Shakespeare & ich. Oder: Die Frage nach dem Warum des Seins

Mal ganz ehrlich: Bei einer solchen Überschrift hat man eigentlich gar keine Lust, weiter zu lesen, oder? Klingt viel zu sehr nach jener gequirlten Pseudo-Erleuchtungskacke, wie sie irgendwelche lustigen, weiß gekleideten nordeuropäischen Gurus gerne stundenlang und andächtig ihren Jüngern verzapfen. Ich persönlich habe es ja nicht so damit. Wenn ich nicht wüsste, was ich geschrieben habe und nicht der Ansicht wäre, dass es durchaus lesenswert ist, würde ich sagen: Du, such’ dir lieber was Interessantes zum Lesen! Es ist dein Leben und deine Zeit. Du hast die Wahl. Bleiben oder gehen. Sein oder nicht sein. Letztlich ist es sowieso egal und warum das so ist, beschreibe ich im Folgenden. Sag’ also nachher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt…. Also, auf geht’s: In das Abenteuer der Gleichgültigkeit!

Heute morgen wurde ich um vier Uhr dreißig von alleine wach. Nicht, weil mich irgendwelche höheren Mächte oder meine Kinder (was irgendwie dasselbe ist) aus dem Schlaf gerissen hätten, sondern sehr wahrscheinlich deshalb, weil ich gestern Abend schon um 21.00 Uhr eingeschlafen bin. Manchmal ist es so einfach zu erklären.

In letzter Zeit passiert es mir oft, dass ich mit sehr interessanten Affirmationen wach werde. Quasi in der Endphase des Wachwerdens, noch bevor ich wirklich im Tagesbewusstsein bin, erscheinen diese Affirmationen. Manchmal als Wort oder kurzer Satz, manchmal höre ich sie auch.
An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich sehr dankbar bin, in eine Zeit wie diese hineingeboren worden zu sein, in der man solche Geisteszustände ganz offen aussprechen darf, ohne befürchten zu müssen, in die Klapsmühle gesteckt zu werden. Vor nicht allzu langer Zeit war das noch anders…

SEIN – Ausrufezeichen – Fragezeichen.

Nun gut. Heute morgen um 04.30 Uhr wurde ich also wach und vor meinem geistigen Auge erschien in großen Leuchtbuchstaben das Wort “SEIN”.

Ich gebe zu, dass mich dieses Wort schon seit Tagen und Wochen, naja, eigentlich schon seit Jahren immer wieder beschäftigt. Ich frage mich: Was heißt das eigentlich: “Sein”!? Die altbekannte Frage nach dem “Wer bin ich und warum?” scheint nach wie vor nicht beantwortet zu sein. Weder für mich noch für sonst wen. Was vielleicht auch daran liegt, dass wir uns – im besten Falle – ständig weiter entwickeln.

Mit diesem großen, leuchtenden SEIN vor meinem geistigen Auge ging ich sofort zu meinem Schreibtisch und schrieb in mein Tagebuch u.a. dies:

(…) bin ich vielleicht bloß meinetwegen hier? Um Erderfahrungen zu machen? Nur um meinetwillen? Weil ich so gerne fühlen wollte? Häh!? Stell’ dir das mal vor: Es hat keinen übergeordneten Grund, dass du hier bist. Es gibt dieses “Warum” gar nicht, von dem immer behauptet wird, du müsstest es finden und kennen. 
Stell’ dir vor, es wäre weder für dich noch für diese Welt wichtig, dass du in irgendeiner Form “dienst”. 
Ok, du hast schon vielen Menschen geholfen und viele Menschen berührt, aber wenn es dich nicht gäbe, dann hätten sie vielleicht jemand anderen gefunden.  Du bist nichtmal hier, um Gottes Licht auf die Erde zu bringen. Wenn du das machen möchtest, dann mache es. Wenn du es nicht tust, dann lasse es. Es ist egal. Stell’ dir das mal vor… Es ist egal. Was tust du mit diesem Leben, wenn es keinen übergeordneten Grund gibt, außer dem, dass du gerade hier bist?”

Zunächst war ich erschrocken ob dieser vermeintlichen Sinnlosigkeit meines Daseins. Da habe ich mich all die Jahre so wacker gehalten und war so fleißig, immer mehr ich selbst zu werden. Und letztlich sollte das alles egal sein? Was für eine bodenlose Unverschämtheit! Von wem auch immer. Apropos bodenlos…

Eine bodenlose Unverschämtheit: Einfach in der Milchstraße baden.

Dann dachte ich weiter. Wenn es also tatsächlich keinen übergeordneten Grund geben sollte, weswegen ich als ICH hier bin, und ich wirklich nur meinetwegen hier bin, was fange ich nun damit an?

Auf einmal fiel mir eine Situation ein, in der ich vor vielen Jahren bei einem meiner Urlaube auf La Gomera mein geliebtes Himmelsspiel spielte. Ich legte mich zu diesem Zweck abends auf die Dachterrasse und machte mir meinen Körper auf der Erde und die Tatsache bewusst, dass mein Körper nur wegen der Erdanziehungskraft auf der Erde liegt und ich das fühlen kann. Ich machte mir voll und ganz bewusst, dass es kein “Oben” und kein “Unten” gibt, kein “Rechts” und kein “Links” und dass wir auf einem winzigen, wunderschönen, perfekten Ball in dieser nicht zu erfassenden Unendlichkeit um unseren Fixstern schweben. Ich machte mir die Geschwindigkeit der Erdrotation bewusst, die wir nicht bemerken. Ich machte mir bewusst, dass ich dort – in diesem winzigen Ausschnitt der Milchstraße – das Licht von Sternen sehe, die es vielleicht schon seit tausenden von Jahren nicht mehr gibt. Dann streckte ich meinen Arm aus und fühlte mich in genau diesem Moment voll und ganz eins mit dem weiten, unendlichen Raum. Und kam mir so winzig und unbedeutend vor und gleichzeitig so unendlich groß. Meistens musste ich dann lachen vor lauter Glück über dieses große Wunder LEBEN. Ich liebte dieses Himmelsspiel!
Und wer jetzt denkt: “Klar. Gomera. Da hat die liebe Melli sich vorher bestimmt ein dickes Tütchen mit richtig gutem Zeug gegönnt!” dem sei gesagt: Um Gottes Willen! Ich bin von Natur aus so und komme von ganz alleine auf solche Ideen! Nicht auszudenken, was geschehen würde, wenn ich auch noch Drogen nähme! Nix da!

Einmal wagte ich im Zuge eines solchen Sternenbades leise zu fragen: “Was ist der Sinn des Universums?” Ich bekam prompt Antwort, von wo auch immer:

“Das Universum hat keinen Sinn. Es ist einfach.
Sein ohne Sinn ist der Sinn des Seins.”

Wie bitte? Sein ohne Sinn ist der Sinn des Seins? Obwohl mein kleines Gehirn nichts verstand, fühlte ich doch tief in meinem Herzen die in dieser Aussage vorhandene Wahrheit. Aber ich war noch lange nicht so weit, das annehmen zu können oder zu wollen. Den Dingen und sich selbst einen Sinn zu geben ist schließlich etwas, das durchaus sinnvoll zu sein scheint, weil es vermeintlich Halt gibt. Die Erde und all unsere Planeten und Galaxien werden schließlich auch von irgendetwas gehalten, wenngleich niemand wirklich weiß, von was. Von dem Zusammenspiel der Kräfte, möglicherweise. Vielleicht. Kann sein. Muss nicht. 

Alles ist gleichgültig, weil alles egal ist!?

Vor ein paar Monaten saß ich am Meer, an meiner Lieblingsstelle, die ich “meine Kirche” nenne und an die ich so oft wie möglich morgens gehe, um zu kontemplieren und mich mit dem Meer und mit Gott zu unterhalten.

Ich fragte, ob denn das, was ich gerade so mache – also mein Schreiben und all die Unterfangen, die ich unternehme, um Menschen, denen es hilft oder Freude macht, zu erreichen – also ob denn all das so richtig sei, wie es gerade ist.

Auch hier erfolgte die Antwort sofort:

“Wenn es dir Freude macht!?”

Ich sagte: Ja, meistens schon.

Es: “Dann ist ja gut”.

Und dann sprach “es” weiter:

“Im Grunde genommen ist es sowieso egal. Egal im Sinne von “gleich”. Französisch: Égalité. Es ist alles gleich. Alles ist von derselben Essenz, von derselben Quelle. Atömchen, Quanten. Du verstehst? Ihr unterscheidet und polarisiert ohne Unterlass. Zwischen Leben und Tod. Zwischen Gut und Böse. Und letztlich ist alles egal. Alles ist gleich. Mach’, was du willst, Melanie.” 

In diesem Moment verstand ich diese Aussage der Gleichheit, der Égalité, der Gleichgültigkeit von allem, was ist, so zutiefst, mit all meinem Sein und voll und ganz. Danach folgte der bislang größte und längste Lachanfall meines Lebens. Jeder, der schon einmal erlebt hat, wie es ist, wenn ich aus tiefstem Herzen lache und nicht mehr aufhören kann, weiß, was DAS bedeutet….;-) 

Die große Frage nach dem Sein und dem Sinn des Seins. Wie viele Menschen umtreibt diese Frage seit wie vielen Jahren? Wer kennt ihn nicht, diesen einen Satz aus Shakespeare’s Hamlet: “Sein oder nicht sein. Das ist hier die Frage.”?

Mach’ doch einfach, was du willst.

Was, wenn der einzige Grund für unser Dasein der ist, dieses Sein – jetzt und hier – einfach nur zu genießen? Dieses kurze Leben zu feiern. Denn es ist wirklich kurz, verdammt kurz! Und die vielen Möglichkeiten, die sich zum Feiern dieses Lebens bieten, zu nutzen und voll auszuschöpfen? Oder auch nicht? Weil es egal ist. Und wir in dieser großen “Gleich-Gültigkeit” – in ihrem reinsten Sinne – wählen können?

Keinen Grund, kein übergeordnetes “Warum”, keinen höheren Zweck mehr zu suchen, niemandem mehr irgendwie “helfen” oder “dienen” wollen oder müssen, um dem eigenen Dasein eine Berechtigung zu geben, sondern wenn, dann aus dem vollen Herzen heraus einfach DA SEIN…. Was wäre, wenn? Wenn es wirklich so einfach wäre, und doch gleichsam so komplex wie der Sinn des Universums:

“Sein ohne Sinn ist der Sinn des Seins”.

Es gibt Tage, da wünschte ich, ich würde mich für Kreuzworträtsel, Computerspiele oder Modelleisenbahnen interessieren. Es hat nicht sollen sein. In einem nächsten Leben. Vielleicht…. 

Es ist jetzt 12 Uhr, die Sonne ist schon lange aufgegangen, der Himmel ist wolkenfrei und es verspricht, ein schöner Tag zu werden. Wenn die Sonne gerade aufgegangen ist, dann kann man am westlichen Horizont den Erdschatten sehen. Manchmal tauchen hinter diesem Erdschatten die Reflexionen der Sonnenstrahlen auf.  Das ist so faszinierend, wenn du morgens nach Westen schaust und dort, hinter dem Schatten des kleinen, perfekten Balls, auf dem wir durch die Unendlichkeit schweben, die Reflexionen der Sonnenstrahlen aus dem Osten siehst. Oder ein Regenbogen. Gibt es etwas Sinnloseres als einen Regenbogen? Ein Regenbogen ist zu nichts nütze. Und doch erfüllt er die Herzen aller Menschen dieser Welt – egal wie alt – für den kurzen Moment seines Erscheinens mit Freude. Schon immer. Und immer wieder. Gott, du alter Halunke! Sein ohne Sinn… dass ich nicht lache! 😉

Das Leben ist ein Wunder! Und es ist wundervoll, hier zu SEIN!

Alles Liebe für dich und mich und uns!

 

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PS: Wenn du denkst: “Oh, jetzt ist sie offenbar vollkommen verrückt geworden! Und es scheint ein ziemlich geiler Zustand zu sein! Hey, das will ich auch!” – dann melde ich dich gerne bei mir. Ich bin einige Umwege gegangen und kenne ein paar wirklich verrückte und verrückende Abkürzungen… 😉

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4 Comments

  1. Ich lass Dir einen Kommentar da, wegen der Freude 🙂
    Sein ohne Sinn ist der Sinn des Seins ist genauso gescheit wie Form ist Leere und Leere ist Form.
    Es hat Spaß gemacht Deinen Beitrag zu lesen, denn meine Ansichten sind ähnlich.
    Der Sinn des Lebens ist zu leben und hat den Sinn, den wir ihm geben. Das ist mein Satz.
    Ach, und reimt sich auch noch, fällt mir grad auf.
    Und ich kenn immer mehr Leute, die finden, dass das Leben zum Spaß haben und Genießen
    da ist. Für mich ersetze ich das Spaß durch Freude, denn Spaß hat immer (fast immer) einen
    Grund, und Freude kann grundlos sein.
    Liebe Grüße, Irmgard

    • Ja, liebe Irmgard! Eigentlich ist es so einfach, nicht wahr? Und uneigentlich auch! 😉 <3 lichen Dank für deine liebe Rückmeldung! Ich freue mich immer sehr darüber! Alles Liebe und bis bald – Deine Melanie

  2. Als Fachtherapeut für Biofeedback- und Neurofeedbacktherapie kann ich Dich beruhigen. Menschen, die entschleunigt leben, haben sehr oft eine lange Phase verstärkter Alphawellenaktivität beim Aufwachen. Da passiert so etwas und das ist nicht pathologisch – also nicht reif für die Klinik! Es ist eher ein Zustand, der uns mehr mit uns selbst in Verbindung bringt und wenn unserer tiefstes Innerstes göttlich ist, dann eben damit.
    Es ist eben das Wunderbare, was uns die Theologen immer so verschleiern: Wie sind als Schöpfer geschaffen. Das alles, was gerade da ist, ist nur der Anfang. Es hat seinen Sinn in sich selbst und wir müssen ihm eine Bedeutung geben. Was anderes haben Adam und Eva im Garten Eden auch nicht gemacht. Und sie waren glücklich damit, bis sie daran zu zweifeln begannen.
    Welchen Sinn macht es eigentlich, wenn ein Mann (von Beruf Fischer, also mit hinreichend viel Erfahrung mit Wasser) auf dem Wasser laufen will? Na, keinen! Und trotzdem ermutigt ihn Jesus, das zu tun. Es geht um die Erfahrung, dass Du alles schaffen kannst, was Du dir vorstellst. Und am Ende hat dann doch alles Unsinnige wieder Sinn: Hätte es dieser Mann damals nicht gewagt, auf dem Wasser zu laufen und hätte er nicht diese Schritte auf dem Wasser getan (Matthäus 14, 28-31), dann würde ich heute wahrscheinlich meine tiefsten inneren Wünsche und Ideen als Spinnerei abtun oder gar als pathologisch bezeichnen. Und ich würde in der alte Soße schwimmen und vielleicht behaupten, es ginge nun mal nicht anders. Aber es geht anders! Versprochen und schon so oft erlebt!
    Stell dir vor…

    Stell dir vor, du hast drei Wünsche frei
    Und du wünschst Dir was
    Zuerst dies und dann das
    Und das alles geschieht eins, zwei drei.
    Du hast drei Wünsche frei.

    Stell dir vor, du kennst eine Fee
    Und du wünscht Dir was
    Zuerst dies und dann das
    Und die Fee zaubert holladudee
    Blumen im kalten Schnee.

    Stell dir vor, es gibt einen Zwerg
    Und du wünscht Dir was
    Zuerst dies und dann das
    Und der Zwerg aus dem dunklen Berg
    Erledigt Dein Tagewerk.

    Stell dir vor, du selbst kannst all das
    Und du wünscht Dir was
    Zuerst dies und dann das
    Und das Leben wär voller Spaß
    Du müsstest nur wissen: „Was?“
    WS 2015

    • So schön!! Vielen Dank! Auch für die Erklärung zum Alphazustandes, das finde ich hochinteressant! Das Gedicht ist von dir, Winfried!? Das ist zauberhaft! Das werde ich ausdrucken und meinen Kindern vorlesen! <3

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