Die Sache mit dem Kreuz. Oder: Jesus pissed-of

Als ich etwa drei Jahre alt war, trug ich ein goldenes Kettchen mit einem kleinen Kreuz daran. Eines Tages kam Frau Weigelt, eine ältere Nachbarin, zu uns und bewunderte meinen Anhänger und sagte „Ei Melanie, du hast aber ein schönes Kreuzchen!“ woraufhin ich entrüstet entgegnete: „Das ist kein Keuzchen! Das ist ein Fugzeug!“

Genauso steht es in dem Fotoalbum beschrieben, welches meine Eltern bei meiner Geburt für mich angelegt hatten und in welchem die vielen netten kleinen Geschichten der ersten Melanie-Jahre aufgeschrieben wurden.
Klar, für mich hatte dieses Kreuzchen dieselbe Form und auch Größe wie die Flugzeuge, wenn sie am Himmel über uns hinweg flogen. Und ich fand mein kleines, goldenes Fugzeug nicht nur sehr, sehr schick, sondern auch viel plausibler als irgend so ein Kreuz, was auch daran liegen mag, dass ich in diesem jungen Alter noch nicht allzu viel über Jesus nachdachte.

Wenn ich Jesus wäre

Das ist mittlerweile anders und ich habe insbesondere im letzten Jahr oft darüber nachgedacht, dass ich, wenn ich Jesus wäre, ziemlich angepisst wäre ob der Menschen. Ich meine, man muss sich das mal vorstellen.  Da hast du alle Schuld und jegliches Leid der Welt auf dich genommen, hast das Kreuz quasi für alle getragen, wie Sau gelitten und noch fast zweitausend Jahre später gedenkt man deiner und deinem unendlichen Leid  und was ist!?
Deine Brüder und Schwestern haben nix, aber auch gar nix kapiert!


Stattdessen leben sie nach wie vor nach dem Motto „Das Leben ist eines der schwersten und endet für gewöhnlich mit dem Tod.“ Mal ganz ehrlich und unter uns: Ist doch so, oder!?  Nein, was haben wir es schwer. Und wenn wir es mal nicht schwer haben, dann machen wir es uns halt schwer. Geht ganz leicht. Das mit dem schwer machen.

Im Schleudergang zur Erleuchtung

Ich gebe zu, dass ich mich selbst immer mal wieder dabei erwische, dass ich es mir schwerer mache, als es ist. Manchmal, so scheint es mir, hat das beinahe etwas Selbständiges. Es passiert einfach so. Glücklicher Weise komme ich mir aber immer schneller selbst auf die Schliche. Und: Ich habe mich auf  Dankbarkeit getrimmt.
Dankbarkeit ist meiner Meinung nach eine der stärksten Waffen, wenn es darum geht, die vermeintliche Schwere des fiktiv erdachten Kreuzes, das man durch die Gegend schleppt, wieder los zu werden.

Wann immer ich zum Beispiel denke: „Ach Mist, schon wieder so viel Wäsche zum waschen!“ kommt automatisch: Hey! Du hast Wäsche zum Anziehen. Reichlich sogar. Und die vielen kleinen T-Shirts und Kleidchen, die sind von deinen Kindern, die gesund sind und die beim Spielen diese Sachen schmutzig gemacht haben. Du hast gesunde Kinder, die spielen können. Und – jetzt kommt’s: Du hast eine Waschmaschine!
Nein, das hat nichts mit aufgezwungenem Schöndenken zu tun, denn ich muss mir meinen Reichtum nicht erst schön denken, er IST schön. Fertig!

Jammerlappenmentalität 

Wenn ich Jesus wäre, würde ich sagen: Leute! Guckt euch doch mal um! In welchem Überfluss ihr lebt! Seht ihr eigentlich noch das Wunder der Schöpfung, das euch umgibt? Ok, in einer Riesenmetropole wie z.B. New York fällt mir die Entdeckung der Schönheit der Schöpfung auch eher schwer, weswegen ich auch nicht in New York lebe, sondern auf La Gomera. Dennoch empfinde ich es oft so, dass in unserer Gesellschaft so eine Art Jammerlappenmentalität vorherrscht. Alles ist so furchtbar schwer und dramatisch. Persönlichkeitsentwicklung auch. Hach, was ist es schwer, sich mit den ganzen alten Themen zu beschäftigen und der Weg zur Erleuchtung ist auch nicht so easy und vor allem, so scheint es, hat man, wenn man erleuchtet ist, sowieso nix mehr zu lachen. Da kann man es auch eigentlich ganz lassen, oder? Meine Meinung: Ja, kann man.

Stattdessen wäre schon vielen geholfen, wenn sie sich einfach darauf besännen, von wie viel Schönheit und Reichtum sie umgeben sind. Ich meine das nicht mit der Moralkeule wedelnd. Wer wäre ich denn, so etwas zu tun und wo käme ich hin, wenn ich dieser jemand wäre? Lieber nicht weiter drüber nachdenken!

Jesus did the job

Aber hier und da den ein oder anderen kleinen Gedanken daran verschwenden, ob es wirklich so schwer ist, dieses selbst auferlegte Kreuz, oder ob es vielleicht doch sein kann, dass diesen Job, nämlich damit unnötig durch’s Leben zu laufen, vielleicht schon unser lieber Bruder Jesus vor fast zweitausend Jahren für uns übernommen hat? Und wenn dem so wäre, dann gäbe es auch gar keinen Grund mehr, sich schuldig zu fühlen. Schuldgefühle sind ja auch so eine lästige Last und in den allermeisten Fällen völlig unbegründet und vor allem hindern sie einen daran, in die Eigenverantwortung zu gehen, was aber noch mal ein anderes Thema ist und ich möchte meine Leser nicht  mit einem einzigen Blogartikel überfordern. Es soll ja nicht schwerer werden, als es nicht ist.

Cabin crew prepare for takeoff!

Also: Schnall dir doch einfach mal dein viel zu schweres Kreuz vom Rücken und steig‘ in das Flugzeug deiner Träume! Und schau dir aus der Metaebene an, wie viel schon da ist, das dir den jetzigen Moment und den nächsten und übernächsten vielleicht ein bisschen leichter macht…

Als Unterstützung und intensive Erinnerungshilfe finden wir jetzt zu Ostern mit Sicherheit den ein oder anderen Jesusfilm. 

Guten Flug und: Always look at the bright sight of life!

 

PS: Wenn dir dieser Blogpost gefallen hat, freue ich mich über einen Kommentar!

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26 Comments

  1. Liebe Melanie,

    wunderbar geschrieben. Dankbarkeit ist der Schlüssel.

    Und ja : ohne Drama. Ohne moralin-sauren Zeigefinger. Aber wahr ist es trotzdem.

    Danke und hab schöne Feiertage

    Claudia

  2. Liebe Melanie
    Das hast du wieder mal sehr treffend beschrieben. Jammerlappen gibt es zu viele. Und sie verschliessen beim Jammern die Augen vor ihrem Reichtum.

    Schön, wenn man es erkennt wo man wirklich geht und steht.

    Ich wünsche dir und deinen Lieben Frohe Ostern

  3. Ein wunderbar leicht geschriebener Blogartikel über die vermeintlich schweren Dinge in unserem Leben! Vielen Dank Melanie!

  4. ….einfach mal wieder kurz und bündig richtig treffende Worte gefunden – ich mag deine Schreibweise sehr – weil nie der humor fehlt! lieben ostergruß von der playa 🙂

  5. so geil geschrieben – grosses DANKE! On point und schőn leicht-schwer! Habt schőne Ostern – ob mit oder ohne Fugzeug! ☉

  6. Wow Danke für deine Worte .. ich denke oft wieviele ein kreuz tragen oder auch eines an ihrer Wand hängen haben. Immer wieder wird der Fokus auf das Leid gelenkt . Viele vergessen dann das Wunder und das was Jesus in diese Welt gebracht hat. In Gesprächen erinnere ich gerne daran was für ein mutiger und cooler Typ Jesus war,
    und dass er es geschafft hat Mitgefühl und Vergebung zu lehren. Und das fantastische ist doch heute das wir nicht ans Kreuz genagelt werden, sondern frei sind zu leben wie wir uns das wünschen. Ich mag das Bild mit dem Flugzeug , denn das macht uns frei und nicht der Gedanke an das Kreuz. Also Fokus verändern und einfach fliegen. Danke ❤️

  7. Liebe Melanie, das mit der Dankbarkeit vergesse ich auch immer wieder so schnell! Ich kann jede Erinnerung brauchen, und ich finde, du hast es sehr schön beschrieben! Danke 🙂

    • Vielen Dank, Kendra! Ich vergesse es auch immer wieder, aber es ist wirklich auch eine Frag der Übung! Tschaka! Wir schaffen das! Viele liebe Grüße!

  8. Vielen Dank für Deine erfrischende Art, alles auf den Punkt zu bringen!
    mein Motto seit vielen Jahren: Im Leben muss nur eines hart sein der Penis meines Partners….. für den ich im Übrigen sehr dankbar bin – den Partner…. und sein Verständnis für mich.. 😀
    Frohe Ostern im Kreis deiner Lieben!

  9. Mal wieder ein wunderbarer Artikel, liebe Melanie, passend zu Semana Santa. Auch heute gibt es noch einige wunderbare
    Menschen die Mitgefühl vermitteln und ihr Leid im positiven Sinn „tragen“ und ihre Stärke im Hier und Jetzt leben! Ich möchte mich gar nicht auf Jesus beziehen, denn diese Menschen die ich kennengelernt habe, bestärken mich in meinem Glauben, dass alles seinen Sinn hat und ich dankbar sein kann für alles Gute was ich erlebe und dass ich auf „unserem Inselchen “ frei leben kann….Muchas Gracias, Tatjana

    • Danke für dein Feedback, liebe Tatjana! Bist du eigentlich noch hier? Dann könnten wir uns morgen Abend bei den Inselpoeten sehen….Das wäre schön! Un abrazo! Melanie

  10. Liebe melanie , mit dem Beitrag hast du mir aus der Seele gesprochen wir , uns geht es zu anderen gut und sollten dankbar sein ,dass wir jeden Tag aufwachen dürfen und die Natur genießen können

  11. Hallo, Melanie,
    was soll ich da noch hinzufügen…. außer, daß ich innerlich vor Dankbarkeit über dieses wunderbare Dasein jeden Tah auf’s Neue auf die Kniee falle. Du hast den richtigen Gedankengang und die richtigen Worte gefunden. Ich freue mich, Dich hier getroffen zu haben. Facebook ist gar nicht so schlecht, ne?

  12. Danke für Deinen Mut aufzuklären.
    -alles was atmet , lobet den Herrn-
    Ich segne Dich liebe Melanie .
    Die Sprache ist mir etwas zu negativ .wohllautend u erbauend schenkt wertvoll sein . Und das will ja erreicht werden in jedem Herzen .

    • Vielen Dank für dein Feedback, Gabriele! Ich freue mich, dass ich dich trotz der rüden Sprache doch erreicht habe… 😉 Alles Liebe! Melanie

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