick. Und kein Licht mehr am Horizont. Ein solcher Burnout ist ein schleichender Prozess, den man – wenn man selbst darin steckt – kaum objektiv als solchen bewerten kann und deshalb auch nicht bemerkt. Durch den damit verbundenen sozialen Rückzug bekommt ihn auch das Umfeld kaum mit. Als ich irgendwann keinerlei Kraft mehr für den täglichen Überlebenskampf hatte, beschloss ich, meinem Leben ein Ende zu setzen. Am 8. November 2000 sollte es soweit sein. Zwei  Tage vorher befahl mich mein Schutzengel zu meinem Hausarzt. Auch dieser Moment, als ich wie ferngesteuert zum Telefonhörer griff, meinen Arzt anrief und um einen Nottermin bat, hat sich tief und unauslöschlich in mir eingeprägt. Um 19.00 Uhr hatte ich meinen Nottermin und erzählte meinem Arzt von meinen Absichten. Er hörte mir  anderthalb Stunden lang aufmerksam zu, schrieb mich krank und organisierte gemeinsam mit der Sachbearbeiterin meiner Krankenkasse alles, damit ich so schnell wie möglich zur Kur kam. Neben meinem Schutzengel hatte ich also auch noch zwei Menschengel an meiner Seite….

Nach fast einem Jahr Arbeitsunfähigkeit begann ich – im Alter von 30 Jahren – zu studieren und geriet – auch wegen meines Alters und meiner Berufserfahrung – noch während des Studiums in meine ersten Jobs als Trainer und Consultant, später auch als Coach.

Leben heißt: lebendig sein

16. Februar 1998 – Das ist nun neunzehn Jahre her. Neunzehn Jahre! Wo seid ihr geblieben?, frage ich mich auf der einen Seite. Wie schnell ist die Zeit von dannen gerast? Und dann schaue ich, was alles in dieser Zeit passiert ist, wie intensiv diese neunzehn Jahre waren, wie viel Leben ich getrunken, wie sehr ich gelebt und gekostet habe von dem, was Leben bedeutet. Durch wie viel Schmerz ich auch gegangen bin und wie sehr mich dieser Schmerz transformiert hat. Wie sehr sich dieses Leben in den letzten neunzehn Jahren  immer wieder – teils radikal – verändert hat. Da scheinen neunzehn Jahre auf einmal gar nicht mehr viel, für so viel Leben, das in ihnen steckt.

Und ich stelle fest: Letztlich sind es die Momente, in denen ich intensiv gelebt und gefühlt habe, die mir in Erinnerung bleiben und die meine Jahre mit Leben und Lebendigkeit füllen.

Nicht, dass diese Erkenntnis neu wäre. Aber mir ist auch bewusst geworden, wie sehr ich mich in der letzten Zeit von der Technik, von dem Medium Internet und von den Social Media habe einfangen und einlullen und von der Lebendigkeit des Lebens habe wegbringen lassen. Ich habe wundervolle Menschen über dieses Medium kennen gelernt und bin dafür sehr dankbar. 

Virtuelle Realitäten?

Die Medaille hat aber auch noch eine andere Seite. In der letzten Zeit beobachte ich Entwicklungen, die mir Sorge und Unwohlsein bereiten. Eine zunehmende Lieblosigkeit und Verrohung und regelrechte, in der virtuellen Öffentlichkeit ausgetragene Kleinkriege, bei denen Menschen denunziert und an den Pranger gestellt werden. Menschen, die „eigentlich“ Kollegen von mir sind, die sich zur Aufgabe gemacht haben, anderen Menschen zu deren innerem und äußerem Wachstum zu verhelfen und die sich in einer menschenverachtenden, beinahe hasserfüllten Art und Weise gegenüber anders Denkenden äußern, dass es mich schaudert.
Menschen, die politisch gut informiert sind und sich für den Frieden aussprechen und in ihrer eigenen, kleinen virtuellen Welt mit brutal verletzenden Waffen agieren.
Menschen, die ihre intellektuelle Bildung derart aufbauschen und in den Vordergrund stellen, dass man annehmen möchte, sie wollten damit nur davon ablenken, dass es ihnen offenbar an der viel notwendigeren Weisheit des Herzens mangelt.

Sprache ist Energie

Auch, wenn es nur virtuell ist – auch diese Form von Kommunikation in den Social Media ist ein Energieträger. Gefühlsenergie, die aus uns heraus fließt, hin zum anderen, in die sie dann einfließt und ihn entsprechend „be-einflusst“. Je nachdem, welchen Satz, welche Information wir lesen, erzeugt das durch unsere subjektive Interpretation entsprechende Emotionen bei uns. Und umgekehrt! Auch, wenn wir vor Maschinen sitzen und die Informationen, die wir dort lesen, eindimensional sind, so sind wir, als Empfänger dieser Informationen, doch immer noch mehrdimensionale, fühlende Wesen. Und nehmen die Information und ihre Energie, die wir empfangen, in uns auf. Und senden sie wieder aus.

Die Bedeutung der Notwendigkeit eines maximal sorgsamen Umgangs mit unserer Sprache wird mir  – auch durch diese Beobachtungen – immer mehr bewusst. Wenn ich bedenke, wie differenziert ich mit meinen nächsten Menschen, die mir gegenüber sitzen, kommuniziere, wie sehr wir nachfragen, wenn wir meinen, etwas nicht richtig verstanden zu haben. Manchmal braucht es drei Anläufe, bis ein kleines Missverständnis aufgeklärt oder eine pauschale Formulierung so detailliert dargestellt wurde, dass der Empfänger sie so versteht, wie der Sender sie gemeint hat. Wie gesagt: mit den nächsten Menschen, vis à vis. Und wenn die Missverständnisse geklärt sind, entsteht wieder Nähe. Wirkliche, mehrdimensionale Nähe. 

Und dann bist du wieder auf Facebook und siehst ein menschenverachtendes Dreisatz-Dogma nach dem anderen. Wer so und so ist, wer dies und jenes meint, ist ein Arschloch. Wie früher, in der Grundschule. Nur viel, viel gefährlicher.

Aus und in Liebe

Bin ich abgeschweift? Nein. Es ging um meinen gestrigen Geburtstag und um den 16. Februar vor 19 Jahren, als mein neues Leben begann. In neunzehn Jahren bin ich sechsundsechzig, so Gott will. Bis dahin möchte ich dieses Leben mit so vielen schönen, intensiv gelebten Momenten füllen, wie es nur geht. Mit Menschen, die ich liebe, mit Menschen, die mich lieben. Dieses Leben leben, das ich liebe. Ein Leben, in dem die Liebe fließt. Mit Menschen, aus deren Herzen die Liebe fließt. 

Mir begegnen immer mehr davon. Und wer weiß, vielleicht können wir es mit all unserer Liebe sogar schaffen, das ein oder andere kalte Herz zu erwärmen und die Lieblosigkeit auf dieser Welt ein wenig weniger werden zu lassen…..

Gestern – an meinem Geburtstag – hatte ich ein wundervolles, mehrstündiges, intensives Outdoorcoaching am Meer mit einer Frau, deren Geschichte mich unglaublich fasziniert hat. Sie ist über die Empfehlung einer Bekannten zu mir gekommen. Meine gestrige Anvertraute meinte, dass sie meinen Blogpost „Wasser ist stärker als Stein“ gelesen hätte und da sei ihr klar gewesen, dass sie mich unbedingt treffen wollte, wir hätten dieselbe Vision, nämlich die, mit unserer Liebe diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.
Dieser wundervollen Frau und meinen Engeln, den Mensch gewordenen und den vielleicht einmal Mensch gewesenen, widme ich diesen Blogpost und schließe – noch einmal, weil es wichtig ist – mit Hesse:

 

Weich ist stärker als hart.
Wasser ist stärker als Stein.
Liebe ist stärker als Gewalt.

 

Auf die Liebe, ihr Lieben!

 

PS: Melde dich, wenn du meine Begleitung wünschst….. Unter dem Menüpunkt „about“ kannst du lesen, was andere über mich und meine Arbeit sagen.
Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, freue ich mich sehr über deinen Kommentar.

Wasser ist stärker als Stein

Da saß ich nun, heute Morgen, an meiner Lieblingsstelle am Meer, die ich “meine Kirche” nenne. Auf einem bequemem Stein sitzend sah ich dem Meer zu, wie es seine schönen Winterwellen schlug, deren wilde Kämme von den ersten Strahlen der Morgensonne berührt wurden. In diesem Anblick kann ich ganz und gar versinken. Immer wieder. Seit Jahren. Ich bemerkte, dass ich heute sehr nachdenklich bin. Und vordenklich. Und gar nicht denklich, sondern intensivfühlig. Alles zusammen. Ich spürte, wie die Wucht der herunter brechenden Wellen den Boden unter mir zum Beben brachte. Und ich fühlte den Schmerz der Erde.

 

Von Müttern und Töchtern

Seit ich vor über sechs Jahren selber Mutter wurde und neun Stunden lang barfuß den Wehentanz tanzte, habe ich eine ganz besondere Verbindung zu unserer großen Mutter. Nie zuvor und nie wieder danach habe ich mich so zutiefst verbunden gefühlt mit unserer Erde, wie in diesen neun Stunden, bevor meine beiden Töchter und damit ich als Mutter geboren wurden.
Seitdem taucht immer wieder eine Vision vor meinem inneren Auge auf. Die Vision, dass wir alle in Frieden und Harmonie leben und unseren Mutterplaneten achten, und ihn genießen und ehren. Wann immer ich das große Bild sehe, ertönen die vielen kleinen Stimmen in mir und reden spöttisch von der Hoffnungslosigkeit. … 

 

Das Paradies auf Erden

Ja, ich lebe in einem Paradies, wo sich die Liebe der Schöpfung in unendlicher Fülle offenbart. Aber ich habe das auch gesehen, als ich noch nicht hier lebte. Ich habe beim Kochen darüber nachgedacht, welch Wunder es doch ist, dass aus einem kleinen Samen eine Tomate entsteht, aus wunderschönen kleinen, wohlriechenden Blüten eine Apfelsine. Und wie gut für uns gesorgt ist, wie alles in perfekter Harmonie für uns eingerichtet wurde und wie sehr wir dabei sind, diese Harmonie und unseren Lebensraum zu zerstören. Gestern Abend schnitt mein Mann eine Avocado auf und meinte, diese Sorte sei jene, bei der das Fleisch der Avocado an der Schale klebe, weswegen es besser sei, es mit einem Löffelchen heraus zu kratzen. Eine Avocado. So lecker, so reichhaltig, perfekt verpackt – ein Wunder. So wie wir. 

Ich spüre heute den Schmerz der Erde. Hier, im Paradies. Ich weiß nicht, was ich tun kann um die große Vision von einem Leben in Harmonie und Frieden Realität werden zu lassen. Ich bin nicht der Typ, der sich anmaßt, irgendwelche Moralkeulen schwingen zu wollen. Ich weiß so vieles selbst nicht besser und lebe selbst noch nicht zu 100% nach den Statuten, die ich für richtig halte. Aber ich bewege mich in eine gute Richtung.
Und ich kann sehen. Ich sehe mit dem Herzen all die Wunder, die dieses Paradies Erde für uns bereit hält.

 

Anderen aus der Seele sprechen

Alles, was ich derzeit tun kann ist, weiter zu schreiben. So zu schreiben, dass die Menschen sagen “Du sprichst mir aus der Seele”. Wer imstande ist, anderen Menschen aus ihrer Seele zu sprechen und dem bislang Ungesagten in ihnen einen Ausdruck zu geben, der sollte das tun. Denn das ist es, was wir am dringendsten brauchen. Seelen, die sich berühren lassen. Seelen, die fühlen, dass sie leben.
Da saß ich nun heute morgen, an meiner Lieblingsstelle am Meer. Und während ich den Wellen zusah, wie sie diese vielen Steine umspülten, die vor Millionen von Jahren aus dem Inneren der Erde als Lava an die Oberfläche kamen und die im Laufe dieser vielen Jahre vom tosenden Atlantik tagein, nachtaus in ihre jetzige Form gebracht wurden, da fiel mir dieses Gedicht von Hesse ein:


“Weich ist stärker als hart.
Wasser ist stärker als Stein.
Liebe ist stärker als Gewalt.”

 

Wohlan, lasst uns lieben. Solange wir leben! 

 

Shakespeare & ich. Oder: Die Frage nach dem Warum des Seins

Mal ganz ehrlich: Bei einer solchen Überschrift hat man eigentlich gar keine Lust, weiter zu lesen, oder? Klingt viel zu sehr nach jener gequirlten Pseudo-Erleuchtungskacke, wie sie irgendwelche lustigen, weiß gekleideten nordeuropäischen Gurus gerne stundenlang und andächtig ihren Jüngern verzapfen. Ich persönlich habe es ja nicht so damit. Wenn ich nicht wüsste, was ich geschrieben habe und nicht der Ansicht wäre, dass es durchaus lesenswert ist, würde ich sagen: Du, such’ dir lieber was Interessantes zum Lesen! Es ist dein Leben und deine Zeit. Du hast die Wahl. Bleiben oder gehen. Sein oder nicht sein. Letztlich ist es sowieso egal und warum das so ist, beschreibe ich im Folgenden. Sag’ also nachher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt…. Also, auf geht’s: In das Abenteuer der Gleichgültigkeit!

Heute morgen wurde ich um vier Uhr dreißig von alleine wach. Nicht, weil mich irgendwelche höheren Mächte oder meine Kinder (was irgendwie dasselbe ist) aus dem Schlaf gerissen hätten, sondern sehr wahrscheinlich deshalb, weil ich gestern Abend schon um 21.00 Uhr eingeschlafen bin. Manchmal ist es so einfach zu erklären.

In letzter Zeit passiert es mir oft, dass ich mit sehr interessanten Affirmationen wach werde. Quasi in der Endphase des Wachwerdens, noch bevor ich wirklich im Tagesbewusstsein bin, erscheinen diese Affirmationen. Manchmal als Wort oder kurzer Satz, manchmal höre ich sie auch.
An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich sehr dankbar bin, in eine Zeit wie diese hineingeboren worden zu sein, in der man solche Geisteszustände ganz offen aussprechen darf, ohne befürchten zu müssen, in die Klapsmühle gesteckt zu werden. Vor nicht allzu langer Zeit war das noch anders…

SEIN – Ausrufezeichen – Fragezeichen.

Nun gut. Heute morgen um 04.30 Uhr wurde ich also wach und vor meinem geistigen Auge erschien in großen Leuchtbuchstaben das Wort “SEIN”.

Ich gebe zu, dass mich dieses Wort schon seit Tagen und Wochen, naja, eigentlich schon seit Jahren immer wieder beschäftigt. Ich frage mich: Was heißt das eigentlich: “Sein”!? Die altbekannte Frage nach dem “Wer bin ich und warum?” scheint nach wie vor nicht beantwortet zu sein. Weder für mich noch für sonst wen. Was vielleicht auch daran liegt, dass wir uns – im besten Falle – ständig weiter entwickeln.

Mit diesem großen, leuchtenden SEIN vor meinem geistigen Auge ging ich sofort zu meinem Schreibtisch und schrieb in mein Tagebuch u.a. dies:

(…) bin ich vielleicht bloß meinetwegen hier? Um Erderfahrungen zu machen? Nur um meinetwillen? Weil ich so gerne fühlen wollte? Häh!? Stell’ dir das mal vor: Es hat keinen übergeordneten Grund, dass du hier bist. Es gibt dieses “Warum” gar nicht, von dem immer behauptet wird, du müsstest es finden und kennen. 
Stell’ dir vor, es wäre weder für dich noch für diese Welt wichtig, dass du in irgendeiner Form “dienst”. 
Ok, du hast schon vielen Menschen geholfen und viele Menschen berührt, aber wenn es dich nicht gäbe, dann hätten sie vielleicht jemand anderen gefunden.  Du bist nichtmal hier, um Gottes Licht auf die Erde zu bringen. Wenn du das machen möchtest, dann mache es. Wenn du es nicht tust, dann lasse es. Es ist egal. Stell’ dir das mal vor… Es ist egal. Was tust du mit diesem Leben, wenn es keinen übergeordneten Grund gibt, außer dem, dass du gerade hier bist?”

Zunächst war ich erschrocken ob dieser vermeintlichen Sinnlosigkeit meines Daseins. Da habe ich mich all die Jahre so wacker gehalten und war so fleißig, immer mehr ich selbst zu werden. Und letztlich sollte das alles egal sein? Was für eine bodenlose Unverschämtheit! Von wem auch immer. Apropos bodenlos…

Eine bodenlose Unverschämtheit: Einfach in der Milchstraße baden.

Dann dachte ich weiter. Wenn es also tatsächlich keinen übergeordneten Grund geben sollte, weswegen ich als ICH hier bin, und ich wirklich nur meinetwegen hier bin, was fange ich nun damit an?

Auf einmal fiel mir eine Situation ein, in der ich vor vielen Jahren bei einem meiner Urlaube auf La Gomera mein geliebtes Himmelsspiel spielte. Ich legte mich zu diesem Zweck abends auf die Dachterrasse und machte mir meinen Körper auf der Erde und die Tatsache bewusst, dass mein Körper nur wegen der Erdanziehungskraft auf der Erde liegt und ich das fühlen kann. Ich machte mir voll und ganz bewusst, dass es kein “Oben” und kein “Unten” gibt, kein “Rechts” und kein “Links” und dass wir auf einem winzigen, wunderschönen, perfekten Ball in dieser nicht zu erfassenden Unendlichkeit um unseren Fixstern schweben. Ich machte mir die Geschwindigkeit der Erdrotation bewusst, die wir nicht bemerken. Ich machte mir bewusst, dass ich dort – in diesem winzigen Ausschnitt der Milchstraße – das Licht von Sternen sehe, die es vielleicht schon seit tausenden von Jahren nicht mehr gibt. Dann streckte ich meinen Arm aus und fühlte mich in genau diesem Moment voll und ganz eins mit dem weiten, unendlichen Raum. Und kam mir so winzig und unbedeutend vor und gleichzeitig so unendlich groß. Meistens musste ich dann lachen vor lauter Glück über dieses große Wunder LEBEN. Ich liebte dieses Himmelsspiel!
Und wer jetzt denkt: “Klar. Gomera. Da hat die liebe Melli sich vorher bestimmt ein dickes Tütchen mit richtig gutem Zeug gegönnt!” dem sei gesagt: Um Gottes Willen! Ich bin von Natur aus so und komme von ganz alleine auf solche Ideen! Nicht auszudenken, was geschehen würde, wenn ich auch noch Drogen nähme! Nix da!

Einmal wagte ich im Zuge eines solchen Sternenbades leise zu fragen: “Was ist der Sinn des Universums?” Ich bekam prompt Antwort, von wo auch immer:

“Das Universum hat keinen Sinn. Es ist einfach.
Sein ohne Sinn ist der Sinn des Seins.”

Wie bitte? Sein ohne Sinn ist der Sinn des Seins? Obwohl mein kleines Gehirn nichts verstand, fühlte ich doch tief in meinem Herzen die in dieser Aussage vorhandene Wahrheit. Aber ich war noch lange nicht so weit, das annehmen zu können oder zu wollen. Den Dingen und sich selbst einen Sinn zu geben ist schließlich etwas, das durchaus sinnvoll zu sein scheint, weil es vermeintlich Halt gibt. Die Erde und all unsere Planeten und Galaxien werden schließlich auch von irgendetwas gehalten, wenngleich niemand wirklich weiß, von was. Von dem Zusammenspiel der Kräfte, möglicherweise. Vielleicht. Kann sein. Muss nicht. 

Alles ist gleichgültig, weil alles egal ist!?

Vor ein paar Monaten saß ich am Meer, an meiner Lieblingsstelle, die ich “meine Kirche” nenne und an die ich so oft wie möglich morgens gehe, um zu kontemplieren und mich mit dem Meer und mit Gott zu unterhalten.

Ich fragte, ob denn das, was ich gerade so mache – also mein Schreiben und all die Unterfangen, die ich unternehme, um Menschen, denen es hilft oder Freude macht, zu erreichen – also ob denn all das so richtig sei, wie es gerade ist.

Auch hier erfolgte die Antwort sofort:

“Wenn es dir Freude macht!?”

Ich sagte: Ja, meistens schon.

Es: “Dann ist ja gut”.

Und dann sprach “es” weiter:

“Im Grunde genommen ist es sowieso egal. Egal im Sinne von “gleich”. Französisch: Égalité. Es ist alles gleich. Alles ist von derselben Essenz, von derselben Quelle. Atömchen, Quanten. Du verstehst? Ihr unterscheidet und polarisiert ohne Unterlass. Zwischen Leben und Tod. Zwischen Gut und Böse. Und letztlich ist alles egal. Alles ist gleich. Mach’, was du willst, Melanie.” 

In diesem Moment verstand ich diese Aussage der Gleichheit, der Égalité, der Gleichgültigkeit von allem, was ist, so zutiefst, mit all meinem Sein und voll und ganz. Danach folgte der bislang größte und längste Lachanfall meines Lebens. Jeder, der schon einmal erlebt hat, wie es ist, wenn ich aus tiefstem Herzen lache und nicht mehr aufhören kann, weiß, was DAS bedeutet….;-) 

Die große Frage nach dem Sein und dem Sinn des Seins. Wie viele Menschen umtreibt diese Frage seit wie vielen Jahren? Wer kennt ihn nicht, diesen einen Satz aus Shakespeare’s Hamlet: “Sein oder nicht sein. Das ist hier die Frage.”?

Mach’ doch einfach, was du willst.

Was, wenn der einzige Grund für unser Dasein der ist, dieses Sein – jetzt und hier – einfach nur zu genießen? Dieses kurze Leben zu feiern. Denn es ist wirklich kurz, verdammt kurz! Und die vielen Möglichkeiten, die sich zum Feiern dieses Lebens bieten, zu nutzen und voll auszuschöpfen? Oder auch nicht? Weil es egal ist. Und wir in dieser großen “Gleich-Gültigkeit” – in ihrem reinsten Sinne – wählen können?

Keinen Grund, kein übergeordnetes “Warum”, keinen höheren Zweck mehr zu suchen, niemandem mehr irgendwie “helfen” oder “dienen” wollen oder müssen, um dem eigenen Dasein eine Berechtigung zu geben, sondern wenn, dann aus dem vollen Herzen heraus einfach DA SEIN…. Was wäre, wenn? Wenn es wirklich so einfach wäre, und doch gleichsam so komplex wie der Sinn des Universums:

“Sein ohne Sinn ist der Sinn des Seins”.

Es gibt Tage, da wünschte ich, ich würde mich für Kreuzworträtsel, Computerspiele oder Modelleisenbahnen interessieren. Es hat nicht sollen sein. In einem nächsten Leben. Vielleicht…. 

Es ist jetzt 12 Uhr, die Sonne ist schon lange aufgegangen, der Himmel ist wolkenfrei und es verspricht, ein schöner Tag zu werden. Wenn die Sonne gerade aufgegangen ist, dann kann man am westlichen Horizont den Erdschatten sehen. Manchmal tauchen hinter diesem Erdschatten die Reflexionen der Sonnenstrahlen auf.  Das ist so faszinierend, wenn du morgens nach Westen schaust und dort, hinter dem Schatten des kleinen, perfekten Balls, auf dem wir durch die Unendlichkeit schweben, die Reflexionen der Sonnenstrahlen aus dem Osten siehst. Oder ein Regenbogen. Gibt es etwas Sinnloseres als einen Regenbogen? Ein Regenbogen ist zu nichts nütze. Und doch erfüllt er die Herzen aller Menschen dieser Welt – egal wie alt – für den kurzen Moment seines Erscheinens mit Freude. Schon immer. Und immer wieder. Gott, du alter Halunke! Sein ohne Sinn… dass ich nicht lache! 😉

Das Leben ist ein Wunder! Und es ist wundervoll, hier zu SEIN!

Alles Liebe für dich und mich und uns!

 

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PS: Wenn du denkst: “Oh, jetzt ist sie offenbar vollkommen verrückt geworden! Und es scheint ein ziemlich geiler Zustand zu sein! Hey, das will ich auch!” – dann melde ich dich gerne bei mir. Ich bin einige Umwege gegangen und kenne ein paar wirklich verrückte und verrückende Abkürzungen… 😉

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Anne. Oder: Wie ein seltsames Buch mein Leben für immer veränderte

In den letzten Tagen werde ich oft gefragt, wie ich das damals gemacht habe, als ich nach La Gomera gegangen bin. Ganz ehrlich? Letztlich war es nur ein Umzug. Von Deutschland nach La Gomera. Mehr nicht. 
Aber fangen wir von vorne an, denn die Vorgeschichte, die ist durchaus spannend….

September 2007:

Geschafft! Mein spätes Studium  – ich habe erst im Alter von 30 Jahren begonnen, zu studieren – neigt sich dem Ende zu. Alle Scheine sind gemacht, die Prüfungen sind erfolgreich abgelegt, es fehlt nur noch die Magisterarbeit.

Seit zwei Jahren bin ich zudem erfolgreich als freiberuflicher Trainer, Coach und Consultant für Changemanagement in internationalen Konzernen tätig. Mit diesen Tätigkeiten haben sich für mich Träume erfüllt, die ich zu Beginn meines Studiums nicht zu träumen gewagt hätte. Ganz zu schweigen von meinen Honoraren!
Meine Arbeit genießt einen außerordentlich guten Ruf, meine Expertise ist gefragt, mir werden Angebote für Festanstellungen unterbreitet, die ich aber ablehne. Ich möchte meine Freiheit als Freelancer weiter genießen.


Ähm… Freiheit? 

Welche Freiheit? Meine Woche hat siebzig Stunden. Mindestens. Am Wochenende bin ich zu sowas wie einem Sozialleben nur in absoluten Ausnahmefällen mit absoluten Ausnahmefreunden fähig, und zwar mit solchen, mit denen ich maximal schweigen kann.

Außerdem ist mir der Samstag Abend heilig! Da pflege ich mein Ritual. Ich lasse mir ein heißes Bad ein, stelle Kerzen auf den Badewannenrand, genieße einen edlen Rotwein und höre dazu die Gitarrenklänge von den Dos Guitarras. Und träume mich fast viertausend Kilometer weit weg. Nach La Gomera…..


In meiner kleinen Lieblingsbuchhandlung, an einem Tag mitten in der Woche: 

Alle Welt redet von Hape Kerkelings neuem Buch „Ich bin dann mal weg“. Da hinten in der Ecke steht es. Ich nehme es zur Hand und lese quer. Ich mag Hape, aber dieser Stil gefällt mir überhaupt nicht. Ich stelle das Buch wieder zurück und während ich dies tue, springt ein dahinter stehendes Buch hoch und auf mich zu. Zumindest habe ich es so in Erinnerung. Dass es hoch und auf mich zusprang. „Wer wandert, braucht nur, was er tragen kann“ von Anne Donath. Ich lese quer. Ein seltsames Buch, wirklich sehr, sehr seltsam. Ich kaufe es und gehe nach Hause. Und beginne zu lesen….

Über wichtige Menschen, die den ganzen Tag in Besprechungsräumen sitzen und Autos, teure Kleidung und anderen Luxus anhäufen und die sich das ganze Jahr über auf ihre siebenundzwanzig Tage Jahresurlaub freuen, um dann dort erst mal richtig krank zu werden von all dem Stress, den sie hatten. Ich lese von Anne, wie sie auf ihrer Wiese liegt und den Wolken beim Wandern zuschaut und das Leben genießt.


Me, myself and I?

In der Beschreibung über die wichtigen Leute mit ihrem teuren Material erkenne ich mich selbst wieder. Mir wird bewusst, wie wenig Seele in meinem Leben ist, obwohl ich meine Arbeit wirklich liebe. Aber es ist einfach quantitativ viel zu viel und so derart arbeits- und energieraubend, dass ich mich vollkommen darin verloren habe.
Wo ist sie geblieben, die reine Freude am Leben? Wenn der einzige Lichtblick der Woche darin besteht, samstags abends in der Badewanne zu liegen und von La Gomera zu träumen?

In diesem Moment springt in meinem Kopf ein Schalter um und ich weiß, mit ganzem Herzen, mit all meinem Sein und in all meinen Zellen:


Eines Tages, Baby!

Nein! Ich will nicht eines Tages sterben und mir die Frage stellen müssen: Melanie, warum hast du es nicht wenigstens versucht!? Versucht, auf La Gomera – der Insel deines Herzens, die du so sehr liebst – zu leben? Wenigstens versuchen hättest du es können! Dann hättest du gewusst, ob dort zu leben wirklich so schön ist, wie du es dir in deinen Träumen immer vorstellst.“

Dreizehn Jahre ist es zu diesem Zeitpunkt her, dass ich mich in diesen kleinen Flecken Erde verliebt habe. Damals konnte ich weder die Sprache, noch kannte ich Land und Leute. Und doch fühlte ich mich mit meinen damals 24 Jahren zum ersten Mal in meinem Leben nicht wie ein Außerirdischer auf dem falschen Planeten. Wie oft hatte ich als Kind abends draußen gesessen und mit dem Fernglas in die Sterne geschaut und gedacht „Irgendwo da oben muss doch mein Zuhause sein!? Hier unten bin ich falsch gelandet! Ganz sicher!“ Und dann lande ich durch eine Aneinanderreihung seltsamer Zufälle (das ist noch mal eine Geschichte für sich!) auf dieser winzigen Insel am Ende der Welt und fühle mich zum ersten Mal in meinem Leben zu Hause!?

Schon damals überlegte ich, einfach zu bleiben und nicht wieder nach Deutschland zurück zu fliegen. Doch die Angst war zu groß. Und außerdem hatte ich ja mein Leben in Deutschland fest eingerichtet und auch familiäre und dienstliche Verpflichtungen… Es ist klar, wo ich fortan 99 % meiner Urlaube verbracht habe. Und mit jedem Urlaub wurde der Wunsch, für immer hier zu leben, größer und tiefer.

Nein, ich wollte nicht sterben, ohne es nicht wenigstens versucht zu haben!
Am nächsten Tag rief ich meine Schwester an, um ihr meine Entscheidung mitzuteilen. „Endlich!“, sagte meine Schwester. „Damit haben wir schon lange gerechnet“. Ach, echt!? Interessant.


“Komm her, mein Mädchen…”

So war das mit meiner Entscheidung, nach La Gomera zu gehen. Sie ist lange gereift, und als sie reif genug war, ist sie – einem Apfel gleich – beinahe wie von selbst vom Baume gefallen. In genau diesem Moment habe ich den Apfel gepflückt und alles für meinen Umzug in die Wege geleitet. Natürlich hatte ich vom Zeitpunkt meiner Entscheidung bis zu meinem tatsächlichen Umzug unzählige Momente des Zweifels und viele, tiefgreifende Ängste. Und auch die ein oder andere harte Prüfung des Schicksals. Doch wann immer ich die Frage stellte: „War meine Entscheidung wirklich richtig?“ erklang aus meinem Herzen ein großes, deutliches JA!

Einmal, als der Zweifel ganz besonders groß war, saß ich an meinem schönen antiken Wohnzimmertisch und versuchte, mich in Gedanken und mit dem Herzen mit La Gomera zu verbinden. Ich fragte sie: „Soll ich wirklich für immer zu dir kommen?“. Und ich hörte sie antworten: „Komm her, mein Mädchen, ich habe noch etwas sehr, sehr Schönes für dich!“ Ich sagte: „Aber was willst du denn noch Schönes für mich haben!? Du hast ich schon so oft so glücklich gemacht mit all deiner Schönheit und all deinem Frieden! Mehr geht nicht!“ – „Komm her, mein Mädchen, ich habe noch etwas sehr, sehr Schönes für dich….!“

Während ich diese Geschichte in Ruhe aufschreibe, ist das Schöne, das Gomera noch für mich bereit hielt, nicht bei mir. Aber gleich, so in einer Stunde, da kommen mein Mann und meine beiden Töchter vom Strand nach Hause….

Möge dich diese Geschichte inspirieren, der Stimme deines Herzens zu lauschen und ihr zu vertrauen.
Möge sie dich ermutigen, nach deiner Lebensvision Ausschau zu halten.
Möge sie dir die Geduld geben, auf die notwendige Reife einer vielleicht anstehenden Entscheidung zu warten.
Möge sie dir die Sicherheit geben, dass die Liebe immer einen Weg findet.

Wenn du selbst gerade an einem Punkt in deinem Leben stehst, wo es um tiefgreifende Veränderungen geht und du Unterstützung brauchst, dann melde dich gerne bei mir!

Wenn dir meine Geschichte gefallen hat, dann freue mich mich sehr über ein Feedback oder wenn du sie mit jemandem teilst, für den sie von Bedeutung sein könnte. Es sind gerade so viele Menschen dabei, aufzubrechen. Im doppelten Wortsinn.

 

Alles Liebe!

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PS: Der rechte der beiden Dos Guitarras, Ulysses, war letztes Jahr einer der beiden Gitarristen, die auf unserer Hochzeit auf der Tina, einem Ausflugsboot, gespielt haben. Rosamunde Pilcher würde vor Neid erblassen. Zu recht, wie ich finde!  😉

Melanie goes EDITION F

Kennst du das?
Du wachst morgens auf und das erste, das vor deinem geistigen Auge erscheint, ist deine To-Do-Liste!?
Scotty oder wer auch immer hat dich, noch bevor du überhaupt wirklich “da” bist, mal eben in’s Büro gebeamt, wo dich ein Wust von Aufgaben erwartet.
Dein Körper hat dein kuscheliges, warmes Bett noch gar nicht verlassen, und du bist geistig schon aus der Puste!
Kennst du?

Hey, das muss nicht sein!
Es gibt nämlich einen sehr einfachen und äußerst wirkungsvollen Trick, diesem Morgenstress ein Schnippchen zu schlagen.

Du willst wissen, wie?

Hier geht’s zu meinem Artikel bei EDITION F

Dieser Trick ist übrigens einer von insgesamt 10, die ich in meinem kostenlosen Ebook beschrieben habe.
Das Ebook bekommst du automatisch, wenn du dich für meinen Newsletter einträgst.

Ich wünsche dir viel Freude bei der Umsetzung und fortan ganz viele wunderschöne, stressbefreite Morgenminuten!

 

Love

 

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Selbstverwirklichung in chaotischen Zeiten – Darf’s ein bisschen mehr sein?

Ich gebe zu: Die aktuellen weltweiten, europäischen und auch deutschnationalen Entwicklungen bereiten auch mir Sorge. Wie auch nicht!? Natürlich könnte ich einfach komplett auf „off“ schalten und ab sofort einfach keine Nachrichten mehr lesen. Manchmal denke ich ernsthaft darüber nach. Denn oberflächlich betrachtet, lassen die Medien derzeit wahrlich nicht viel Gutes für die Zukunft erahnen.

Ist Selbstverwirklichung in Zeiten wie diesen egoistisch und verwerflich?

Und natürlich frage ich mich als Coach, der Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung begleitet:
Bei all dem weltweiten Chaos – wie viel Raum ist da überhaupt noch für die individuelle Selbstverwirklichung?
Mit welchem Recht darf man sich überhaupt noch um sich selbst kümmern, sich selbst verwirklichen, wenn es gleichzeitig den Anschein hat, dass um einen herum alles zusammen zu brechen droht?

Jetzt erst recht!

Meine Antwort ist so simpel wie radikal: Jetzt erst recht!
Wenn es überhaupt irgendetwas gibt, dem wir uns  heute mit absoluter Priorität zu widmen haben, dann der eigenen Selbstverwirklichung. Denn Selbstverwirklichung ist gleichbedeutend mit Herzensbildung.
Und was, wenn nicht Herzensbildung, ist es, das wir derzeit am dringendsten brauchen!?

 

Unser großer gemeinsamer Nenner 

Aufgrund meiner – nennen wir es „spirituellen Bildung“ – die ich autodidaktisch seit frühster Kindheit pflege, bin ich zutiefst davon überzeugt, dass uns Menschen eine große gemeinsame Sehnsucht verbindet:
Die nach Liebe. Oder die nach der Verbindung mit Gott, was für mich dasselbe ist.
Ich finde es übrigens sehr bedauerlich, dass Gott so oft mit Kirche gleichgesetzt wird.
Wie viele kenne ich, die – sobald ich von Gott rede – entgegnen: Oh Gott! Hör’ mir auf mit Gott! Von der Kirche will ich nichts wissen!
Die Kirche hat Gott instrumentalisiert. Nicht umgekehrt. Das ist das eine.
Das andere, was mir auffällt ist, dass sich zwar viele von der Kirche als Institution abgewendet haben, sich aber sofort einer anderen Institution angeschlossen haben, die ihnen unter dem pseudospirituellen Deckmäntelchen des Guten erneut vorschreibt, was sie denn zu tun und zu lassen haben, um eines Tages am Himmelstörchen beziehungsweise der Tür zur Erleuchtung anklopfen zu dürfen. Wenn es nicht so tragisch wäre, könnte man fast darüber lachen.

Wenn die Suche nach der Quelle in Stress ausartet

Wir Menschlein unternehmen für die Erfüllung unserer Sehnsucht nach Liebe wahrlich die seltsamsten Dinge und gehen die absonderlichsten Wege. Weil wir meinen, dass wir die Erfüllung irgendwo im Außen finden. In Konsum, in Leistung, in Beziehungen, in Machtausübung oder halt in irgendeiner neuen Form von “Ismus”.

Dabei gibt es nur eine Quelle, aus der die Liebe, nach der wir uns sehnen, entspringt.
Und diese Quelle liegt in UNS.
Um zu dieser Quelle zu gelangen, müssen wir nur eines tun: In Kontakt mit uns selbst gehen!

Als Coach unterstütze ich Menschen genau hierbei: Wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen.
In einer immer komplexer und schneller werdenden Welt ist nämlich genau das der Punkt, um den es immer deutlicher geht!
So viel prasselt auf uns ein, so viele äußere Zwänge ziehen an uns, so viel Zerstreuung bietet die moderne Welt, so viele Dinge lenken uns ab von uns selbst, so vieles, das uns derzeit zutiefst verunsichert und uns Angst macht.
Da ist es ein Leichtes, den Kontakt zu sich selbst zu verlieren.

Und so wird unsere Sehnsucht nach der tiefen Verbindung zu uns selbst, zu unserer Quelle der Liebe, von der wir tief in uns wissen, immer größer.

Es ist einfach

Eigentlich möchte und könnte ich jeden Tag dasselbe schreiben:
Hör’ auf, im Außen zu jagen und zu suchen.
Hör’ auf, dich im Außen blenden zu lassen.
Hör’ auf, immer emsiger dies und jenes zu tun.
Hör’ auf, auf andere zu hören.
Hör’ auf, anderen mehr zu glauben als deiner eigenen, inneren Wahrheit.
Hör’ auf, dich ständig abzulenken.
Werde ruhig, werde still.
Und dann atme und lausche.
Lausche der Stimme deiner Seele,
die ALLES weiß.
Und sei!

Und dann staune darüber, wie einfach es doch ist, wenn du einfach bist.

Love

 

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Wie du in nur zwei Sekunden für immer glücklich wirst!

Du willst das wirklich wissen?
Du willst diesen ultimativen Trick kennen lernen, der dich bis an das Ende deiner Tage und ohne Unterbrechung glücklich sein lässt?
Du meinst, es sei tatsächlich möglich, sofort und für immer glücklich zu sein?

Na gut, dann verrate ich dir diesen Trick zum sofortigen und immer währenden Glück:

Hör’ auf zu denken.

Wie jetzt? Das ist der Trick?

Ja.

Willst du uns auf den Arm nehmen?

Nein.

Aber wie soll das bitteschön gehen? Einfach nicht mehr denken?

Ehrlich? Es geht nicht.
Gedanken kommen, Gedanken gehen. Daran ist das Kokosnuss große Organ zwischen unseren Ohren schuld.

 

Wie man das Organ zwischen den Ohren überlistet

ABER: Jetzt kommt die Überraschung!
Es gibt eine Möglichkeit, immerhin die Qualität seiner Gedanken zu beeinflussen und damit die persönliche Glücksfrequenz in ihrer Häufigkeit und Dauer zu erhöhen.

Mein Lehrer Sogyal Rinpoche sagte immer:

 

“Meditation ist das größte Geschenk, das ihr euch machen könnt!”.

 

Er meinte damit, dass wir in der Meditation (nenne es meinetwegen Andacht oder bewusste Stille, wenn du den Begriff Mediation nicht so magst) lernen, unsere Gedanken als reine Konstrukte zu betrachten, die kommen und gehen.

Wir neigen nämlich sehr gerne dazu, unsere Gedanken als absolute Wahrheit anzunehmen.
Und das ist schlichtweg falsch.
Um erneut meinen Lehrer Rinpoche zu zitieren:

 

“Die Wolken (= Gedanken) sind nicht der Himmel (= absolute Wahrheit).

 

Wer sich also in Meditation (oder Andacht oder bewusster Stille) übt – und zwar regelmäßig- der wird sich im Laufe der Zeit immer mehr bewusst, wie sehr er selbst auf die Bewertung und damit auf die Qualität seiner Gedanken Einfluss nimmt. Beziehungsweise: wie “ernst” er seine Gedanken wirklich nehmen muss.

 

Wer wirklich die Macht über dich hat!

Probiere es einfach mal aus:

  • Suche dir einen Platz, an dem du ganz ungestört sein kannst.
  • Begib dich in eine für dich angenehme Sitzposition.
  • Lasse die Augen geöffnet und deinen Blick in die Ferne schweifen.
  • Vielleicht kannst du eine schöne Aussicht genießen.
  • Konzentriere dich auf deinen Atem.
  • Atme ein. Lasse deinen Atem bis in den Bauch fließen.
  • Spüre, wie sich deine Brust beim Einatmen hebt.
  • Atme aus.
  • Spüre, wie sich deine Brust beim Ausatmen wieder senkt.
  • Konzentriere deinen Geist auf deinen Atem.
  • Werde still.
  • Komme zu dir.
  • Atme ein.
  • Und atme aus.
  • Puh.
  • Wie schön.

Nun folgt ganz bald jener Moment der inneren Ruhe und des Friedens, wo du dich schon ganz in unmittelbarer Nähe des Tores zur Erleuchtung wähnst.

Und dann passiert’s: Plötzlich kommen sie ungefragt und rasend schnell angeflitzt. Diese vielen kleinen Gedanken-Scheißerchen:

  • Ich muss noch Brot kaufen.
  • Hab’ ich den Herd ausgemacht!?
  • Walter hat sich auch seit drei Tagen nicht gemeldet. Blödmann.
  • Ich muss noch die Steuererklärung machen.
  • Wie wohl das Wetter morgen wird?
  • Franziska hat nächste Woche Geburtstag. Ich brauche noch ein Geschenk.
  • Ich muss mal!

Tja! War wohl nix mit der Erleuchtung. Diese blöden kleinen und absurden Gedanken haben sich wieder einmal mitten auf den Weg geschmissen und man ist wieder keinen Schritt weiter gekommen. Nicht ganz.

 

Übung macht den Meister

Denn je öfter man dies übt und dadurch die Willkür der kleinen Gedanken immer besser als solche erkennt und dabei gleichzeitig merkt, wie leicht sie einen vom Wesentlichen ablenken, desto mehr wird man mit der Zeit lernen, seine Gedanken zu beherrschen und sich nicht weiter von ihnen beherrschen zu lassen.

Und genau damit wird es dann über kurz oder lang auch möglich, die persönliche Glücksfrequenz in Häufigkeit und Dauer zu erhöhen.

Die Kognitionswissenschaften wissen schon lange, dass es unsere Gedanken sind, die unsere Emotionen beeinflussen. Nicht umgekehrt, wie wir oft meinen.
Gute Gedanken erzeugen gute Gefühle, schlechte Gedanken erzeugen schlechte Gefühle. Gar keine Gedanken, ok, das hatten wir schon, tut’s nicht.

Wer sich dessen bewusst ist und der dies verinnerlicht hat und der durch Meditation (oder Achtsamkeit oder bewusste Stille) richtig gut geübt hat, seine Gedanken als ein reines Konstrukt, das kommt und wieder geht, zu “beobachten” und zu “bewerten”, der kann es irgendwann tatsächlich schaffen, innerhalb von nur zwei Sekunden glücklich zu sein. Nicht für immer. Aber immer öfter. Und immer länger.

Ich wünsche dir viel Freude auf dem Weg zur Erleuchtung und beim Gedanken-Scheißerchen erkennen! 😉

Wenn du magst, dann kannst du mir gerne unten einen Kommentar zu deinen ganz eigenen Erfahrungen damit hinterlassen.
Vielleicht magst du diesen Artikel auch teilen. Dann freue ich mich!

Alles Liebe und mit herzlichen Grüßen

 

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