Der Papst, die Queen, mein Vater und ich. Oder: Warum Personenkult scheiße ist

Die Möglichkeit zur Entwicklung eines Personenkults gleich welcher Art wurde bei mir im zarten Alter von neun Jahren an einem heiligen Sonntagmorgen für immer zerstört. Von meinem Vater. Und das kam so:
Wir saßen beim Frühstück und irgendwann kam ich sehr ausschweifend und schwärmerisch auf die Queen und den Papst zu sprechen und hatte dabei offenbar einen recht verklärten Gesichtsausdruck. Auf einmal sah mein Vater mich mit ernstem Blick an und sagte in bedeutungsschwangerem Ton: „Melanie. Komm mal bitte her. Setz dich auf meinen Schoß. Ich verrate dir jetzt mal ein Geheimnis und es ist sehr, sehr wichtig, dass du es dir für alle Zeiten merkst, ja?“
Ich nickte, setzte mich auf den Schoß meines Vaters und wartete gespannt, welch großartige Offenbarung mir nun wohl zuteil werden würde. Mein Vater fuhr in bedeutungsvollem Ton und mit gesenkter Stimme fort:
Alles Schall und Rauch!

„Die Queen und der Papst, ja!? Die müssen jeden Tag genauso auf’s Klo wie du und ich!“ Dann fuhr er fort: „Lass‘ dich niemals – NIEMALS – von irgendwelchen Titeln oder einem Status blenden! Frage dich stattdessen: Was hat dieser Mensch tatsächlich geleistet? Wo und womit ist er für andere Menschen wirklich wichtig? Wo hilft er? Es gibt so viele „kleine“ und „unbedeutende“ Menschen, die Großartiges leisten. Deine Großmütter zum Beispiel, die im Krieg mit ihren kleinen Kindern allein waren und nach dem Krieg unsere Stadt wieder aufgebaut haben! Der Friedhofswärter, der einen ganz schwierigen Beruf hat. Die Müllmänner, die sich um unseren stinkenden Abfall kümmern! All die, die in den Krankenhäusern arbeiten und dafür sorgen, dass es anderen Menschen besser geht. Das sind die Menschen, zu denen du aufschauen kannst. Das sind die Menschen, die wirklich deinen Respekt verdienen! Weil sie wirklich etwas leisten! Also: Lass dich niemals von Titeln oder einem Status blenden, das ist alles Schall und Rauch. Und am Ende müssen wir eh alle sterben.“

Zack! Das saß! Ich erinnere mich an diese Worte, als wäre es gestern gewesen. Denn es war das zweite Mal in meinem jungen Leben, dass ich mit dem einschneidenden Gefühl der Desillusionierung konfrontiert wurde. Das erste Mal war, als ich erfuhr, dass es das Christkind und den Nikolaus nicht gibt. Und nun das.  Keine Anbetung mehr. Kein einfaches „toll finden“. Egal, wen ich mir auch vorstellte – Fernsehstars, Popstars, meine Lehrer – ich sah sie alle nur noch auf dem Klo sitzen… und auf dem Sterbebett liegen. Wir waren alle gleich.
Niemand ist besser als du und du bist nicht besser als irgendwer sonst
Doch damit nicht genug! Denn dieser Effekt der Desillusionierung hat bei mir gleichfalls vice versa große Wirkung gezeigt. Er hat nämlich dazu geführt, dass ich mich selbst nicht mehr toller finden musste als andere. Welch Entspannung, welch ein Friede!
Wer andere klein macht, fühlt sich selber klein

Eine Sichtweise übrigens, die manchem heutzutage dringend anzuraten wäre! Wer sich über andere erhebt, tut es deshalb, weil er sich kleiner fühlt. Andernfalls bestünde ja gar keine Notwendigkeit, sich überhaupt erheben zu müssen. Logisch, oder?

Wer andere klein macht, fühlt sich selber klein.
Wer andere verletzt, ist verletzt.
Wer um sich schlägt, sei es mit Worten oder tatsächlich, hat selber Angst, geschlagen zu werden.

Warum aber machen das so viele? Sich über andere erheben, so tun, als seien sie etwas Besseres, intellektuell oder materiell? Meine Antwort: Weil sie ihren eigenen, wahren inneren Wert noch nicht erkannt haben. Solange wir uns nicht vollumfänglich mit uns und unserem Schicksal bekannt und vertraut gemacht haben, solange wir uns nicht voll und ganz verziehen haben, so lange wir uns selbst noch nicht voll und ganz angenommen haben – solange werden wir im Vergleich mit anderen sein, um dadurch Orientierungspunkte für uns selbst zu finden. Die Frage ist nur: Nutzen wir diese Orientierungspunkte? Nämlich dafür, uns uns selbst immer weiter anzunähern und dadurch besser kennen zu lernen?

Es tut mir oft im Herzen weh, wenn ich sehe, wie sehr Menschen um sich schlagen, nur, um ihr eigenes verletztes Innen durch etwaige Antastung von außen nicht spüren zu müssen.

Friede sei mit dir?

Der Weg des Friedens ist aber ein anderer. Und er beginnt bei jedem selbst. Das hört sich nach pseudospiritueller Floskel an. Leider. Ich halte diese Aussage aber aus eigener Erfahrung für wahr.

Sobald du erfährst und annimmst, dass du so, wie du bist, mit all deiner Geschichte und all deinem Schicksal, einzigartig, wertvoll und würdig bist, wirst du in gleichem Maße erkennen, dass dies für jeden anderen Menschen auf dieser Welt ebenso gilt. Dann wirst du jeglichen Zwang oder Bedarf, dich über andere erheben zu müssen, nicht mehr verspüren. Du wirst aufhören, andere als minderwertiger als dich selbst betrachten zu müssen, sobald du deinen eigenen wahren Wert erkannt hast.

Wir leben in einer Zeit, in der wir gerade alle aufgefordert sind, uns unserer ganz eigenen persönlichen Transformation zu widmen. Nur, wer den Weg der eigenen inneren Transformation wagt, wird zu jener Größe erblühen, die ihn auf Augenhöhe bringt mit allem, was ist.

Das ist meine ganz persönliche Wahrheit. Wenn du damit in Resonanz gehst, gehst du damit in Resonanz. Wenn du damit nicht in Resonanz gehst, gehst du damit nicht in Resonanz. So einfach ist das. Du bist du. Ich bin ich. Wir sind frei. Und noch viel mehr…

Wenn du meinst, es sei an der Zeit, einen Blick in dein persönliches Lebensbuch zu werfen und dort all jene Geschichten zu finden, die dich zu deinem eigenen inneren Schatz und deiner wahren Größe führen, dann melde dich bei mir. Ich helfe dir dabei, es zu öffnen und darin zu lesen. Schreib‘ eine Email an fuerdich@melanie-kaltenbach.de

 

Alles Liebe und: Sei dein eigener Held! 

PS: Lieber Heinz, liebe Luise, diesen Blogpost widme ich euch – in tiefer Dankbarkeit für alles, was ihr mir mitgegeben habt.
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