Asche zu Asche. Oder: Was am Ende übrig bleibt.

Neulich hatte ich die große Ehre, einer sehr besonderen Abschiedszeremonie beiwohnen zu dürfen. Ein alter Mensch war nach langer Krankheit verstorben. Sein Leichnam war eingeäschert worden, das älteste Kind hatte die Asche aufbewahrt, bis zum Tag der Abschiedszeremonie.

Man traf sich bereits früh und verbrachte den ganzen Tag miteinander. Es wurde gemeinsam gegessen, die Enkel des Verstorbenen spielten friedlich draußen vor dem Haus. Es wurden Anekdoten aus dem Leben des Verstorbenen erzählt. Bewegende, traurige, lustige. Es wurde viel gelacht und viel geseufzt. Man nahm sich tröstend in den Arm. Immer wieder. Es war friedlich. Und voller Liebe. 

Abends hieß es: Für immer Abschied nehmen. Ein Kind nahm die Urne an sich, gemeinsam stieg man den heiligen Berg in der Nähe des Hauses hinauf. Zu Lebzeiten war der Verstorbene gerne und oft auf diesem heiligen Berg gewesen. Man suchte einen ganz besonderen Platz auf dem Gipfel des Berges auf. Das älteste Kind sang ein Lied, welches nur aus Tönen bestand. Ein Lied, so alt wie die Erde. Dann nahmen alle Kinder des Verstorbenen nach und nach eine Handvoll Asche und übergaben sie dem Wind, welcher sie über das weite Land verteilte.

Erde zu Erde.

Asche zu Asche.

Staub zu Staub.

Dann war die Urne leer.

Alles, was von einem kleinen Menschenleben übrig geblieben war, war an die Erde zurück gegeben worden. 

Was bleibt, sind Herzen voller schöner Erinnerungen. Und Liebe! So viel Liebe!

Ich sah die kleinen hellen Aschewölkchen, wie sie ein letztes Mal im Wind tanzten um sich dann zu verteilen und in Nichts aufzulösen.

Und ich fragte mich: Was machen wir mit unserem kleinen Menschenleben, von dem am Ende nichts weiter bleibt, als ein kleiner Haufen Asche?

Wie sehr leben wir unser Leben?

Wir sehr leben wir den Moment?

Wie sehr wissen wir zu schätzen, was wir tun können, während wir leben?

Wie viel von dem, was wir tun könnten, tun wir wirklich?

Für uns?

Für unsere Liebsten?

Für unsere Erde?

Und: Wir sehr lieben wir?

Damit am Ende vielleicht doch mehr von uns bleibt, als ein Haufen Asche, der ein letztes Mal mit dem Wind tanzt, bis er sich in Nichts auflöst und wieder Eins wird mit der Erde.

Damit am Ende Herzen voller schöner Erinnerungen an uns bleiben. Und Liebe. Ganz viele Liebe. 

Wie sehr?

 

Melanie Kaltenbach 

 

PS: Wenn es für dich an der Zeit ist, dass du dich an dich erinnern und wieder voll und ganz zu dir zurück finden möchtest, dann schreibe mir eine eMail. Ich melde mich so bald wie möglich bei dir zurück.

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